Einen dicken Ordner mit mehr als 300 Unterschriften haben Gabi Siegl, Rudi Wolf und Günter Lipp von der „Initiative Zukunft Ostenstraße“ an Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) übergeben. Obwohl sich seit Jahren auf dem ehemaligen MD-Gelände fast nichts tut, machen sich die Anwohner des Quartiers rund um das Areal der ehemaligen Papierfabrik große Sorgen, was aus ihrem Viertel während der langen Bauzeit und danach wird.
Die MD Papierfabrik wurde im Juli 2007 nach 145 Jahren geschlossen. Seither wird das riesige Areal, auf dem ein neues Stadtquartier entstehen soll, überplant. Dort sollen rund 900 Wohnungen für insgesamt 2000 Menschen entstehen, dazu Flächen für Büros und Nahversorgung, ebenso soziale Einrichtungen und eine Ideenfabrik. Für die Anlieger stellen sich dabei viele Fragen, etwa zur Bahntrasse, zu den Anbindungen an die Freisinger Straße und nicht zuletzt zu den Umfahrungen während der Bauzeit.
Die Initiative Zukunft Ostenstraße hat sich intensiv mit diesem Themenkomplex auseinandergesetzt, denn das gesamte Viertel wäre nach dem aktuellen Planungsstand von massiven Einschränkungen betroffen. Das gilt vor allem für die von der Bahn geplante Tieferlegung der Bahnunterführung in der Ostenstraße und die Umleitung des Straßenverkehrs von der Freisinger in die Ostenstraße.
Vier bis fünf Jahre Bauzeit und damit Vollsperrung der Ostenstraße in diesem Bereich und die Umleitung der Freisinger in die Ostenstraße für weitere vier bis fünf Jahre – damit rechnet die Initiative. Dies würde vermutlich zu einem Verkehrskollaps im Viertel führen, auch wenn ihre Vertreter dies nicht so deutlich sagen. Aber wer das enge Straßengeflecht kennt, fragt sich, welche Parkmöglichkeiten es dann überhaupt noch gibt, und vor allem, wie Rettungsdienste, Feuerwehr oder Busse hier sicher durchkommen sollen. Die Initiative rechnet dann mit einem möglichen Verkehrsaufkommen von mehr als 12 000 Fahrzeugen pro Tag.
Rund 300 Unterschriften übergaben Rudi Wolf, Gabi Siegl und Günter Lipp (von links) an Oberbürgermeister Florian Hartmann (Zweiter von links).
Stadt DachauMit ihren Forderungen, zu denen auch eine Baustellen-Umfahrung direkt entlang der Freisinger Straße zählt, rennt sie bei OB Hartmann offene Türen ein. Auch wenn er der Idee, auf dem früheren Holzlagerplatz einen großen Parkplatz für das Neubau-Viertel einzurichten, eine Absage erteilt: „Das Gelände gehört nicht der Stadt und ist Landschaftsschutzgebiet.“ Ansonsten hat die Stadt ähnliche Bedenken wie die Anwohner. Die Vorstellungen der Bahn, die Umleitungen einschließlich der Stadtbuslinien 720 und 722 über die Augsburger Straße und den Weblinger Weg zu führen, nahmen die Vertreter der Initiative eher lächelnd zur Kenntnis.
OB Hartmann betonte, die Unterführung an der Freisinger Straße sei unverzichtbar, denn ohne sie könne das MD-Gelände nicht so bebaut werden wie vorgesehen. Er erinnerte daran, dass im Zuge der Elektrifizierung der S2-Strecke nach Altomünster bereits eine Unterführung im Gespräch gewesen sei, auf die die Stadt aber seinerzeit verzichtet habe. Wie es weitergehen soll, ist derzeit noch offen. Es gebe noch viele Fragezeichen, sagte Hartmann. Die betreffen auch die Finanzen, denn „für die nicht kreuzungsbedingten Umbaukosten ist die Stadt beziehungsweise der Investor zuständig“. Und Kommune ist bekanntermaßen nicht sonderlich gut bei Kasse.
Die Initiative Zukunft Ostenstraße entmutigt dies nicht. Ein wenig fatalistisch sagte Rudi Wolf: „Wir machen weiter, so lange wie es dauert.“ Erst einmal wolle man weitere Unterstützer gewinnen. Daher gebe es am Samstag, 26. September, einen Garagen- und Hofflohmarkt rund um die Ostenstraße.

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