
I. Grundlegung
a) Deduktion des Prinzips der Sittlichkeit.
b) Deduktion der Realit�t und Anwendbarkeit dieses Prinzips.
a) Die Begr�ndung besteht auch hier wieder in der �Deduktion�, d.h. Ableitung aus der �blo�en Form des Bewu�tseins �berhaupt� Wie geschieht sie? Ich finde mich selbst als mich selbst nur wollend. Aber das Wollen selbst ist nur unter der Voraussetzung von Etwas, das man will, also eines vom Ich Verschiedenen denkbar. Dies Fremdartige im Wollen mu� hinweggedacht werden, dann gelange ich zu meinem reinen Sein. Dieses Faktum des Bewu�tseins f�r nicht weiter erkl�rbar, d. i. f�r Wahrheit zu halten, erfordert keine theoretische Einsicht, sondern einen - Entschlu�, �wie denn eben auf diese Entschlie�ung unsere ganze Philosophie aufgebaut ist� Ich will selbst�ndig sein, darum halte ich mich daf�r. �Somit geht unsere Philosophie aus von einem Glauben und wei� es.� Man soll den Menschen nicht von au�en �andemonstrieren� wollen, was sie selbst sich erschaffen m�ssen. So setzt sich das Ich mit Notwendigkeit, �urspr�nglich und wirklich� als absolut selbst�ndig, selbstt�tig, Grund seiner selbst, d.h. frei. �Ich bin wirklich frei�, ist der erste Glaubensartikel, der uns den �bergang in eine intelligibele Welt bahnt und in ihr zuerst festen Boden bietet, woraus dann der �feste Entschlu߫ folgt, der praktischen Vernunft den Primat zuzuerkennen. Das Tun ist nicht aus dem Sein, das Leben nicht aus dem Tode, das Ich nicht aus dem Nicht-Ich abzuleiten, sondern umgekehrt. Oder, wie es in der Bestimmung des Menschen hei�t: �Zum Handeln bist du da, dein Handeln und allein dein Handeln bestimmt deinen Wert.�
Nun erst kommt Fichte auf die Kantischen �Benennungen� des von ihm (Fichte) deduzierten Gedankens, als da sind: Gesetz, Sollen, kategorischer Imperativ, Autonomie, praktisch, Sittengesetz, zu sprechen, in denen sich - �der gemeine Verstand �berraschend wohl ausgedr�ckt findet� Ohne die absolute Autonomie der Vernunft falle alle Philosophie in sich zusammen. Die Voraussetzung, dass die Vernunft durch etwas au�er ihr bestimmt werden k�nne, ist schlechthin vernunftwidrig. Das Prinzip der Sittlichkeit ist folglich, so schlie�t die �Deduktion� desselben, �der notwendige Gedanke der Intelligenz, dass sie ihre Freiheit nach dem Begriffe der Selbst�ndigkeit, schlechthin ohne Ausnahme, bestimmen sollte� Ein Gedanke, betont er ausdr�cklich, und kein Gef�hl, und zwar ein reiner, notwendiger, der die Freiheit unter ein ausnahmslos geltendes Gesetz bringt.
b) Wie ist nun die Realit�t und Anwendung des so deduzierten Sittlichkeitsprinzips m�glich? Das Vernunftwesen kann keine Anwendung seiner Freiheit und seines Wollens erhalten, au�er indem es sich eine wirkliche Kausalit�t in einer Sinnenwelt au�er ihm zuschreibt. Unsere Existenz in der intelligibelen Welt ist das Sittengesetz, unsere Existenz in der Sinnenwelt die �wirkliche� Tat, und der Vereinigungspunkt beider die Freiheit als absolutes Verm�gen, die sinnliche durch die intelligibele Welt zu bestimmen. Aber das Ich kann sich keine Wirksamkeit zuschreiben, ohne eine gewisse Wirksamkeit der �Objekte� vorauszusetzen, durch die eine Beschr�nkung seiner eigenen T�tigkeit erfolgt. So wird ein Gef�hl der Gebundenheit erweckt, indem ich von dem Gegenstand meiner Vorstellung nicht abstrahieren kann. Ich bin, trotz der Absolutheit meiner Vernunft, in gewisser R�cksicht �Natur�, n�mlich Trieb. Dass dieser Trieb da ist, ist ebenso, wie die Existenz des reinen Seins (s. o.), eine �Tatsache� des Bewu�tseins. Dieser Naturtrieb nun ist das Mittelglied zwischen Freiheit (Selbst�ndigkeit) und Naturmechanismus (Notwendigkeit). Ich selbst bin ein Produkt der Natur und insofern durchg�ngig bestimmt, ein Glied in der Kette der strengen Naturnotwendigkeit. Der Trieb h�ngt mithin nicht schlechtweg von mir ab; aber, was er in meinem Bewu�tsein wirke, h�ngt von mir selbst ab. Mein Trieb als Naturwesen (dessen letzter Zweck die Lust) und meine Tendenz als reiner Geist sind nur zwei verschiedene Seiten eines und desselben Urtriebs, der mein Wesen ausmacht. Auch nach der Freiheit f�hle ich einen Trieb, den �reinen � Trieb, demgegen�ber der blo�e Naturtrieb der zuf�llige und leidende ist. Der Naturtrieb �u�ert sich als Sehnen, der reine als absolute Forderung. �Ein Entschlu� - und ich bin �ber die Natur erhaben!� Daraus folgt dann weiter der Begriff der Selbstachtung und der W�rde. Ohne das Bewu�tsein der Freiheit und Sittlichkeit ist ein vern�nftiges Wesen �berhaupt gar nicht m�glich. Aber nur durch eine Synthese beider Triebe erh�lt man eine �reelle� Sittenlehre, ohne sie nur eine �formale und leere� Metaphysik. Der �sittliche� Trieb ist ein �gemischter�, der von dem Naturtrieb das Materiale, vom reinen Trieb aber die Form hat. Bestimmend ist allein die letztere, und die Formel, in die unser Ethiker seinen kategorischen Imperativ schlie�lich kleidet, ist noch �formaler� als die Kantische. Sie lautet: �Handle stets nach bester �berzeugung von deiner Pflicht!� oder k�rzer: �Handle nach deinem Gewissen!� Das Gewissen kann nie irren; es entscheidet in letzter Instanz. Wer auf Autorit�t hin handelt, handelt gewissenlos. Wer zur Tugend erziehen will, mu� zur Selbst�ndigkeit erziehen.
Die Pflicht ist die einzige und letzte Grundlage aller meiner Erkenntnis. Alle materialen Moralprinzipien verwirft Fichte ebenso entschieden wie Kant. Das Sittengesetz wird auch bei ihm erst durch uns selbst erzeugt. Und sein letzter Grund erscheint auch ihm unbegreiflich, denn Begreifen hei�t: ein Denken an ein anderes ankn�pfen.