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Bayern - SZ.de · Aug 25, 2026

Fünf-Seen-Filmfestival 2026: Ein Festival zieht weite Kreise

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Josef Grübl · Süddeutsche Zeitung

Ein Jubiläum ist schön, zwei Jubiläen sind noch schöner: Im Fünfseenland gibt es 2026 viel zu feiern, schließlich ist die Region rund um den Starnberger See, den Ammer- oder Wörthsee nicht nur eine beliebte Ferien- und Freizeitgegend, sondern auch als Filmseenland bekannt. Seit 40 Jahren gibt es die Breitwand-Kinos (in Starnberg, Gauting und Schloss Seefeld). Mit ihrem besonderen Programm aus Arthouse-Filmen, Klassikern oder cineastischen Events beweisen sie, dass Programmkinokultur auch auf dem Land möglich ist. Seit 20 Jahren findet das vom Breitwand-Kino-Betreiber Matthias Helwig organisierte Fünf-Seen-Filmfestival (FSFF) statt, das längst einen festen Platz im bayerischen Festivalkalender eingenommen hat. Wer im Spätsommer Filme in schöner Umgebung sehen und darüber reden will sowie auf Begegnungen mit Filmemachern oder Schauspielerinnen hofft, ist bei diesem Festival genau richtig.

Elf statt acht: Die FSFF-Jubiläumsausgabe ist deutlich länger als im Vorjahr, statt acht Tagen dauert das Festival in diesem Jahr elf Tage. Auch die Zahl der Filme ist gestiegen, mehr als 150 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme stehen auf dem Programm, die meisten von ihnen stammen aus Mitteleuropa, vor allem aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Hinzu kommen Filmgespräche, Empfänge, Vorträge und eine Virtual-Reality-Veranstaltung, bei der man bei freiem Eintritt in immersive Welten abtauchen kann. Besonders beliebt und mit Sicherheit ein Alleinstellungsmerkmal des Festivals ist die Dampferfahrt über den Starnberger See (am 7. September) mit Preisverleihung, Quiz und Filmvorführungen. Auf dem Bordprogramm der MS Starnberg steht auch eine Stummfilm-Aufführung mit Live-Musik, gezeigt wird die gerade erst 100 Jahre alt gewordene Komödie „Der General“ von und mit Buster Keaton.

Weiter hinaus in die Welt geht es bei den Präsentationen der Gastländer Taiwan und Japan, hier werden Klassiker von Akira Kurosawa und Yasujirō Ozu sowie aktuelle taiwanesische oder japanische Filme („A Foggy Tale“, „All of a Sudden“) aufgeführt. Dazu gibt es ebenfalls Empfänge und Publikumsgespräche. Auch europäische Festival-Hits aus Cannes, Venedig oder Sundance stehen auf dem Programm („Das geträumte Abenteuer“, „Von Scham und Geld“), die meisten von ihnen sind als Previews zu sehen. In den kommenden Wochen und Monaten laufen auch der französisch-polnische Spielfilm „Chopin – Eine Sonate in Paris“ oder die deutsche Ruder-Biografie „Adams Acht“ regulär in den Kinos an.

„Lieblingsmenschen“ mit Katharina Thalbach gewann auf dem Filmfest München bereits den Publikumspreis von BR und SZ.

„Lieblingsmenschen“ mit Katharina Thalbach gewann auf dem Filmfest München bereits den Publikumspreis von BR und SZ.

NORDPOLARIS / Anne Wilk

Los geht es am 3. September mit einem potenziellen Publikumsliebling: Als Eröffnungsfilm wird die deutsche Komödie „Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes und Amir“ gezeigt. Die 72-jährige Katharina Thalbach spielt in dieser auf wahren Begebenheiten basierenden Geschichte eine 101-jährige Berlinerin, die nicht mehr allein in ihrem Zuhause bleiben kann und deshalb einen syrischen Geflüchteten (Bardo Böhlefeld) bei sich aufnimmt. „Wir sind eine WG, laufen aber nicht nackig in der Wohnung herum“, sagt sie einmal verschmitzt.

Der Film von Regisseurin Helena Hufnagel feierte vor zwei Monaten seine umjubelte Premiere beim Filmfest München und wurde dort mit dem Publikumspreis von BR und Süddeutsche Zeitung ausgezeichnet. Zur Eröffnung in der Schlossberghalle Starnberg werden die Schauspielerin Ulrike Kriener und Produzent Fabian Halbig erwartet, an den Folgetagen ist „Lieblingsmenschen“ auch in den Kinos in Gauting, Seefeld und Starnberg zu sehen.

Gezeigt wird auch der Film „Gentle Monster“ mit Lea Seydoux und Catherine Deneuve, an dem die österreichische Kostümbildnerin Monika Buttinger (diesjähriger Ehrengast) mitgewirkt hat.

Gezeigt wird auch der Film „Gentle Monster“ mit Lea Seydoux und Catherine Deneuve, an dem die österreichische Kostümbildnerin Monika Buttinger (diesjähriger Ehrengast) mitgewirkt hat.

Frederic Batier / Alamode

Das Fünf-Seen-Filmfestival ist ein Festival der Begegnungen, bereits an den ersten Tagen werden Filmemacher wie der deutsche Dokumentarfilmer Jens Schanze („Materia Prima“), der österreichische Musiker Al Cook („Wiener Blues – The Loneliest Man in Town“), die Schauspielerin Amanda Babaei Vieira („Identitti“) oder die französische Regisseurin Sophie Beaulieu („Frühstück bei Audrey“) im Fünfseenland erwartet. Gespannt sein darf man auf den Besuch von „Eberhofer“-Regisseur Ed Herzog, der mit „Fellinger – Ein eiskalter Hund“ einen Kriminalroman von Oliver Kern verfilmt hat, mit viel schwarzem Humor und dem österreichischen Multitalent Michael Ostrowski in der Titelrolle. Weitere Gäste sind die Regisseurinnen und Regisseure Pauline Roenneberg, Tom Giat, Tom Schreiber, Sophie Heldman oder Annelie Boroș. Die österreichische Kostümbildnerin Monika Buttinger wurde als Ehrengast eingeladen, sie wirkte an Filmen wie „Corsage“, „Gentle Monster“ oder „Bruno – Der junge Kreisky“ mit (die auch auf dem Festival gezeigt werden).

Im Freibad ist Tilda (Luna Wedler) in ihrer eigenen Welt. Der Film „22 Bahnen“ mit Wedler wird im Breitwand Kino Gauting gezeigt.

Im Freibad ist Tilda (Luna Wedler) in ihrer eigenen Welt. Der Film „22 Bahnen“ mit Wedler wird im Breitwand Kino Gauting gezeigt.

Constantin Film

Besonders stolz dürfte das FSFF-Team auf den Besuch von Luna Wedler sein: Die Schweizer Schauspielerin ist zwar erst 26 Jahre alt, steht aber schon seit über einem Jahrzehnt vor der Kamera. In Deutschland wurde sie 2018 als „Das schönste Mädchen der Welt“ bekannt, in den Jahren darauf spielte sie Hauptrollen in Kinofilmen, Serien oder dem multimedialen Geschichts-Projekt „Ich bin Sophie Scholl“. Am 4. September erhält Wedler in der Schlossberghalle Starnberg als bisher jüngste Preisträgerin den Hannelore-Elsner-Preis. In den vergangenen Jahren wurden Kolleginnen wie Sandra Hüller, Birgit Minichmayr oder Leonie Benesch mit diesem Schauspielpreis ausgezeichnet. Am Verleihungsabend steht die poetische Tragikomödie „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ (mit Karl Markovics und Luna Welder in den Hauptrollen) auf dem Spielplan, in den Tagen werden im Breitwand Kino Gauting die Kinofilme „Jakobs Ross“, „Silent Friend“, „Je suis Karl“ und „22 Bahnen“ gezeigt. Luna Wedler will bei allen Vorstellungen ihrer Filme anwesend sein.

„Pumuckl und das große Missverständnis“ von Marcus H. Rosenmüller läuft in der Werkschau, die das Festival dem Regisseur widmet.

„Pumuckl und das große Missverständnis“ von Marcus H. Rosenmüller läuft in der Werkschau, die das Festival dem Regisseur widmet.

Constantin Film

Oft werden die Regisseure Marcus O. Rosenmüller und Marcus H. Rosenmüller verwechselt, jetzt sind beim FSFF beide zu Gast. Ersterer ist vielbeschäftigter Fernsehfilmregisseur, er stellt seinen neuen Kinofilm „Block 10“ vor. Der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen Gebäudekomplex im Konzentrationslager Auschwitz, dort wurden ab 1943 grausame medizinische Experimente an jüdischen Frauen gemacht. Der Regisseur steht nach den Vorführungen zu einem Publikumsgespräch bereit. Der zweite Rosenmüller ist vielen nur als „Rosi“ bekannt und dreht fast ausschließlich fürs Kino, das Festival widmet ihm eine Werkschau. Auf dem Spielplan stehen Hits wie „Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Pumuckl und das große Missverständnis“, „Räuber Kneissl“ oder „Extrawurst“, Gespräche mit Marcus H. Rosenmüller sind ebenfalls eingeplant.

Ehrengäste kann es nie genug geben, deshalb ehrt das FSFF neben Monika Buttinger und Marcus H. Rosenmüller noch einen weiteren Filmschaffenden mit einer eigenen Werkschau: Der Regisseur und Drehbuchautor Christian Petzold kommt nach Starnberg und Gauting. Er gilt als der bekannteste Vertreter der sogenannten „Berliner Schule“, hat dieses Etikett aber schon vor längerer Zeit abgestreift. In seinen Filmen verbindet Petzold Genremotive aus Thrillern, Melodramen oder Geistergeschichten mit Themen der deutschen Gegenwart. Das FSFF zeigt Petzold-Filme aus verschiedenen Jahrzehnten, unter anderem die Terrorismus-Studie „Die innere Sicherheit“ (2000), den Kinoerfolg und Oscar-Aspiranten „Barbara“ (2012) oder die Anna-Seghers-Verfilmung „Transit“ (2018). Der Berliner Regisseur arbeitet gern mit denselben Schauspielerinnen, zwei von ihnen (Nina Hoss und Paula Beer) erhielten bereits vor einigen Jahren den Hannelore-Elsner-Preis in Starnberg. So entstehen filmische Netzwerke, so werden immer weitere Kreise gezogen. Und genau so kann es in den nächsten Jahren auch weitergehen.

20. Fünf-Seen-Filmfestival, Donnerstag, 3., bis Sonntag, 13. September, in Starnberg, Gauting, Seefeld und Weßling

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