2. Der Positivismus von Auguste Comte


Neben der herrschenden �offiziellen� Philosophie und dem Spiritualismus �berhaupt geht jedoch von Anfang an eine starke Gegenstr�mung her, die sich in sozialer Beziehung im Saint-Simonismus (vgl. � 74), in allgemein-philosophischer in Comtes Positivismus �u�erte. W�hrend an der Ecole normale, die noch heute die Lehrer von Frankreichs h�heren Schulen ausbildet, die spiritualistische und historische Metaphysik Cousins dominierte, kam an der polytechnischen Schule, an der u. a. auch der eigentliche Begr�nder und Systematiker der synthetischen Geometrie, J. V. Poncelet (1788 - 1867) lehrte, eine neue �positive� Philosophie auf, welche die Ergebnisse der eifrig gepflegten Naturwissenschaften nicht blo� f�r Gewerbetreibende oder Spezialisten, sondern auch f�r die Philosophie und allgemeine Weltanschauung zu verwerten suchte. Ihr Hauptvertreter ist der bedeutendste franz�sische Philosoph des 19. Jahrhunderts: Auguste Comte (1798 - 1857).

Zu Montpellier als Glied einer streng katholischen Beamtenfamilie geboren, wurde Comte schon mit 18 Jahren Polytechnicien in Paris. Dort trat er dem bekannten Sozialisten St. Simon n�her, von dem er neben dem sozialen Interesse vor allem die Ansicht von der Notwendigkeit einer neuen geistigen Gewalt an Stelle der mittelalterlichen Hierarchie in sich aufnahm. Nach etwa siebenj�hriger Bekanntschaft trennten sich jedoch die Wege beider. Im Gegensatz zu dem Meister hielt es der J�nger f�r n�tig, vor allem praktischen Vorgehen erst einmal ein umfassendes �organisches� Denkgeb�ude zu schaffen, das er dann in den 6 B�nden seines Cours de philosophie positive (1830 - 42) vollendete, einem schwerf�lligen und breiten, aber ernsten und gedankenvollen Werke. Ein offizieller Lehrstuhl blieb ihm �wegen der unmoralischen Falschheit seines mathematisierenden Materialismus� versagt. Selbst die bescheidene Stelle eines Repetitors der h�heren Mathematik b��te er infolge seines Werkes wieder ein und blieb seitdem im wesentlichen auf die Unterst�tzung wohlhabender Freunde und Verehrer angewiesen. Dem theoretischen Werke folgt dann 1841 - 54 in vier B�nden die Systematisierung der Gef�hle und der auf diesen ruhenden praktischen Institutionen in seinem Trait� de sociologie, instituant la religion de l'humanit�, dem ein kurzer Auszug als Cat�chisme positiviste ou sommaire exposition de la religion universelle (1852) folgte. Er f�hlt sich jetzt (vgl. den letzten Titel) mehr und mehr nicht als Philosoph, sondern als Hohepriester einer neuen, mit einem f�rmlichen Kultus ausgestatteten (s. u.) �Menschheitsreligion�, dabei seiner �cerebralen Hygiene� gem�� sich systematisch von allen fremden Eindr�cken absperrend, blo� der Versenkung in die eigenen Gedanken lebend. Es bildeten sich einzelne �comtistische� Gemeinden in Frankreich, England, Schweden und Amerika. F�r die Geschichte der Philosophie hat sein theoretischer Positivismus ungleich mehr Bedeutung.

 

Literatur: Littr�, A. Comte et la philosophie positive, 1863, 3. Aufl. 1877. J. St. Mill, A. Comte and Positivisme, 1865; deutsch 1874. L�vy-Bruhl, Die Philosophie A. Comtes (�bersetzt von Molenaar), Leipzig 1902. Mehlis, Die Geschichtsphilosophie A. Comtes, 1909. Popul�r W. Ostwald, A. Comte, Der Mann und sein Werk, Lpz. 1914. Au�erdem F. Sebrecht, �ber d. Geist d. Positivismus. Lpz. 1915 (Philos. Bibl.) Das Hauptwerk ist der Cours de philosophie positive, 6 Bde., 1830 bis 1842, 6. Aufl. 1908 f. Eine deutsche Gesamt�bersetzung des �u�erst weitschweifigen Werkes existiert nicht, dagegen ein ausf�hrlicher guter Auszug von J. Rig (Pseudonym), Paris 1881, ins Deutsche �bersetzt von v. Kirchmann, 2 Bde., Lpz. 1883 f., mit Einleitung �ber Comtes Leben und Schriften.


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Seite zuletzt aktualisiert: 29.10.2006 
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