Spontaneit�t: Selbstbestimmbarkeit, Selbstbestimmung, Selbstt�tigkeit, Bestimmung aus eigenen Triebfedern, aus den bewu�ten Zwecken des Ich. Psychologisch - erkenntnistheoretisch ist Spontaneit�t ein Ausdruck f�r die F�higkeit des denkend -wollenden Subjekts, aus eigener Kraft, in selbsteigener T�tigkeit seine Erlebnisse (Bewu�tseinsinhalte) zu Erkenntnissen zu verarbeiten, seine Handlungen zu lenken und zu beherrschen, im Unterschiede von der Rezeptivit�t (s. d.). Spontaneit�t und Rezeptivit�t sind Arten, Grade der Bewu�tseinsaktivit�t �berhaupt. Die Spontaneit�t des Denkens ist die formale Quelle der Begriffe als solcher, sie �u�ert sich im Urteilen und Schlie�en, in der Methodik des Logischen wie des Ethischen.
LEIBNIZ bestimmt: �Spontaneitas est contingentia sine coactione� (Gerh. VII, 108. vgl. IV, 483). CHR. WOLF definiert: �Spontaneitas est principium sese ad agendum determinandi intrinsecum.� �Aktiones dicuntur spontaneae, quatenus per principium sibi intrinsecum, sine principio determinandi extrinseco, agens easdem determinat� (Psychol. empir. � 933). Trotz seines Sensualismus bemerkt CONDILLAC: �Il y a en nous un principe de nos actions que nous sentons, mais que nous ne pouvons d�finir: on l'appelle force. Nous sommes �galement actifs par rapport � tout ce que cette force produit en nous ou au dehors. Nous le sommes, par exemple, lorsque nous r�fl�chissons ou lorsque nous faisons mouvoir un corps� (Trait. d. sens. I, ch. 2, � 11). Nach SEARCHE liegt alle Selbstt�tigkeit blo� in den Willensfunktionen (Light of Nature I, ch. 1). Nach PLATNER ist Selbstt�tigkeit in den Wirkungen eines Wesens, �wenn sie das Werk seiner selbsteigenen Kraft und Natur sind� (Philos. Aphor. I, � 1010). Die Selbstt�tigkeit ist �Herrschaft der Seele �ber ihre Ideen� (l. c. II, � 550).
Nach KANT bedeutet Spontaneit�t �das Verm�gen, Vorstellungen selbst hervorzubringen�, d. h. den Verstand (s. d.) (Krit. d. rein. Vern. S. 76). Die Spontaneit�t des Denkens (s. d.) ist die Quelle der Begriffe (s. d.), insbesondere der Kategorien (s. d.). KRUG versteht unter Spontaneit�t �den Akt der Selbstbestimmung �berhaupt, unangesehen ob sich das T�tige dabei nach Naturgesetzen richtet oder nicht� (Fundamentalphilos. S. 139). Nach FRIES ist Selbstt�tigkeit �jedes unmittelbare Wirken� (Neue Krit. I, 79). - Nach J. G. FICHTE ist die Intelligenz nur t�tig, nicht passiv (WW. I 1, 440). - Die Spontaneit�t der Seele betont u. a. LOTZE (Med. Psychol. S. 88 f.). Nach ULRICI ist Spontaneit�t das �Nicht-gen�tigt-sein der unterscheidenden Denkt�tigkeit im einzelnen Falle, diese ihr gelassene M�glichkeit, unter den Objekten ihrer Wirksamkeit in jedem einzelnen Falle zu w�hlen und damit beliebig zu bestimmen, welche sie ins Bewu�tsein bringen und resp. zur�ckrufen will� (Log. S. 70). Nach REHMKE geh�rt Spontaneit�t nur der wollenden Seele an (Allgem. Psychol. S. 486). H�FFDING: erkl�rt: �Im Bewu�tsein l��t sich an jedem Punkte eine passive, der Mannigfaltigkeit des Inhalts entsprechende, und eine aktive, der zusammenfassenden Einheitlichkeit entsprechende Seite nachweisen� (Psychol. S. 64). - Die Aktivit�t des Denkens betont LAROMIGUI�RE (Le�ons I, V, XI). Nach V. COUSIN ist die erste F�higkeit des menschlichen Geistes �l'activit� volotaire et libre� (Du vrai p. 30). Keine Perzeption ohne einen Grad von Aufmerksamkeit (l. c. p. 31). Nach A. FOUILL�E gibt es zwar keine absolute Spontaneit�t, aber auch keine reine Rezeptivit�t des Bewu�tseins (Psychol. d. id.-forc. I, 277). Die Spontaneit�t des Intellekts betont u. a. auch TARDE. - A. BAIN lehrt eine �spontaneous activity� des Nervensystems, die sich triebhaft im Bewu�tsein und in Bewegungen �u�ert. �Energy of the nerve centres themselves� (Ment. and Mor. Sc. I, ch. 1, p. 14). Sie ist �an essential element of the will� (ib.), geht den Empfindungen voraus als innerer Reiz. Die Spontaneit�t des Bewu�tseins betont besonders W. JAMES. Vgl. Aktivit�t, Passivit�t, Willensfreiheit, Synthese.