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Politik | RP ONLINE · Aug 23, 2026

Rumoren in der SPD: Unterwegs mit Lars Klingbeil: SPD-Chef kämpft um seinen Posten

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Kerstin Münstermann · RP ONLINE

Rumoren in der Partei Unterwegs mit Lars Klingbeil – SPD-Chef kämpft um seinen Posten

24.08.2026 · 07:38 Uhr

SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil bei einer Radtour durch seinen Wahlkreis.

SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil bei einer Radtour durch seinen Wahlkreis.

Foto: Sina Schuldt/dpa/Sina Schuldt

Analyse | Halle/Walsrode · Vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland wird die Luft auch für SPD-Chef Klingbeil dünner. Wie geht der Finanzminister mit dem Druck um? Wie ist die Stimmung im Land? Wir waren mit dem Vizekanzler in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

Lars Klingbeil ist nicht ängstlich. Doch auf dem etwas klapprigen Mühlenboden in Brockel, hoch über dem niedersächsischen Land, knapp unterhalb der Flügel, wagt er sich nicht ganz nach vorn an den unbefestigten Rand. „Ich bleib mal ein wenig im Hintergrund“, sagt er lachend.

Der SPD-Chef und die Windmühle – unweigerlich denkt man an Don Quijote und seinen Kampf gegen die Windmühlen. Doch anders als der literarische Held kämpft Klingbeil nicht gegen eingebildete Gegner. Der jüngste Parteichef in der Geschichte der SPD kämpft im Spätsommer 2026 um sein Amt – an der Spitze einer Partei, die seine Heimat ist, auch wenn es gerade schlecht läuft.

Rücktritt von Klingbeil und Bas gefordert

Die SPD-Vorsitzenden Klingbeil und Bärbel Bas stehen seit Wochen in der Kritik. Die Umfragen im Bund sind konstant schlecht, die Aussichten für die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern mindestens diffus. In Sachsen-Anhalt, wo eine absolute AfD-Mehrheit droht, kämpft die SPD um die Fünf-Prozent-Hürde. Ihr Abschneiden könnte das Zünglein an der Waage sein. Entsprechend nervös ist die Partei.

In dieser Gemengelage bekommen Rücktrittsforderungen aus den hinteren Reihen der Partei Gewicht. Besonders brisant ist, dass die weitere Führungsspitze – einschließlich mehrerer Ministerpräsidenten – schweigt. Stattdessen wird der Name der Wahlkämpferin und Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, ins Spiel gebracht.

Wahlkämpfer meiden Politiker aus Berlin möglichst

In dieser Situation reist der Vizekanzler per Bahn zunächst nach Halle. Anlass ist ein Termin im Wasserwerk Halle-Beesen, in das 53 Millionen Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur investiert werden. Um die Bewilligung wurde lange gerungen. Für den SPD-Finanzminister ist die schnelle Verteilung des von ihm erdachten 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens wichtig. Allmählich werden erste Erfolge sichtbar.

Passenderweise ist der zuständige Umweltminister Armin Willingmann zugleich SPD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt. Im Vorfeld wurde darüber spekuliert, ob die beiden überhaupt gemeinsam auftreten würden. Die Wahlkämpfer aller Parteien eint in diesem Herbst, dass sie Politiker aus Berlin möglichst meiden. Zu unbeliebt ist die Bundesregierung.

Klingbeil betont, die schnelle Bewilligung und Umsetzung zeige, wie sich das Land verändere. Willingmann und Klingbeil strahlen um die Wette. Doch ein wenig Nervosität ist spürbar.

Klingbeil stellt sich der Kritik im Bürgergespräch

Nervös ist auch Katharina Kohl. Die Landtagskandidatin hat Klingbeil zu einem Bürgergespräch eingeladen. Klingbeil fordert die Anwesenden auf, offen anzusprechen, was ihnen auf dem Herzen liegt. „Ich bin da überhaupt nicht zimperlich. Als SPD-Vorsitzender bist du sowieso einiges gewohnt.“

Genau das ärgert ihn: dass sich Kritiker nicht offen melden, nicht an ihn wenden – und manchmal lieber meckern, als selbst etwas zu tun. Gegenwind bekommt er bei diesem Termin allerdings kaum. Es geht vor allem um regionale Themen. Klingbeil betont, wie viel Respekt er vor den Wahlkämpfern habe, denen der harte Wind der AfD überall entgegenschlage. Noch, sagt er, gebe es Hoffnung.

Klingbeils Erfolg in seinem Wahlkreis

Am nächsten Tag ist Klingbeil in seinem niedersächsischen Wahlkreis unterwegs. Der Mann aus Munster absolviert wie jedes Jahr eine Fahrradtour. Jeder kennt ihn hier. Bei der Eröffnung des Stadtfestes in Walsrode gibt es Applaus, viele klopfen ihm auf die Schulter. Bei der Bundestagswahl 2025 holte Klingbeil in seinem Wahlkreis das beste Erststimmenergebnis der SPD bundesweit.

Hier sieht er bestätigt, was er nach wie vor für den richtigen Weg seiner Partei hält: eine gemäßigte Sozialdemokratie, die auch die Mitte anspricht. Reformen ja, aber ebenso eine Umverteilung von oben nach unten. Empathische Ansprache. Doch auch in der Heimat muss Klingbeil kritische Fragen beantworten. Was ist dran an den Gerüchten?

„Ich kann verstehen, dass die SPD darüber debattiert, wie es besser werden kann. Das müssen wir auch. Meine Überzeugung ist aber nicht, dass es neue Personen leichter hätten. Die Rahmenbedingungen sind, wie sie sind. Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Vor der Verantwortung wegzurennen geht nicht. Ich bin in der SPD, weil ich etwas bewirken will. Das heißt, hart zu arbeiten und Kritik auszuhalten.“

Mögliche Nachfolger in der SPD noch nicht bereit

Die möglichen Szenarien sind klar: Sollten die Wahlen im Osten für die SPD komplett verloren gehen – sollte sie in Sachsen-Anhalt aus dem Landtag fliegen und in Mecklenburg-Vorpommern die Regierung verlieren –, dürfte in der Partei kein Stein auf dem anderen bleiben. Wie es dann weiterginge, ist allerdings offen. Denn auch für Schwesig kommen die Gerüchte zur Unzeit. Sie musste jüngst klarstellen, dass sie die kommenden fünf Jahre Ministerpräsidentin bleiben wolle. Ein vollständiges Dementi weitergehender Ambitionen ist das nicht. Es verschafft der Berliner Parteispitze jedoch Zeit.

Alexander Schweitzer, der gescheiterte Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, stehe ebenfalls (noch) nicht bereit, heißt es. Verteidigungsminister Boris Pistorius genießt hohe persönliche Zustimmungswerte, hat bislang aber keinerlei Machtambitionen erkennen lassen. Einzig der ehemalige Arbeitsminister Hubertus Heil, ein entschiedener Parteigegner Klingbeils, wartet möglicherweise auf seine Chance.

Klingbeil setzt auf Geduld und Ausdauer

Klingbeil weiß, dass es eng werden könnte. Dennoch wirkt er gefasst, vielleicht etwas lakonischer als sonst. Den Sommer über hat er auf dem Fahrrad viel trainiert. Derzeit wirkt er nicht so, als würde er aufstecken. Wenn ihm die Partei nicht mehr folgt, wird Klingbeil seinen Platz räumen. Aber sicher nicht kampflos.

Unten in der Mühle erklärt ein Ehrenamtler, wie das Bauwerk samt Antrieb wieder instand gesetzt wurde: in jahrelanger, mühevoller Arbeit. Heute ist die Mühle der ganze Stolz der Region. Es ist das, was sich Klingbeil von seiner Partei wünscht: Geduld und Ausdauer. Ob sie das ihren Vorsitzenden einräumt? Der Herbst wird es zeigen.

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