Erfahrung mit Konflikten Leichlingen hat eine neue Schiedsfrau
20.08.2026 · 12:00 Uhr
Petra Schönzeler kümmert sich ehrenamtlich um Streitschlichtung in Leichlingen.
Foto: Miserius,Uwe (umi)Leichlingen · Zwölf Menschen bewarben sich in Leichlingen für das Schiedsamt, Petra Schönzeler erhielt den Zuschlag. Nun wartet ein Ehrenamt auf sie, in dem Ruhe und Empathie zählen.
Wenn des Nachbars Hecke ausladend aufs eigene Grundstück wuchert, der Hund nebenan pünktlich zur Nachtruhe sein Bellkonzert anstimmt oder der viel zu laute Wagen des Angebers von der anderen Straßenseite stets zwei Parkplätze gebraucht, dann kann dem einen oder anderen Hausbesitzer oder Mieter der sprichwörtliche Hut hochgehen. Die Folge: Streit unter Nachbarn. Der ist oft unschön, nimmt teils groteske und kleinkindliche Formen an und stört das Zusammenleben massiv. Um derlei festsitzende Knoten aus Ärger und Wut noch vor dem teuren Gerichtsverfahren zu lösen, greifen die ehrenamtlichen Schiedsleute in den Städten für ein kleines Entgelt ein. In Leichlingen bekleidet fortan Petra Schönzeler einen dieser Posten.
Bei ihrer Vorstellung im Rathaus ist sie bereits voller Tatendrang. „Ich habe mich sofort auf das Amt beworben, weil ich gern mit Menschen arbeite“, sagt sie. Während ihrer Berufslaufbahn führte sie regelmäßig große und mitunter internationale Teams. Die dabei gesammelten Erfahrungen in Form geübter Gesprächsführung und des richtigen Umgangs mit Personen helfen ihr demnach bei der hoffentlich gelingenden Zusammenführung der Streithähne. Zudem war sie über einen längeren Zeitraum Vorsitzende von zwei Eigentümergemeinschaften und ist es noch für eine. Dort hatte sie es schon mit Streitereien unter Nachbarn zu tun. „Zu sehen, dass die Nachbarschaft dann wieder in Frieden zusammenkommt, ist einfach schön“, betont sie.
Insgesamt ist Leichlingen in zwei Schiedsbezirke aufgeteilt: Leichlingen und Witzhelden. Ab sofort ist Petra Schönzeler für Leichlingen, Kollegin Gisela Becher für Witzhelden verantwortlich. Die beiden Frauen unterstehen dem Schiedsamt, das wiederum eine Unterabteilung des Ordnungsamtes ist. Dessen Leiterin, Karin Schöning, führt aus, gute Streitschlichter strahlten Ruhe aus, blieben fokussiert, lenkten die Unterredung und zeigten Empathie. Wichtig sei, dass keine der Parteien das Gefühl habe, infolge des Gesprächs als Sieger oder Verlierer dazustehen, sondern dass möglichst eine gemeinsame Lösung gefunden werde. Aufbrausend sollten Schiedsleute niemals sein. „Das nutzt nichts und ist kontraproduktiv“, bekräftigt Schöning.
Gewählt werden die Schiedsleute anhand von Bewerbungen alle fünf Jahre durch den Leichlinger Rat. Diesmal gab es zwölf Bewerbungen, von denen zwei aussortiert werden mussten, da Bewerber in den jeweiligen Bezirken wohnhaft sein müssen. Nachdem sich weitere zwei während des Prozesses zurückgezogen hatte, stellten sich Schönzeler und ihre Mitstreiter den politischen Vertretern in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses vor. Woran die Vielzahl der Freiwilligen auf ausgerechnet dieses Amt liegt, ist nur schwerlich zu sagen. Die meisten Bewerber waren laut Schöning im Rentenalter und suchten wohl nach einer sinnvollen Aufgabe. Womöglich finden sie das Schiedsamt besonders spannend.
Einen ersten Einblick in ihre künftige Tätigkeit hat Petra Schönzeler bereits erhalten. Als stumme Beobachterin wohnte sie ein paar Fällen ihrer Kollegin Becher bei. Im Nachgang besprachen die beiden die Fälle, und die erfahrene Schiedsfrau gab dem 59-jährigen Neuling einige nützliche Tipps und Tricks an die Hand, die sie im Falle einer leichten Gesprächseskalation wird anwenden können. Allzu bald wird eine weitere Stelle unter den Leichlinger Schiedsleuten offenbar nicht frei. Denn Becher macht auf die Verantwortlichen nicht den Eindruck, dass sie ihrer Aufgabe müde wird. „Auf mich wirkt sie sehr motiviert“, beschreibt Schönzeler, „das merkt man direkt. Es macht Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten.“
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