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International – News & Hintergründe zum Ausland | NZZ Nachrichten · Aug 21, 2026

Die USA eskortieren Schiffe durch die Strasse von Hormuz: Iran verliert die absolute Kontrolle über die Meerenge

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Rewert Hoffer · Neue Zürcher Zeitung

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Die USA eskortieren Schiffe durch die Strasse von Hormuz: Iran verliert die absolute Kontrolle über die Meerenge

Von der amerikanischen Marine beschützt, transportieren Tanker derzeit täglich mehrere Millionen Fässer Rohöl durch den Wasserweg. Der Geleitschutz ist Teil eines amerikanischen Strategiewechsels im Kampf gegen Iran.

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Nicht ganz geschlossen: Einige Tanker werden von den USA durch die Strasse von Hormuz geleitet. Bild aufgenommen im April 2026.

Nicht ganz geschlossen: Einige Tanker werden von den USA durch die Strasse von Hormuz geleitet. Bild aufgenommen im April 2026.

Shady Alassar / Imago

Der neu ernannte Sekretär des iranischen Rats für nationale Sicherheit gab sich vor kurzem noch siegessicher: «Solange Amerika sein Verhalten nicht ändert und Irans Konditionen nicht akzeptiert, wird die Strasse von Hormuz geschlossen bleiben», sagte Mohsen Rezai vergangene Woche. Doch es ist fraglich, wie viel Entscheidungsgewalt Teheran über die Meerenge noch hat.

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Denn die USA eskortieren seit Mai jede Nacht mehrere Öltanker durch die südliche Route entlang der Küste von Oman. Gemäss dem Nachrichtenportal «Axios» handelt es sich um durchschnittlich fünfzehn bis zwanzig Schiffe pro Tag, die im Schutz der Dunkelheit das maritime Nadelöhr passieren. Bewacht werden sie dabei von mehreren Kriegsschiffen, dem Flugzeugträger «George Washington», Kampfjets und Helikoptern.

Laut dem amerikanischen Energieminister Chris Wright passieren derzeit täglich rund neun Millionen Fässer Rohöl den Wasserweg. Dies entspreche etwa der Hälfte des täglich verschifften Öls vor Beginn des Iran-Kriegs. Henning Gloystein von der Eurasia Group, einer Beratungsfirma für Geopolitik, hält diese Zahl nicht für gänzlich aus der Luft gegriffen: «Momentan gelangen fünf bis zehn Millionen Fässer Erdöl pro Tag durch die omanischen Gewässer.»

So funktioniert der amerikanische Geleitschutz

Reedereien, die entlang der omanischen Route die Strasse von Hormuz passieren wollen, könnten die amerikanische Marine kontaktieren, berichtet der Branchenkenner Gloystein. Daraufhin erhielten die Schiffe einen speziellen Zeitpunkt und Koordinaten, zu dem sie mit abgeschalteter Satellitenkommunikation fahren. In diesem Zeitfenster und auf dieser bestimmten Route fahren die Schiffe dann unter dem Flugabwehrschirm der amerikanischen Marine.

Die Eskorte der USA ist aber nicht wasserdicht. Seit Anfang Juni hat Iran mindestens 15 Schiffe beschossen, die die südliche Route genommen haben. Donald Trumps Ankündigung, die USA seien in voller Kontrolle des Wasserweges, ist daher übertrieben. Doch gleichzeitig zeigen die Durchfahrten, wie sich der iranische Würgegriff in der Strasse von Hormuz gelockert hat.

Das transportierte Volumen schwankt. An einigen Tagen kommen laut Henning Gloystein nur vier oder fünf Tanker durch, die zwischen einer halben und einer Million Fässer Rohöl geladen haben, an anderen sind es mehr. «Das ist keine langfristige Lösung», sagt der Rohstoffexperte. «Aber es ist einer der Gründe dafür, warum die Ölpreise trotz den gescheiterten Verhandlungen nicht weiter in die Höhe geschossen sind.»

Wie lange können die USA die Eskorten durchführen?

Dem amerikanischen Geleitschutz ist die Zerstörung von iranischen Radaranlagen entlang der Küste vorausgegangen. Diese hatten die USA in den letzten Tagen ihrer Bombenkampagne ins Visier genommen. Ohne Radar können iranische Raketen ihre Ziele nicht mehr anvisieren. Die nächtlichen Eskorten deuten darauf hin, dass die USA Iran nicht zutrauen, in der Dunkelheit Ziele zu identifizieren.

Während die USA die stationären Radaranlagen recht einfach zerstören können, verfügt Iran auch über mobile Radaranlagen, die sehr viel schwieriger zu orten sind. Mit diesen ist es für die iranischen Streitkräfte immer noch möglich, Schiffe zu attackieren.

Die USA dürfte es teuer zu stehen kommen, die benötigten Kriegsschiffe auf lange Sicht im Persischen Golf patrouillieren zu lassen. Eine wichtige Marinebasis der amerikanischen Streitkräfte in Bahrain wurde durch iranische Angriffe stark beschädigt. Laut der «New York Times» müssen Transportschiffe für die Versorgung der Zerstörer und Flugabwehrschiffe jetzt von der britischen Insel Diego Garcia im Süden Indiens ablegen. Die Fahrt bis in den Golf von Oman dauert von dort rund fünf Tage.

Dennoch: Die amerikanische Marine verfüge über genügend Schiffe, um eine solche Mission über einen sehr langen Zeitraum durchzuführen, sagt ein Fregattenkapitän der deutschen Marine im Gespräch, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Der amerikanische Flugzeugträger «George Washington» unterstützt den Geleitzug entlang der omanischen Küste.

Der amerikanische Flugzeugträger «George Washington» unterstützt den Geleitzug entlang der omanischen Küste.

U.S. Navy via Reuters

Washington erhöht den wirtschaftlichen Druck

Die Eskorten sind Teil eines Strategiewechsels, den die USA in ihrem Kampf gegen Iran vorgenommen haben. Statt Bombardierungen verschärft Washington jetzt zusätzlich zur Seeblockade den wirtschaftlichen Druck. Am Donnerstag verkündete Donald Trump den «ökonomischen D-Day» gegen das Regime in Teheran. Laut dem amerikanischen Präsidenten wird jedes Land, das Iran eine «Lebensader» zur Verfügung stellt, mit heftigen wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen müssen.

Beobachter gehen davon aus, dass die USA scharfe Sanktionen beschliessen werden, die auf die Handelspartner Irans abzielen. Finanzminister Scott Bessent kündigte an, am Montag einen genauen Plan zu enthüllen, wie die USA Iran noch weiter ökonomisch isolieren würden.

Doch es bleibt fraglich, inwieweit Washington wirklich gegen den wichtigsten Handelspartner Teherans, China, vorgehen kann. Peking kauft rund 80 Prozent des iranischen Rohöls, ist aber gleichzeitig auch ein wichtiger Lieferant für seltene Erden an die USA. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington erklärte bereits, dass «Sanktionen und Druck» nicht zur Lösung der «Iran-Frage» beitrügen. Sollte Washington China wegen der Handelsverbindungen nach Iran bestrafen, könnte sich der Wirtschaftskrieg auf die ganze Welt ausweiten.

5 Kommentare

Werner Haidenthaler

1 Empfehlung

Verhandeln wäre besser, denn Iran wird reagieren müssen und dann überspringen wir mindestens zwei Eskalationsstufen.

Gerhard Treiber

1 Empfehlung

Die Strategie ist nicht ohne Risiko. Öl (u.a. für Europa) durchzuschleusen ist eine Sache, aber: Ab 1937/38 haben die USA schon mal eine Öl-/Handelsblockade gegen ein expansionistisches Japan verhängt, das damals zu 80% von diesen Importen abhängig war. Japan hatte nur die Wahl Rückzug oder Krieg (1941 mit Pearl Harbour entschieden). Könnte jetzt in letzter Konsequenz erneut bedeuten, dass es zur Konfrontation China-USA kommt, wenn Iran kein Öl mehr nach China liefern kann. Iran selbst wird seine Bevölkerung eher hungern lassen, als nachgeben. China kann iranisches Öl nur teilweise kompensieren, Russland reicht aktuell nicht aus.

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