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Erkelenz | RP ONLINE · Aug 24, 2026

Baugebiete in Erkelenz: So funktioniert der Öko-Ausgleich

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Christos Pasvantis · RP ONLINE

Baugebiete in Erkelenz So funktioniert der Öko-Ausgleich

24.08.2026 · 05:10 Uhr

 Mit der Aufforstung des Wahnenbuschs bei Tenholt will die Stadt Erkelenz ihr Ökopunkte-Konto füllen.

Mit der Aufforstung des Wahnenbuschs bei Tenholt will die Stadt Erkelenz ihr Ökopunkte-Konto füllen.

Foto: Christos Pasvantis

Erkelenz · Neue Baugebiete und Geschäfte brauchen einen Ausgleich für versiegelte Flächen. Erkelenz sammelt dafür Ökopunkte – und hat nun wieder ein Polster.

Viele Bauprojekte, neue Wohngebiete und Gewerbeflächen stellen einen Eingriff in die Natur dar. Das Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet deshalb Kommunen, in ihrer Bauleitplanung stets Ausgleichsflächen zu bestimmen, wenn ein Stück Wiese oder Acker versiegelt wird. Die Idee dahinter: Die Natur soll sich durch Baumaßnahmen langfristig nicht verschlechtern. Wie dieses Konzept in der Realität in Erkelenz funktioniert, hat kürzlich der Planungsamtsleiter Michael Joos ausgeführt.

Fragen dazu waren in der Politik aufgekommen, nachdem bekannt wurde, dass für ein großes Erkelenzer Bauprojekt keine Ausgleichsflächen im Stadtgebiet hinzukommen werden: Für das neue Gebäude am ehemaligen Alten Amtsgericht im Bahnhofsviertel, Kostenpflichtiger Inhalt in dem ein Rewe-Markt und eine Müller-Drogerie entstehen werden, wird stattdessen ein Naturausgleich im Kreis Kleve stattfinden.

Grundsätzlich sei es so, dass das Ausgleichskonzept zunächst davon ausgehe, dass bei Baumaßnahmen auch vor Ort ein Naturausgleich stattfinden muss, erklärte Michael Joos. „Das kann zum Beispiel die Aufwertung oder das neue Anlegen eines Biotops sein, oder auch die Entsiegelung einer Fläche“, so der Stadtplaner.

Die Regelungen dafür sind streng und funktionieren über ein Punkteverfahren. Diese „Ökopunkte“ sind sozusagen die gesetzliche Währung im deutschen Naturschutzrecht. Nur wenn die Stadt genug Ökopunkte auf ihrem Konto hat, sind neue Baupläne zulässig. Ökopunkte müssen allerdings zwingend mit einer neuen Baumaßnahme verknüpft, sondern können beim Kreis Heinsberg für umgesetzte Naturschutzprojekte gesammelt werden. „Theoretisch kann man solche Ökopunkte auch kaufen, aber das vermeiden wir, weil es sehr viel Geld kostet“, sagte Joos. Die Kosten für die nötigen Ökopunkte für größere Projekte könnten schnell in einen hohen sechsstelligen Bereich gehen.

Wie das in der Praxis funktioniert, erklärte der Planer unter anderem am Beispiel des Neubaugebiets „Auf‘m Hover Pfad“ in Golkrath. Für das kleine Baugebiet, das Platz für 14 Baugrundstücke bietet, wären knapp 30.000 Ökopunkte fällig geworden. Da die Stadt so viele Punkte auf ihrem Konto nur noch etwa 15.000 Punkte hatte, musste sie gleichzeitig eine Ausgleichsmaßnahme planen. Diese sieht nun vor, eine landwirtschaftliche Fläche bei Schwanenberg aufzuwerten. Sie wird zu einer Obst- und Baumwiese und damit in der Planersprache von einem Biotop der Stufe zwei zur Stufe sechs aufgewertet. Die Stadt hat, verrechnet mit der Fläche der neuen Obstwiese, somit knapp 38.000 neue Punkte gewonnen.

Stand jetzt liegt Erkelenz also wieder im Plus. Zumal im Wahnenbusch durch eine geplante Aufforstung und die Ausbildung eines Waldrands weitere Punkte hinzukommen sollen. Zum Start des nächsten Jahres hätte sich die Stadt Erkelenz damit ein ordentliches Polster aufgebaut, das sie für weitere Baugebiete nutzen könnte. „Wir versuchen immer, zuerst dort etwas zu machen, wo auch gebaut werden soll. Aber das ist nicht immer möglich“, erklärte Joos.

Wiederum anders habe es sich allerdings bei der Fläche am ehemaligen Alten Amtsgericht verhalten. Schon damals, als die Stadt Erkelenz die Fläche an den Investor Josef Schoofs verkauft hat, habe man vereinbart, dass dieser Investor die nötigen Ausgleichsflächen mitbringen müsse. „Ohne diese Zusicherung hätten wir das Grundstück gar nicht erst verkauft“, sagte Joos. Und weil die Schoofs-Gruppe ihren Sitz in Kevelaer hat, liegen auch dort die benötigten Ausgleichsflächen.

Was freilich weiterhin auf sich warten lässt: Der Baustart für die seit Jahren brachliegende Fläche im Bahnhofsviertel. Dieser soll im Herbst nach jahrelanger Wartezeit erfolgen.

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