Gastspiel in Verl „Das hat was mit Qualität zu tun“ – MSV will der Auswärtsschwäche trotzen
14.08.2026 · 11:10 Uhr
So könnte die Startelf des MSV Duisburg gegen Würzburg aussehen
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Duisburg · Trainer Dietmar Hirsch will „schleunigst anfangen, auswärts zu punkten“. Die Vergangenheit zeigt, dass das für den Aufstieg auch nötig ist. In Verl wird dabei der Wunsch nach mehr Ballbesitz im eigenen Spiel arg auf die Probe gestellt.
Bei aller positiven Emotionalität nach diesem verrückten 3:2-Sieg beim SC Verl vor einem Jahr möchte MSV-Trainer Dietmar Hirsch diesen Spielverlauf nicht noch einmal erleben: „0:2 bei einer der spielstärksten Mannschaften letztes Jahr zurückzuliegen und das dann zu drehen – da ist die Wahrscheinlichkeit zumindest groß, dass es eine einmalige Sache ist.“
Damals hatte der MSV nach einem verunglückten Abwurf von Keeper Max Braune in der 77. Minute das zweite Gegentor kassiert und die Partie dank dreier Jokertore trotzdem noch gewonnen. Allzu viel habe man sich nicht mehr damit beschäftigt, sagte Hirsch am Donnerstag, bevor es dieses Wochenende wieder nach Verl geht (Samstag, 16.30 Uhr). Außer, dass man die Emotionalität der zahlreichen mitreisenden Fans diesmal von Anfang an mit auf den Platz nehmen wolle, und: „Wir wollen versuchen, nicht in Rückstand zu geraten. Das wäre schon mal ganz wichtig.“
Für die Zebras geht es in dieser Saison auch darum, die Auswärtsschwäche der vergangenen Spielzeit vergessen zu machen. Lediglich 21 Punkte holte man in der Fremde. Es war nach 2019/20 das zweite Mal, dass eine schwache Auswärtssaison wichtige Zähler zum Aufstieg kostete: Damals holten die Duisburger auch nur 23 Punkte auf den gegnerischen Plätzen, auch damals landete man direkt hinter dem Relegationsplatz und es fehlte nicht viel zum großen Wurf, nachdem man lange ganz vorne war. Nur etwas besser auswärts und es hätte am Ende gereicht, könnte man sagen.
Um die 30 Punkte auswärts sollten es sein
Die direkten Aufsteiger der 3. Liga in diesen vergangenen sieben Jahren, seit der MSV letztmalig aus der 2. Bundesliga abgestiegen ist, holten jedenfalls immer mehr Punkte. Elf von 14 Aufsteigern kamen auf mindestens 31, die meisten auf noch mehr. Zwei hatten 29 Zähler auswärts geholt und nur Preußen Münster 2023/24 fiel mit 26 etwas ab. Beim letztmaligen Zweitliga-Aufstieg des MSV 2016/17 waren die Meidericher mit 31 Punkten das beste Auswärtsteam der 3. Liga. Ungefähr da sollte also das Ziel liegen: Um die 30 Punkte auswärts, garniert mit der Heimstärke, dann kann es was werden.
„Wir thematisieren das nicht so“, meinte Hirsch zwar, er selbst hat es aber offenbar im Hinterkopf, „weil es einfach offensichtlich ist, dass wir letztes Jahr weitaus mehr Punkte zu Hause geholt haben als auswärts. Vielleicht waren das ja die Punkte, die am Ende gefehlt haben, und das sensibilisiert noch mal so ein bisschen.“ Man könne sich nicht immer darauf verlassen, zu Hause ausreichend Punkte einzufahren, „deswegen sollten wir schleunigst anfangen, auswärts zu punkten. Und das werden wir versuchen am Samstag.“
Besonders darauf eingehen oder irgendwelche Abläufe verändern will Hirsch aber nicht. „Wenn man Ziele hat und wenn man oben dabei sein möchte, dann muss man einfach auch auswärts punkten“, sagte er, und eben mit den anderen Bedingungen wie der ungewohnten Kabine und dem anderen Rasen zurechtkommen: „Das hat ja auch ein bisschen was mit Qualität zu tun, sich auswärts zu behaupten. Aber ich glaube, es hat nichts mit Abläufen zu tun, sondern einfach mit der Einstellung.“ Jeder Spieler müsse sich „in die Verfassung bringen, diesen Widerstand des Auswärtsspiels einfach zu brechen“.
SC Verl: Neues Personal, alte Spielweise
Da gibt es sicher einfachere Aufgaben als die in Verl. Zwar hat es beim Sportclub einige Veränderungen gegeben mit Orest Shala als neuem Trainer und einer zweistelligen Anzahl an neuen Spielern (darunter Ex-MSV-Stürmer Tim Heike). Doch das alles geschah unter Berücksichtigung der Philosophie des attraktiven Ballbesitzfußballs, der genauso fortgeführt werden soll. „Das Personal hat sich verändert, aber die Herangehensweise ist eigentlich gleich“, sagte Hirsch.
Das Auftaktspiel in Aachen hat Verl 1:4 verloren, trotz eines guten Auftritts mit dem Ball. Die Ostwestfalen lagen bis zur 52. Minute vorne, erst spät machte Aachen das Ergebnis so deutlich. „In der ersten Halbzeit hat man den typischen Verl-Fußball gesehen: viel Ballbesitz, mutig, sehr viele Positionswechsel“, beschrieb es der MSV-Coach: „Ich finde, in der zweiten Halbzeit haben sie auch vernünftig angefangen, aber dann wurden Fehler ausgenutzt.“ Von den Aachenern, die dann auch mithilfe der Wucht ihres Stadions ein wenig aufdrehten. Für Hirsch bleibt eine Erkenntnis: „Wir wissen, was wir zu tun haben.“
Nichtsdestotrotz wird dieses Spiel eine echte Herausforderung für den gewünschten neuen Ansatz des MSV, mehr Ballbesitz zu haben. Gegen Meppen waren es unter 50 Prozent, während Verl in Aachen zu zwei Dritteln des Spiels den Ball am Fuß hatte. Der Sportclub und Viktoria Köln waren eine Liga für sich, was die Anzahl der gespielten Pässe am ersten Spieltag anging. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Zebras eher in der abwartenden Rolle befinden werden.
Ballbesitzfußball oder Geduld?
„Ich hoffe natürlich und glaube, dass wir die Qualität haben, eine spielstarke Mannschaft und eine gute Pressing-Mannschaft wie Verl auch mal im Ballbesitz hinten reinzudrängen, und das muss unser Anspruch sein“, sagte Hirsch zwar. Doch er wird damit nicht die Kompaktheit opfern, die zeitweise auch gegen Meppen mal verloren gegangen war: „Das lag auch daran, dass sie es mutiger gemacht haben, aber dass wir halt auch die Räume gelassen haben. Das darfst du gegen keine Mannschaft machen – und speziell gegen Verl nicht.“
Außerdem hatten die Verler in Aachen ein Problem: Aus dem eigenen Ballbesitz entstand kaum Gefahr fürs gegnerische Tor. Sie gaben mit die wenigsten Torschüsse aller Drittligisten am ersten Spieltag ab und erarbeiteten sich nur die eine Großchance, die zum Treffer führte. Es zahlte sich aus für die Alemannia, geduldig zu sein und auf Fehler zu lauern. Das könnte es auch für den MSV, um die ersten wichtigen Auswärtspunkte einzufahren.
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