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Sport – News, Hintergründe und Resultate | NZZ Nachrichten · Aug 20, 2026

Trail-Running? Ein Walliser rannte Berge hinauf, bevor es Trend war – nun fordert er die neue Elite heraus

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Niels Bossert · Neue Zürcher Zeitung

Trail-Running? Ein Walliser rannte Berge hinauf, bevor es Trend war – nun fordert er die neue Elite heraus

Der Matterhorn-Ultraks lockt am Wochenende Ausdauersportler nach Zermatt. Martin Anthamatten startet in der Disziplin «Extreme»: 26 Kilometer, 3000 Höhenmeter, über Geröll und Gletscher.

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2024 gewann der Lokalmatador sein Heimrennen erstmals – und bis heute zum einzigen Mal – in der «Extreme»-Kategorie.

2024 gewann der Lokalmatador sein Heimrennen erstmals – und bis heute zum einzigen Mal – in der «Extreme»-Kategorie.

Michael Portmann

Martin Anthamatten war schon mit 17 Jahren ein Pragmatiker. Konnte ihn sein Vater nachts nach dem Eishockeytraining nicht abholen und hielt kein Fahrzeug per Autostopp, marschierte er eben von Stalden nach Zermatt. In vier Stunden.

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Heuer läuft Anthamatten 82 Kilometer, überwindet 6300 Höhenmeter – in rund 9,5 Stunden. Mit dieser Zeit gewann der 41-Jährige kürzlich ein Ultratrail-Rennen am Monte-Rosa-Massiv. Der Oberwalliser ist Bergläufer: Er läuft und klettert im Hochgebirge im steilen, technischen Gelände.

Bekannt wurde Anthamatten in der Schweizer Sportwelt jedoch als Skibergsteiger. Über ein Jahrzehnt gehörte er dem Nationalkader an, holte 2011 WM-Gold im Sprint und später auch WM- und EM-Titel in der Staffel. Im Team siegte er 2010 und 2022 bei der Patrouille des Glaciers, des härtesten Skitourenrennens der Welt. Nach dem erneuten Sieg vor vier Jahren verlagerte er seinen Fokus noch stärker aufs Trail-Running.

Am Wochenende steht für ihn der Saisonhöhepunkt an: sein «Heimrennen», wie er es nennt – der Matterhorn-Ultraks in Zermatt. Hier, wo er seit seiner Kindheit die Berge erkundet und sie als seinen Spielplatz bezeichnet.

Ein Bergler in der Hype-Sportart Trail-Running

Einen Heimvorteil habe er, sagt Anthamatten, doch er wolle ihn nicht überbewerten. Topathleten im Trail-Running bewegen sich in jedem Gelände schnell – Heimat hin oder her. «Am Ende zählt, wer am schlausten läuft und den stärkeren Motor hat», sagt er.

Sein Ziel: «mit den Besten mithalten». Im letzten Jahr belegte er beim Heimrennen in der Kategorie «Extreme» Platz sechs. Anthamatten verbesserte 2025 seine Zeit – 3 Stunden, 35 Minuten und 12 Sekunden – um 9 Minuten im Vergleich zum Vorjahr. 2024 gewann er das Rennen noch.

Die Athleten legen 26 Kilometer zurück, über 3000 Höhenmeter. Sie hetzen durch seichte Bergseen, Geröll und über Gletscher von Fahne zu Fahne. Nach den ersten 4 Kilometern lassen sie bereits 1000 Höhenmeter hinter sich. «Der Grat zwischen technischem Trail-Running und Bergsteigen ist sehr schmal», sagt Anthamatten.

Die Strecke wurde 2019 ins Wettkampfprogramm aufgenommen, ist Teil der internationalen Wettkampfserie im Sky-Running. Das Teilnehmerfeld wird immer stärker, Trail-Running boomt seit Jahren. Mehr Geld, mehr Athleten, höheres Niveau – das treibt den Sport voran.

Auch Anthamatten profitiert vom Hype. Neben seiner Arbeit als selbständiger Hochbauzeichner und Bergführer lebt er zu 50 Prozent vom Sport. Er sieht das als Privileg, trotzdem ist der Bergler kein Freund der Kommerzialisierung. Oder eher dessen, was damit einhergeht.

Manche neuen Wettkämpfe setzen mehr auf Spektakel als auf Sicherheit. Anthamatten erinnert sich an Rennen im Ausland, bei denen er nur wusste, wie er sich im Gelände verhalten muss, weil er Bergführer ist. «Reine Trail-Runner waren aber überfordert. Es wurde gefährlich.» Die Anlässe gibt es heute nicht mehr. «Sie wollten zu schnell zu viel», sagt Anthamatten.

Michael Portmann

Martin Anthamatten braucht sportlich «immer etwas Neues» – vom Eishockey über das Skibergsteigen bis zum Trail-Running.

Der Matterhorn-Ultraks hingegen findet 2026 zum 14. Mal statt. Er wurde ins Leben gerufen, um «Zermatt auf den schönsten Wegen zu umrunden», sagt Anthamatten. Sicher soll er sein und für Teilnehmer jeden Niveaus geeignet. Zwei Westschweizer gründeten den Anlass und wandten sich gleich an die ortskundigen Anthamatten-Brüder. Der Älteste, Simon Anthamatten, ist Extrembergsteiger und Bergretter. Der Jüngste, Samuel Anthamatten, ist ebenfalls Alpinist und einer der weltbesten Freerider.

Martin Anthamatten hielt sich schon damals im Sommer mit Bergläufen fit für die Wintersaison als Skibergsteiger. Ab 2008 nahm er an Wettkämpfen teil. Ein Trail-Runner, bevor es das Trendwort gab. «Ich war schon immer der Ausdauertyp», sagt er.

Eigentlich hatte er bis 2005 noch vom endgültigen Durchbruch als Eishockeyspieler geträumt. Weiter als zum EHC Visp in der Nationalliga B führte ihn seine Karriere aber nicht. Heute ist er froh darüber. Seine sportliche Heimat fand er im Ausdauersport in den Bergen.

Ohne Bergerfahrung kein Startplatz

Die Gebrüder Anthamatten sollten die Strecken für den Matterhorn-Ultraks konzipieren. Wer sich die drei über eine Karte gebeugt vorstellt, irrt. Die Routenplanung passierte im Kopf. Teile von Lieblingsstrecken als Bergläufer, Wanderungen mit den Eltern, Erkundungstouren als Kinder. Nun konnte Martin Anthamatten dort plötzlich gegen die besten Athleten der Welt antreten – «direkt vor der Haustür».

Zugelassen ist aber dabei längst nicht jeder. Zumindest in der Kategorie «Extreme», in der die Weltelite antritt. 250 Athleten starten gleichzeitig im Tal von Zermatt. 50 Startplätze gingen an geladene Athleten der Skyrunner World Series. Die restlichen 200 mussten sich bewerben, ihre Berg- und Höhenerfahrung nachweisen, Besteigungen allein oder mit Bergführern angeben. Sie müssen reichlich Höhenmeter in einer bestimmten Zeit bewältigen können.

Über das Pflichtmaterial – Regen- und Windjacke, Mini-Steigeisen für die Schuhe – hinaus sollen die Athleten selbst entscheiden, was sie für den Tag brauchen. Bei bis ins Detail durchgeplanten Materiallisten von Rennen sieht Anthamatten die Eigenverantwortung der Bergläufer schwinden. «Das finde ich schade», sagt er. Verantwortung liege «im Charakter eines Berglers», sagt er. Er spricht viel davon.

Und sieht sich umgekehrt auch in der Pflicht gegenüber den Teilnehmern. Gelände mit Absturzgefahr sei ein absolutes No-Go. «Lieber bleibt man ein bisschen unter dem Grat zwischen Sicherheit und Risiko.» Anthamatten kontrolliert mit anderen Bergführern die «Extreme»-Strecke in den Tagen vor dem Rennen und passt sie bei schlechtem Zustand an.

Zu Trainingszwecken war Anthamatten in den letzten zwei Wochen vor dem Rennen vier- bis fünfmal auf der Strecke. Er konzentrierte sich auf einzelne Abschnitte. Zum Beispiel darauf, nach einer steilen Passage einen aufrechten Laufstil zu bewahren, grosse Schritte zu machen, nicht nachzulassen im Tempo.

Er sieht sich in Topform. «An einem guten Tag ist vieles möglich», sagt er. Und wenn nicht, ist das für ihn auch kein Drama. Er schätze die Freiheit, die ihm das Trail-Running gebe. «Wir laufen als Kollegen, die zusammen in den Bergen unterwegs sind», sagt Anthamatten.

Ob den Athleten wirklich Zeit bleibt, während des Rennens die Aussicht zu geniessen?

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Michael Portmann

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