Aryna Sabalenka ist die Weltnummer eins im Tennis, doch seit Monaten verliert sie nur noch. Was ist passiert?
Am US Open könnte die Weissrussin ihre monatelange Baisse beenden. Doch dafür muss sie ihre mentale Stärke wiederfinden.
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Aryna Sabalenka steckt in einer Krise – seit Monaten ringt sie wieder mit sich selbst.
Robert Prange / Getty
Aryna Sabalenka würdigte Sara Bejlek kaum eines Blickes, rang sich zu einem sehr kurzen, frostigen Handshake durch. Dann marschierte die weissrussische Tennisspielerin davon. Online nannten Fans sie unsportlich, eine schlechte Verliererin. Die Nummer eins der Tenniswelt hatte gerade gegen eine 20-Jährige verloren.
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Mehr noch: Nach Wimbledon und Toronto war das Achtelfinal-Aus in Cincinnati gegen Bejlek bereits das dritte in Folge. Seit sieben Turnieren wartet Sabalenka nunmehr auf einen Titel – fünf lange Monate.
Was sie durchlebt, ist längst mehr als eine Formkrise. Fans, Experten und vor allem Sabalenka selbst legen bei ihr einen anderen Massstab an als üblich. Sie ist eine Naturgewalt. 2023 gewann sie am Australian Open ihren ersten Grand-Slam-Titel, 2024 triumphierte sie erneut in Melbourne und dann auch am US Open. Seither führt sie die Weltrangliste an und dominiert auf der WTA-Tour.
Bis jetzt jedenfalls. Denn nun wirkt sie so, als sei sie innert weniger Monate zu ihrer unbeständigen Version von einst zurückgekehrt. Zu der Sabalenka, die sie gewesen war, bevor sie ihren Siegeszug startete. Ihre grösste Gegnerin: sie selbst.
Sabalenka verliert plötzlich wieder die Kontrolle
Gleich zu Beginn der Saison unterlag Sabalenka im Final des Australian Open Jelena Rybakina. Dafür gelang ihr im März das Sunshine Double: Siege in Indian Wells und Miami, den beiden amerikanischen Hartplatzturnieren nacheinander. Nur vier Spielerinnen hatten das vor ihr geschafft.
Der Absturz begann auf Sand. In Madrid scheiterte Sabalenka im Viertelfinal, in Rom in der dritten Runde. In Roland-Garros schenkte sie gegen Diana Schnaider im zweiten Satz eine 4:1-Führung her und verlor 5:7. Im Entscheidungssatz brach sie völlig ein, gab zehn Spiele in Folge ab und ging 0:6 unter. Stand da wirklich Sabalenka auf dem Court?
«Ich möchte am liebsten sofort mit dem Tennis aufhören», sagte sie an der Pressekonferenz mit Tränen in den Augen. Im letzten Satz sei sie mental in ein tiefes, dunkles Loch gefallen. Nach der Niederlage suchte sie wieder die Hilfe ihrer Psychologin, mit der sie früher gearbeitet hatte.
Sabalenkas Niederlagen folgen einem Muster, das sie vor ihrer Ära der Dominanz zeigte. Nach einer komfortablen Satzführung bricht sie wegen kleinster Widrigkeiten ein, reiht plötzlich Fehler an Fehler. Sie hadert, schreit sich selbst an. Mit jedem Rückschlag wirkt sie verbissener, verliert die Kontrolle. Sie drischt die Bälle nur noch weg – zu weit oder ins Netz. Statt auf die Schwächen ihrer Gegnerinnen fixiert sie sich auf ihre eigenen.

Mentaler Zusammenbruch in Roland-Garros: Aryna Sabalenka leistete sich 57 unerzwungene Fehler im Match gegen Diana Schnaider.
Corinne Dubreuil / Imago
Bringt das US Open die Wende?
An die Spitze schaffte es aber die Sabalenka, die in schwierigen Momenten nicht überdreht, Rückschläge akzeptiert und neben ihren Gewaltsschlägen auch sanftere Varianten des Angriffs einstreut. Das «mental game» scheint sie wieder verlernt zu haben.
Sabalenka lebe mit der Angst, alles zu verlieren, was sie sich erarbeitet habe, sagte ihr Fitness-Coach Jason Stacy Ende 2025 in einem Podcast. Diese Sorge dürfte kaum kleiner geworden sein, zumal Elena Rybakina nur noch etwa 400 Punkte braucht, um Sabalenka von der Weltranglistenspitze zu verdrängen. Wegen einer Knöchelverletzung ist allerdings fraglich, ob die Kasachin am US Open im Einzel antreten wird.
Ob Sabalenka sich überhaupt noch wie die Nummer eins fühle, fragte ein Journalist nach ihrem Match gegen Naomi Osaka in Wimbledon. «Heute nicht, gestern schon», sagte sie, die in zwei Sätzen von Osaka abgefertigt worden war.
«Ich will einfach weggehen, mich betrinken, Tennis vergessen und versuchen, wieder besser in Form zu kommen», sagte sie danach. Das war zwar nicht ganz ernst gemeint, aber die Aussage liess doch tief blicken. Die Niederlagen begleiteten sie weiter bis nach Cincinnati.
Das US Open bietet Sabalenka die Chance zur Wende. In den letzten zwei Jahren errang sie hier den Titel. Nun könnte sie das Triple schaffen, wie Serena Williams 2014. Der Einstand am Turnier missglückte Sabalenka jedoch bereits. Im Mixed-Doppel an der Seite von Novak Djokovic schied sie aus – in der ersten Runde.




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