Luxus mit Kompromissen: DS No. 7 zwischen betörendem Innenraum und störenden Nebengeräuschen
Während der Antrieb mit hoher Effizienz und Langstreckenreichweite punktet, torpedieren quietschende Eco-Reifen und unflexible Sitze den Premiumanspruch – der DS No. 7 zeigt, wie nah Luxus und Frust im Stellantis-SUV beieinanderliegen.
Simon Tottoli 6 Leseminuten

Der DS No. 7 erscheint in einer schwierigen Phase für die Marke und soll die eingebrochenen Verkäufe wieder ankurbeln.
PD
Es erschien wie ein logischer Schritt: Statt nur eine höherwertige Ausstattungslinie von Citroën wurde das Kürzel DS (ein Erbe des legendären Modells aus den 1950er Jahren) ab 2015 zur individuellen Marke. Doch DS tut sich bis heute schwer – und die Konkurrenz im Premiumsegment hat nicht abgenommen. Ganz im Gegenteil: Neben den längst im Premiummarkt etablierten deutschen Herstellern dringen auch immer mehr Asiaten in diesen vor.
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Die DS-Zulassungszahlen gingen in letzter Zeit nochmals deutlich zurück – laut der European Automobile Manufacturers’ Association (Acea) brachen sie 2025 um 22,5 Prozent auf nur noch 29 042 Fahrzeuge ein. Da auch der DS-Mutterkonzern Stellantis in Schieflage geraten ist, machten Gerüchte die Runde, die Marke werde wieder eingestampft. Doch so schlimm kommt es zumindest vorläufig nicht. DS wird zwar in die Geschäftseinheit von Citroën integriert, bleibt nach aussen hin aber eigenständig.
Zu dieser Eigenständigkeit gehören auch eigene neue Modelle. Nach dem im Herbst 2025 eingeführten DS No. 8 kommt mit dem DS No. 7 jetzt ein besonders wichtiges dazu. Im Gegensatz zum Fliessheck-Crossover «Numéro huit», mit dem die Marke in Europa erstmals das Segment der Luxuslimousinen bedient, handelt es sich bei «Numéro sept» um einen Nachfolger: Er löst den seit 2017 angebotenen DS 7 ab – und damit den Bestseller von DS, der rund die Hälfte aller Verkäufe ausmachte.

Mit einer Länge von 4,66 Metern siedelt sich der DS No. 7 wie sein Vorgänger zwischen dem C- und dem D-Segment an.
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Gestrafftes Antriebsportfolio
Während der exotische DS No. 8 nur vollelektrisch fährt, bieten die Franzosen den No. 7 auch als Mildhybrid an. Im Vergleich mit dem Vorgänger wurde das Antriebsportfolio jedoch arg gestrafft. Dass es keinen Dieselantrieb mehr gibt, ist dem Zeitgeist geschuldet. Aber auch ein Plug-in-Hybrid wird nicht angeboten, was in Anbetracht der Plattform irritiert. Schliesslich steht der DS No. 7 wie seine Konzernbrüder Jeep Compass, Opel Grandland und Peugeot 3008 auf derselben Baukasten-Plattform – und diese Modelle gibt es allesamt als Plug-in-Hybride.
So muss es im DS No. 7 vorwiegend der Elektroantrieb richten. Denn der Mildhybrid (in der Schweiz ab 42 900 Franken erhältlich) scheint für dieses Auto keine passende Option zu sein. Mit seinen 107 kW (145 PS) schickt er nicht nur wenig Leistung an die Vorderräder, sondern klingt durch den 1,2-Liter-Dreizylinder auch noch alles andere als luxuriös. Im gut gedämmten Innenraum hört man ihn nur gedämpft, dafür stört das Gepfeife des kleinen Elektromotors umso mehr. Da nützt auch die bei den besseren Ausstattungslinien serienmässige Akustikverglasung nichts.
Der von den Stellantis-Marken schon länger eingesetzte Mildhybrid wurde zwar nochmals gründlich überarbeitet und ermöglicht für seine knappe Leistung überraschend gute Fahrleistungen (0 bis 100 km/h in 10,4 Sekunden, Spitze 201 km/h). Doch erst mit dem leisen Elektroantrieb ergibt dieses Auto richtig Sinn. DS bezeichnet das 4,66 Meter lange SUV höchstselbst als komfortabelsten Vertreter in seinem Segment, wozu penetrante Antriebsgeräusche einfach nicht passen wollen.

Die Neuauflage des Bestsellers von DS gibt es nicht mehr als Plug-in-Hybrid, sondern nur noch vollelektrisch oder als Mildhybridvariante.
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Langstreckentaugliche Reichweite
Während es vom DS No. 7 mit Verbrenner nur die besagte eine Mildhybridversion gibt, haben Elektrointeressenten gleich drei Optionen zur Auswahl: den E-Tense Standard Range mit Frontantrieb, 230 PS und 538 Kilometern elektrischer Reichweite (ab 51 900 Franken), den E-Tense Long Range ebenfalls mit Frontantrieb, aber 245 PS und 740 Kilometern Reichweite (ab 59 900 Franken) sowie den E-Tense 4×4 Long Range mit 350 PS und 678 Kilometern Reichweite (ab 64 500 Franken).
Für eine erste Ausfahrt stand neben dem Mildhybrid auch ein E-Tense Long Range mit Frontantrieb zur Verfügung. Dessen Batterie mit Nickel-Mangan-Kobalt-Zellchemie (NMC) bietet eine nutzbare Kapazität von 97,2 kWh, wobei die Reichweite ausstattungsabhängig geringer ausfällt als die versprochenen 740 Kilometer. Für die zweitbeste Version Étoile (ab 65 400 Franken) werden noch 704 Kilometer angegeben. Die nur während des ersten Verkaufsjahres zum Preis ab 70 600 Franken angebotene Topausführung La Première soll laut WLTP 684 Kilometer schaffen.
Das sind immer noch gute Werte, und obwohl der Durchschnittsverbrauch von 19,1 kWh auf der Testfahrt mit einem DS No. 7 E-Tense Long Range Étoile 2 kWh über dem angegebenen WLTP-Wert lag, darf der im italienischen Stellantis-Werk Melfi gebaute Franzose als langstreckentauglich taxiert werden. Dazu trägt auch der hohe Fahrkomfort durch die sänftenartige Federung bei.

Im Interieur setzt der DS No. 7 voll auf Luxus – zumindest in den höherwertigen Versionen.
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Ab der Ausstattung Étoile wird der Komfort serienmässig durch die «DS Active Scan Suspension» gesteigert. Im Fahrmodus Comfort scannt eine Kamera die Strasse und passt die Einstellung der adaptiven Dämpfer in Millisekunden an. So sollen Schlaglöcher oder Bodenwellen ihren Schrecken verlieren. Der spürbare Effekt fällt indes nicht stark aus, denn der DS No. 7 ist selbst im Fahrmodus Sport dem Komfort verpflichtet. Trotz passablen Fahrleistungen (7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h) und einer ausreichend direkten Lenkung mit guter Rückmeldung ist Dynamik definitiv keine Paradedisziplin.
Auffallend leise – ausser die Reifen
Das zeigt sich auch bei der Wahl der Erstausrüsterreifen. Der Michelin e.Primacy hat in gängigen Reifentests mit ausgezeichneten Noten bei Effizienz und Nachhaltigkeit überzeugt, kam beim Handling aber nie über ein «befriedigend» hinaus. Im elektrischen DS No. 7 quittierten sie zügige Kurvenfahrten mit lautem Quietschen, was dessen Eignung als sportliches Fahrzeug weiter einschränkt.
Bei normaler Fahrweise hingegen beeindrucken sowohl Auto als auch Reifen mit einer enormen Laufruhe. Vor allem gegenüber der Mildhybridversion wirkt der DS No. 7 E-Tense wie eine andächtige Kathedrale auf Rädern. Vom hier offenbar noch besser gedämmten Antrieb ist sozusagen nichts zu hören, und auch die Abroll- und Windgeräusche dringen selbst bei hohem Tempo auf der Autobahn sehr dezent in den Innenraum.

An den Vordersitzen ist ein Warmluftföhn installiert, der an kalten Tagen den Nacken verwöhnt.
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Dieser passt mit seiner Aufmachung bestens zum hohen Komfortniveau. Wie schon im Technikbruder DS No. 8 gefällt das Interieur mit einer grösstenteils hochwertigen Materialauswahl, guter Verarbeitung und ausstattungsabhängig vielen netten Details wie Echtholzeinlagen, Nackenföhn oder einem Focal-Soundsystem inklusive Hochtöner im Dachhimmel.
Wer das Soundsystem bestellt (Serie bei La Première), kann zwar kein Reserverad haben, dafür bleibt das gute Kofferraumvolumen mit 560 bis 1570 Litern unangetastet. Das Platzangebot vorne ist ebenfalls gut, hinten stossen Grossgewachsene etwas zu schnell ans Dach. Gegen 1000 Franken Aufpreis besteht dieses hauptsächlich aus einem grossen Panoramaglas. Es lässt sich allerdings weder elektrochromatisch abdunkeln, noch gibt es einen textilen Sonnenschutz.
Viel Luxus mit vielen Eigenheiten
Obschon das Glas selbstredend getönt und wärmeisoliert ist, steht dieser Umstand sinnbildlich für das ganze Auto. Es will mit betörendem Luxus begeistern, erfordert da und dort aber gewisse Kompromisse. Für die Vordersitze würde man sich zum Beispiel eine ausziehbare Oberschenkelauflage wünschen, weil die Sitzfläche etwas zu kurz ausfällt. Aber auch eine solche ist nicht erhältlich.

Im Fond gibt es ebenfalls edle Materialien und für Erwachsene genug Platz. Das optionale Glaspanoramadach lässt sich nicht abdunkeln.
PD
Gleichzeitig werden serienmässig oder optional Features geboten, die in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich sind. Dazu zählen nicht nur die besagte Akustikverglasung, das kamerabasierte Aktivfahrwerk oder der Nackenwärmer, sondern auch ein Nachtsichtsystem mit Infrarottechnologie, Nappaleder sowie ein erweitertes Head-up-Display. Damit lässt sich der DS No. 7 luxuriöser ausstaffieren als manch anderes Premiummodell.
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Etwas veraltet wirkt im Vergleich mit einigen Mitbewerbern die 400-Volt-Architektur des Antriebs. Beträgt die Ladeleistung bei der Konkurrenz dank 800-Volt-Technologie oft weit über 200 kW, erreicht der DS No. 7 E-Tense maximal 160 kW. Zwar bleibt er bei der Ladezeit auf 80 Prozent am Schnelllader noch unter der wichtigen halben Stunde (laut Datenblatt sind es 27 Minuten), doch der Wert gilt für den Ausgangsladestand von 20 Prozent, nicht wie sonst üblich 10 Prozent. Hier muss DS also einen kleinen Etikettenschwindel betreiben.
Allen Unkenrufen zum Trotz ist diese nicht mehr ganz zeitgemässe Stellantis-Technik aber nur bedingt ein Kaufhindernis. Der effiziente Antrieb hinterlässt unter dem Strich – wie das ganze Auto – einen überzeugenden Eindruck. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis des Fahrzeugs ist hervorragend. Die verschiedenen Eigenheiten des DS No. 7 (zu ihnen gehört auch das zwar übersichtliche und funktionsreiche, aber leider etwas langsam reagierende Infotainmentsystem) lassen sich bei so viel Luxus jedenfalls gut verschmerzen.

Unabhängig von Antrieb und Ausstattung passen immer 560 bis 1570 Liter Gepäckvolumen ins Heck.
PD
Die Testfahrt wurde von DS unterstützt.




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