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Erkelenz | RP ONLINE · Aug 24, 2026

Winfried Lichtscheidel in Erkelenz: Klänge aus Sinfonie und Oper beim Orgelsommer

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Heide Oehmen · RP ONLINE

Winfried Lichtscheidel in Erkelenz Klänge aus Sinfonie und Oper beim Orgelsommer

24.08.2026 · 14:11 Uhr

Winfried Lichtscheidel spielte das letzte Konzert des Erkelenzer Orgelsommers.

Winfried Lichtscheidel spielte das letzte Konzert des Erkelenzer Orgelsommers.

Foto: Ruth Klapproth

Erkelenz · In Erkelenz endet der Orgelsommer mit Dvorak und Wagner auf der Orgel. Winfried Lichtscheidel entfaltet Farben und Wucht. Zum Abschluss gab es begeisterten Applaus.

Mit einem bemerkenswerten Programm endete am Sonntag in der wiederum sehr gut besuchten St. Lambertuskirche der vierte Internationale Erkelenzer Orgelsommer. Winfried Lichtscheidel – Absolvent der Musikhochschule Stuttgart, Schüler der Professoren Ludger Lohmann und Bernhard Haas, weitgereister Konzertorganist und Dekanatskirchenmusiker an der Stadtpfarrkirche in Landsberg am Lech – hatte sich für sein Debüt in Erkelenz zwei Transkriptionen ausgesucht. Einmal die der Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der Neuen Welt“ von Antonin Dvorak, die Zsigmond Szathmáry verfasste, und die Orgelbearbeitung des Vorspiels zur Richard Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ aus der Feder von Edwin Lemare. Beide Bearbeitungen zeugten sowohl von umfassender Kenntnis des jeweiligen Originals als auch der orgelspezifischen Eigenarten.

Doch nicht nur der Bearbeiter, auch der Interpret muss sich in der Vorbereitung intensiv mit den Originalen beschäftigen, und das war Winfried Lichtscheidel in jeder Phase seiner fesselnden, wiederum per Videoübertragung auch optisch mitzuerlebenden Wiedergabe anzumerken. Fußend auf brillantem technischem Vermögen und getragen von sicherem musikalischem Geschmack, wusste der Gast das Füllhorn Dvorak'scher Kostbarkeiten in all' seiner Farbigkeit auszubreiten. Die auch für ein solches Unterfangen optimal konzipierte Martin Scholz-Orgel unterstützte den Interpreten dabei mustergültig. Nicht nur das berühmte Englischhornsolo des zweiten Satzes, auch die böhmischen oder die von Indianermusik und Spirituals inspirierten Klänge dieser in Amerika entstandenen Sinfonie wusste der Gast plastisch darzustellen. Im in strammem Tempo dargebotenen Finalsatz waren die Zitate der Themen der vorangegangenen Sätze noch einmal gut nachzuvollziehen.

Richard Wagners vollmundige, teils machtvolle Musik eignet sich besonders gut für Orgeltranskriptionen. So auch das Vorspiel zu den Meistersingern, das in seiner mitreißenden Festlichkeit und großartigen Klangfülle das Publikum überwältigte. Zum Glück hatte Kantor Stefan Emanuel Knauer in seiner Begrüßung darum gebeten, nur am Schluss des Konzertes zu applaudieren. Dieser Beifall fiel dann so begeistert und ausdauernd aus, dass der Gast sich gerne zu zwei Zugaben überreden ließ, bei denen er die Klangvielfalt der Orgel noch einmal überlegt auskostete.

Orgelenthusiasten können sich übrigens bereits auf das nächste Orgelmusikfestival – das fünfte in Erkelenz – freuen. Vom 25. Juli bis 15. August 2027 werden wieder internationale Orgelgrößen zu erleben sein. Den Anfang macht Vincent Dubois (Notre Dame, Paris).

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