Zwei Konzerte in der Andreaskirche Ein ergreifender Kreuzweg mit Orgel und Tanz
27.08.2026 · 10:42 Uhr
Marcel Dupré im Jahr 1948 an der Wanamaker-Orgel in Philadelphia.
Foto: W. H. Hoedt/Bibliothèque nationale de FranceDüsseldorf · Der Organist Thomas Möller und der Choreograf Daniel Smith interpretieren Marcel Duprés „Le chemin de la croix“ in der Andreaskirche.
Die Uraufführung im Brüsseler Konservatorium war zunächst eine Improvisation: Im Februar 1931 setzte Marcel Dupré die vierzehn Stationen von Paul Claudels Gedichtzyklus „Kreuzweg“ aus dem Stegreif in Musik um. Nach jeder gelesenen Station antwortete der französische Organist mit einem spontanen Kommentar auf der wunderbaren Cavaillé-Coll-Orgel (die derzeit restauriert wird).
Es war kein musikalisches Bilderbuch, sondern ein dramatischer Dialog zwischen Wort und Klang. Der Erfolg war so groß, dass Dupré seine Improvisationen anschließend niederschrieb. So entstand „Le Chemin de la Croix“, op. 29, eines der fraglos bedeutendsten Orgelwerke des 20. Jahrhunderts.
Fast ein Jahrhundert später kommt dieser Kreuzweg in Düsseldorf erneut in Bewegung. Am Sonntag, 27. September, erklingt an der Beckerath-Orgel in der Kirche St. Andreas Duprés Musik, verbunden mit Tanz. Zwei Aufführungen sind geplant, um 14 und um 16 Uhr. Pater Thomas Möller aus dem Dominikanerkloster und der Choreograf Daniel Smith richten den Blick auf eine Komposition, die von den finalen Ereignissen im Leben Jesu inspiriert ist – von der Verurteilung bis zur Grablegung.
Die Verbindung von Orgel und Tanz ist dabei keineswegs bloß ein spektakulärer Einfall. Duprés Werk besitzt selbst eine ausgeprägt körperliche Energie. In den vierzehn Stationen wechseln sich Zusammenbruch und Aufbäumen, Erstarrung und Bewegung, Gewalt und innere Sammlung ab. Die Orgel kann zur donnernden Klangmasse werden, zum schneidenden Aufschrei, zum einsamen Atem oder zu einem Raum, in dem die Zeit stillzustehen scheint.
Dupré, 1886 geboren und 1971 gestorben, war einer der großen Virtuosen, Improvisatoren und Erneuerer der französischen Orgeltradition. Sein „Kreuzweg“ steht stilistisch in der Nähe der französischen Orgelsinfonie, öffnet sich aber zugleich einer freien Form der Orgelmeditation. Biblische Ereignisse und liturgische Texte werden nicht einfach vertont: Dupré deutet sie in Klang, lässt sie aufeinanderprallen und verwandelt sie in eine innere Dramaturgie. Später sollte Olivier Messiaen diese geistliche, meditative Orgelmusik weiterentwickeln.
Wer sich auf dieses ungewöhnliche Ereignis vorbereiten möchte, kann das im Internet tun: Dort findet man Duprés eigene Einspielung aus dem Jahr 1958 an seiner Orgel in Saint-Sulpice in Paris. Duprés eigene Spielfehler fallen fast nicht auf – er durfte sie sich erlauben. Die beste Einspielung stammt von Ben van Oosten an der Orgel von Saint-Ouen in Rouen (bei Dabringhaus und Grimm). Auch diese beiden Orgeln hat der große Aristide Cavaillé-Coll gebaut.
Info Sonntag, 27. September, 14 und 16 Uhr, Kirche St. Andreas, Andreasstraße 10, Düsseldorf.
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