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Bayern - SZ.de · Aug 25, 2026

Wahlkampfhilfe in Sachsen-Anhalt: Söders Rückfall in die Fleischlastigkeit

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Johann Osel · Süddeutsche Zeitung

Von der bayerischen Staatskanzlei bis Wernigerode in Sachsen-Anhalt sind es 548 Kilometer, ganz schön weit weg. Und weit weg ist auch das politische München, das sich im Grunde ständig um Wohl und Wehe des bayerischen Ministerpräsidenten dreht. Man darf annehmen, dass die Menschen in der schmucken Stadt im Harz nicht täglich den Bayernteil der Süddeutschen Zeitung studieren, um zu erfahren, wie es Markus Söder gerade hält mit seiner öffentlichen Selbstdarstellung oder welche Trends die landespolitischen Auguren zur Zukunft seiner Regentschaft vermelden.

CSU-Chef Söder ist dieser Tage aber in ebendieses Wernigerode gereist, um Sven Schulze, Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten von der CDU, im Wahlkampf zu unterstützen. In einem Hotel fand man sich ein, zur Podiumsdiskussion. Und anscheinend ist an den Christdemokraten glatt die Nachricht vorbeigegangen, dass der Freistaat seit einigen Monaten einen neuen Markus Söder genießen darf. Klar, sie haben wahrlich Wichtigeres zu tun, um irgendwie gegen eine AfD im Aufwind zu bestehen. Aber eine kuriose Beobachtung ist das allemal.

Jahrelang galt ja Söders Brimborium um Würste, Döner und anderes Fleischhaltige als Markenzeichen, eifrig gepflegt über die sozialen Netzwerke. Den Stichwahlkampf in den bayerischen Kommunen bestritt er sogar ausschließlich mit dem Verteilen und Verzehren von Essen. Nach Schlappen bei den Kommunalwahlen und auch sonst viel Unmut in der Partei über die Performance ihres Anführers war radikal Schluss damit: mehr Ernsthaftigkeit, ein Ende der medialen Mampferei.

Und was machen sie in Wernigerode? Die Gattin eines Lokalpolitikers fragt den CSU-Chef entrüstet, ob er denn keinen Abstecher in die Altstadt gemacht habe, zu den zahlreichen Gaststätten, Schenken und Metzgereien. Dann überhäufen sie den Gast regelrecht mit Fressalien, mit Würsten, Backwaren und Likören. Söder scheint die schiere Fülle an kulinarischen Präsenten fast unangenehm zu werden.

Irgendwann stellt er fest, dass er mittlerweile die dritte Flasche Schnaps erhalten habe. Vielleicht dämmert ihm in diesem Moment, dass das abrupte Karriereende als Foodblogger auch Schattenseiten hat. Womöglich hätte ein „Söder-grillt“-Stand in Wernigerode, mit heißen Würsten und warmen Worten, reichlich Publikum angelockt – als Hingucker für die dümpelnde CDU.

CSU-Fraktionschef Holetschek

:„Macht der Klaus, weiß der Klaus“

CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek ist ein mächtiger Mann und nah dran an Markus Söder. Warum er dennoch schon mal mit einem Käsebrot verglichen wird. Ein Besuch daheim in Schwaben.

Etwas anderes scheinen die Schwesterparteifreunde in Sachsen-Anhalt ebenfalls nicht mitgekriegt zu haben: dass Söders Stern in seiner CSU auch schon mal höher stand, dass man in Münchner Politikblasen sogar munter spekuliert, wer denn früher oder später an seiner Stelle das Ruder übernehmen könnte.

Vor dem Podium jedenfalls trägt sich der Gast ins Goldene Buch von Wernigerode ein – als erster bayerischer Ministerpräsident überhaupt. Ein Dezernent der Stadt schwärmt vom örtlichen Schloss als „Neuschwanstein des Nordens“ und vom hiesigen Bier, das es mit bayerischer Braukunst aufnehme. Und unbedacht in der geselligen Laune sagt er zu Söder über dessen Besuch: Es sei zu hoffen, dass es ihm die nachfolgenden Ministerpräsidenten gleichtun. Oha, das Pfui-Wort: Nachfolger. Der offene Hinweis, dass Söders politisches Wirken endlich ist; in München würde sich das niemand trauen. Söder zuckt tatsächlich kurz und stellt klar: „Das dauert noch.“

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