Schlu� - Moderne I

KANT definiert das Schlie�en als �diejenige Funktion des Denkens.... wodurch ein Urteil aus einem andern hergeleitet wird. - Ein Schlu� �berhaupt ist also die Ableitung eines Urteils aus dem andern� (Log. � 41). EH gibt unmittelbare und mittelbare Schl�sse (l. c. � 42). Erstere hei�en Verstandesschl�sse, letztere sind Vernunftschl�sse oder Schl�sse der Urteilskraft (l. c. � 43). Letztere sind �gewisse Schlu�arten, aus besondern Begriffen zu allgemeinen zu kommen� (l. c. � 82). Ein Vernunftschlu� ist die �Erkenntnis der Notwendigkeit eines Satzes durch die Subsumtion seiner Bedingung unter eine gegebene allgemeine Regel� (l. c. � 56), �ein jedes Urteil durch ein mittelbares Merkmal� (WW. II, 56). �Liegt das geschlossene Urteil schon so in dem ersten, da� es ohne Vermittlung einer dritten Vorstellung daraus abgeleitet werden kann, so hei�t der Schlu� unmittelbar (consequentia immediata). ich m�chte ihn lieber den Vestandesschlu� nennen. Ist aber, au�er der zum Grunde gelegten Erkenntnis, noch ein anderes Urteil n�tig, um die Folge zu bewirken, so hei�t der Schlu� Vernunftschlu߫ (Krit. d. rein. Vern. S. 267). �In jedem Vernunftschlusse denke ich zuerst eine Regel (maior) durch den Verstand. Zweitens subsumiere ich ein Erkenntnis unter die Bedingung der Regel (minor) vermittelst der Urteilskraft. Endlich bestimme ich mein Erkenntnis durch das Pr�dikat der Regel (conclusio), mithin a priori durch die Vernunft� (l. c. S. 268). Der Vernunftschlu� geht nicht auf Anschauungen, sondern auf Begriffe und Urteile. �Vernunfteinheit ist... nicht Einheit einer m�glichen Erfahrung� (l. c. S. 269 f.). Der Vernunftschlu� �ist selbst nichts anderes als ein Urteil vermittelst der Subsumtion seiner Bedingung unter eine allgemeine Regel� (l. c. S. 270). Nach KIESEWETTER ist ein Schlu� �die Handlung, wodurch man die Wahrheit oder Falschheit eines Urteils aus einem andern herleitet� (Gr. d. Log. � 91. Allg. Log. 1801, I, � 228 ff.. vgl. HOFFBAUER, Anfangsgr. d. Log. 1794, � 317. CHR. WEISS, Log. 1801, � 216). Nach FRIES ist der Schlu� �die Ableitung eines Urteils aus andern Urteilen� (Syst. d. Log. S. 189 ff.) G. E. SCHULZE definiert: �Das Schlie�en ist diejenige Handlung des Verstandes, wodurch. die Gewi�heit der in einem Urteile enthaltenen Aussage aus dem schon vorhandenen Bewu�tsein der Gewi�heit anderer Urteile abgeleitet (deduziert) wird� (Gr. d. allg. Log. S. 99 ff.). Nach KRUG ist der Schlu� �ein Inbegriff von Urteilen, die als Grund und Folge zusammenhangen� (Handb. d. Philos. I, 169). Das Schlie�en ist ein �vermitteltes Urteilen�, �eine Geistest�tigkeit, wodurch eine Mehrheit von Urteilen im Bewu�tsein zu einem sich selbst begr�ndenden Ganzen verkn�pft wird� (ib.). CALKER bestimmt: �Schlu� ist diejenige Verbindung urspr�nglich zusammengeh�render Vorstellungen, welche nach dem Verh�ltnis des Besondern zu einem Allgemeinen und einem h�heren Allgemeinen gedacht wird.� �Es ist folglich diejenige Denkform, in welcher ein Urteil aus anderen Urteilen abgeleitet wird� (Denklehre S. 241, 348 ff., 400 ff.). Nach BACHMANN ist ein Schlu� �eine solche Verbindung von Urteilen, wo, deshalb weil eins oder mehrere gesetzt worden sind, auch ein anderes notwendig gesetzt werden mu߫ (Syst. d. Log. S. 150 ff, 182 ff.). �Ohne den Schlu� w�re in unserem Wissen alles vereinzelt.... nirgends ein stetiger �bergang von dem einen zum andern, ein Durchgef�hrtes, ein Ganzes� (l. c. S. 151). Als rein analytischen Denkprozess fa�t den Syllogismus SCHLEIERMACHER auf (Dial. � 327 f.), auch BENEKE (Syst. d. Log. I, 217 ff. Lehrb. d. Psychol.3, S. 114). Nach APELT ist der Schlu� ein hypothetisches Urteil, dessen Vorders�tze die Pr�missen sind, dessen Nachsatz die Conclusion ist (Theor. d. Induct. S. 1). Nach J. J. WAGNER kann jeder Syllogismus als hypothetisches Urteil dargestellt werden (Organ. d. menschl. Erk. S. 186). Nach LICHTENFELS ist das Schlie�en �das ein Urteil begr�ndende Denken� (Gr. d. Psychol. S. 122). Nach HEGEL ist der Schlu� �die Wiederherstellung des Begriffs im Urteil�, der �vollst�ndig gesetzte Begriff� (Log. III, 19), �die Einheit des Begriffes und des Urteils�. Er ist �das Vern�nftige und alles Vern�nftige�, der �wesentliche Grund alles Wahren�. �Alles ist ein Schlu߫ (Encykl. � 181. Log. III, 126). �Der unmittelbare Schlu� ist, da� die Begriffsbestimmungen als abstrakte gegeneinander nur in �u�erem Verh�ltnis stehen, so da� die beiden Extreme die Einzelheit und Allgemeinheit, der Begriff aber als die beide zusammenschlie�ende Mitte gleichfalls nur die abstrakte Besonderheit ist. Hiermit sind die Extreme ebenso sehr gegeneinander, wie gegen ihre Mitte gleichg�ltig f�r sich bestehend gesetzt. Dieser Schlu� ist somit das Vern�nftige als begrifflos - der formelle Verstandesschlu�. - Des Subjekt wird darin mit einer andern Bestimmtheit zusammengeschlossen. oder das Allgemeine subsumiert durch diese Vermittlung ein ihm �u�erliches Subjekt. Der vern�nftige Schlu� dagegen ist, da� das Subjekt durch die Vermittlung sich mit sich selbst zusammenschlie�t� (Encykl. � 182). Die Schl�sse zerfallen in qualitative (Schl. des Daseins), Reflexionsschl�sse (Schl. der Allheit, Induktion, Analogie), Notwendigkeitsschl�sse (kategorische, hypothetische, disjunktive Schl., l. c. � 183 ff.). Nach K. ROSENKRANZ ist der Schlu� �diejenige Form des Begriffs, die ihn aus der Beziehung nur zweier Momente zur totalen Einheit mit sich dadurch zur�ckf�hrt, da� die gegenseitige Selbstvermittlung der Begriffsbestimmungen gesetzt wird� (Syst. d. Wissensch. S. 109). Zu unterscheiden sind: I. Inh�renzschlu�, II Subsumtionsschlu�: 1) Schlu� der Empirie oder Einheit, 2) Schlu� der Induktion oder Vielheit, 3) Schlu� der Analogie oder Allheit, III. Relationsschlu� (l. c. S. 110 ff.. vgl. H. F. W. HINRICHS, Grundl. d. Philos. d. Log. S. 150 ff.. CHALYBAEUS, Wissenschaftslehre S. 182 ff.).

Nach SCHILLING ist das Schlie�en das Durchlaufen von Reihen von Begriffen und Urteilen (Lehrb. d. Psychol. S. 150 ff.. vgl. HERBART, Lehrb. zur Einl.5, S. 107 ff.). Nach SCHOPENHAUER ist ein Schlu� �die Operation unserer Vernunft, verm�ge welcher aus zwei Urteilen, durch Vergleichen derselben, ein drittes entsteht, ohne da� dabei irgend anderweitige Erkenntnis zu H�lfe genommen w�rde� (W. a. W. u. V. II. Bd., C. 10). Was der Schlie�ende erf�hrt, wu�te er schon implizite, aber er wu�te es nicht, da� er es wu�te (ib.). Urteile, nicht blo�e Begriffe, sind der Stoff des Schlusses (ib.).

Nach W. HAMILTON ist das Schlie�en (reasoning) �an act of mediate comparison or judgment. for to reason is to recognise that two notions stand to each other in the relation of a whole and its parts, through a precognition that these notions severally stand in the same relation to a third� (Lect. III, p. 268 ff., 274, vgl. p. 279). Nach J. ST. MILL hei�t schlie�en �einen Satz (Urteil) aus einem vorhergehenden Urteil oder Urteilen folgern, ihm als einer Folgerung aus etwas anderem Glauben schenken oder f�r ihn Glauben in Anaspruch nehmen� (Log. I, 196). Der Syllogismus ist in Wahrheit ein Schlu� vom Besonderen aufs Besondere. Der allgemeine Obersatz ist ein Register der vollzogenen Schl�sse vom Besonderen aufs Besondere, eine kurze Formel, noch mehr zu vollziehen, ein Memorandum der einzelnen vorgestellten Tatsachen (l. c. I, 2, oh. 3. Examin.5, p. 438 f.). Der Obersatz nimmt vorweg, was erst noch zu erweisen ist, so da� der Syllogismus, im �blichen Sinne verstanden, eine petitio principii enth�lt. Der Schlu� beruht auf der Substitution des �hnlichen (�substitution of similars� bei JEVONS). Nach A. BAIN ist das Folgern nur �a transaction from one wording to another wording of the same fact� (Log. I, 108 ff.). Nach H. SPENCER ist das Schlie�en �die Vergleichung von Beziehungen und die Deduktion aus der Vergleichung� (Psychol. II, � 309, S. 110 ff.. vgl. �ber �quantitatives Schlie�en� � 276). LEWES erkl�rt: �A ratiocination is a judgment.� Der Syllogismus hat nur zwei Termini (wie schon HERBART). �The conclusion identifies the major and minor premiss: it resumes what they have assumed and subsumed� (Probl. II, 154 ff.). Nach SULLY ist der Schlu� �eine Bewegung oder ein �bergang des Denkens von etwas Bekannten zu etwas bisher Unbekanntem, das aber jetzt als eine Folgerung aus dem ersten bekannt wurde� (Handb. d. Psychol. S. 286 ff.. Hum. Mind ch. 12. vgl. JAMES, Psychol. ch. 22. VENN, Empir. Logic. BRADLEY, Princ. of Log. II - III. BOSANQUET, Knowledge und Reality). Nach BALDWIN ist der Schlu� (psychologisch) �the apperzeptive act whereby a relation is asserted between two concepts in consequence of the previous assertion of the same relation between each of these two concepts and a third� (Handb. of Psychol. I2, ch. 14, p. 300). Logisch ist der Syllogismus �the apperzeptive act whereby we reach a new stage in the growth of a concept, in consequence of its twofold modification in the judgment� (l. c. p. 301 ff.). - Nach RAVAISSON hei�t schlie�en, �von einem Begriffe auf die in ihm enthaltenen Begriffe �bergehen� (Die franz. Philos. S. 264. vgl. LACHELIER, �tude sur la th�or. du syllog., R�v. philos. 1876. RABIER, Log. p. 35 ff., 48 ff.). Nach BINET geht jeder Schlu� vom einzelnen zum einzelnen (Psychol. de raisonnem. p. 9, 82, 149. vgl. RIBOT, L'�vol. des id�es g�n�ral). A. FOUILL�E erkl�rt: �Le raisonnement est une sorte d'exp�rimentation id�ale et anticip�e, une s�rie d'actions imaginaires, cons�quemment une esquisse de volitions ou app�titions li�es a des processus sensori-moteurs s'engendrant l'un l'autre� (Psychol. des id�es-forces II, 341 ff.).


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