34 Jahre vermisst: Die Sommerhitze gibt die Leichen zweier Wanderer auf dem Triftgletscher frei
Einmal mehr hat die Gletscherschmelze menschliche Überreste im Wallis freigelegt. Laut den Behörden handelt es sich um zwei Belgier, die seit 1992 vermisst wurden.
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Gefährliches Wallis: In den Walliser Alpen ereignen sich mit Abstand die meisten tödlichen Bergsportunfälle der Schweiz. Wie hier am Triftgletscher.
imago
Das Abschmelzen der Gletscher gibt längst nicht nur Stein und Geröll frei. «Personen, die seit mehreren Jahrzehnten als vermisst gelten, werden regelmässig seit dem Klimawandel durch die schwindenden Gletscher freigegeben», schrieb die Kantonspolizei Wallis bereits 2017. Damals war ein über 75 Jahre lang vermisstes Ehepaar aus dem schmelzenden Tsanfleurongletscher geborgen worden.
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Jüngst ereignete sich ein ähnlicher Fall. Am 26. Juli entdeckte ein Wanderer auf dem Triftgletscher im Kanton Wallis menschliche Überreste. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, handelt es sich um zwei belgische Wanderer, die seit 34 Jahren vermisst wurden.
Auf die Meldung des Wanderers folgte eine Bergungsaktion. Die Überreste wurden zur Identifizierung in das Institut für Rechtsmedizin des Spitals Wallis in Sitten gebracht. Ein DNA-Test ergab, dass es sich um zwei belgische Staatsangehörige handelt, die zum Zeitpunkt ihres Verschwindens 39 und 41 Jahre alt waren.
Nur ein Rucksack gefunden
Wie die belgische Zeitung «Het Laatste Nieuws» berichtet, war das Wanderduo am 4. September 1992 von der Weissmieshütte auf 2726 Höhenmetern in Richtung Almagellerhütte aufgebrochen. Die Route führt über den Gipfel des Weissmies, der auf 4017 m ü. M. liegt. Doch die Wetterbedingungen waren schlecht, und die beiden Wanderer sollten ihr Ziel nie erreichen. Es folgten mehrere Suchaktionen, doch mehr als ein Rucksack war nicht auffindbar – bis zum Sommer dieses Jahres.
Anzahl und geografische Verteilung solcher Leichenfunde werden nicht erfasst, wie die Walliser Polizei auf Anfrage mitteilt. Aber laut der Bergnotfallstatistik 2025 des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) sind die Walliser Alpen mit Abstand die gefährlichste Gebirgsregion der Schweiz. Hier ereignen sich 38 Prozent aller tödlichen Bergsportunfälle – es folgen die Berner Alpen mit 16 Prozent.
Wer sich durch die Medienmitteilungen der Polizei Wallis arbeitet, versteht schnell, dass Knochenfunde von Menschen, die seit Jahrzehnten vermisst werden, keine Seltenheit sind. «Durch den Rückgang der Gletscher kommt es immer wieder vor, dass die sterblichen Überreste von Menschen zum Vorschein kommen, die bereits vor mehreren Jahrzehnten in den Bergen verschwunden sind», vermerkt die Polizei unter jeder dieser Mitteilungen. Eine Erinnerung daran, was hier oben der Lauf der Dinge ist.

2017 wurden die Überreste von Schuhmacher Marcelin Dumoulin und seiner Frau Francine auf einer Höhe von 2615 Metern geborgen. Neben den Leichen fand man verwitterte Bergschuhe, die 75 Jahre lang von Eis umschlossen waren.
Kantonspolizei Wallis
75 Jahre im Gletscher gefangen
Im Oktober 2025 hatten Alpinisten auf dem Gletscher des Obergabelhorns Knochen gefunden. Laut den Ermittlungen handelt es sich um einen Schweizer, der seit 1994 vermisst worden war.
2023 wurden zwei weitere Leichenfunde gemeldet. Unter ihnen ein Deutscher, der in der Region Avouillons geborgen wurde und seit 2016 vermisst worden war. Im Juli 2023 fand man Überreste auf dem Theodulgletscher in Zermatt. Die Gerichtsmedizin identifizierte einen seit 1986 vermissten 38-jährigen deutschen Alpinisten. Ganze 37 Jahre liegen zwischen seinem Verschwinden und der Bergungsaktion.
Der wohl aufsehenerregendste Fall ereignete sich im Juli 2017, als ein Pistenbully auf dem Tsanfleurongletscher Überreste eines seit 1942 vermissten Paares entdeckte. Auf den Polizeifotos sind verwitterte Bergschuhe zu sehen, eine Taschenuhr und ein durch die Jahre und die Kälte schwärzlich angelaufenes Buch. Auch der schwarze Haarschopf der Frau war noch erkennbar, wie die Deutsche Presse-Agentur damals mitteilte. Bei sogenannten Gletscher- oder Permafrostleichen, die seit dem Tod permanent gefroren waren, bleiben Knochen, Haare und Nägel oft gut erhalten.
DNA-Analysen ergaben, dass es sich um den Schuhmacher Marcelin Dumoulin, zum Zeitpunkt des Unglücks 40 Jahre alt, und seine Ehefrau Francine Dumoulin, damals 37, handelte. Sie waren gemeinsam aufgebrochen, um die Tiere auf der Alp zu füttern. 75 Jahre lang war das Paar im Gletscher eingefroren.



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