Die neuesten Entwicklungen
Lage im Gazastreifen: Israel hält an gezielten Tötungen von Beteiligten am Hamas-Massaker fest +++ Israel räumt Gelände des UN-Palästinenserhilfswerks
Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas ist brüchig. Bis zu einem nachhaltigen Frieden im Nahen Osten ist es ein weiter Weg. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
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Knesset-Mitglied Zvi Sukkot zerstörte ein palästinensisches Denkmal.
Erik Marmor / Getty Images Europe
Die neuesten Entwicklungen:
- Die israelische Armee will an den gezielten Tötungen von Beteiligten am Hamas-Massaker vor knapp drei Jahren in Israel festhalten. «Die Jagd auf die Terroristen vom 7. Oktober wird fortgesetzt», sagte der israelische Militärchef Ejal Zamir am Dienstag (25. 8.) laut Armeeangaben. «Jeder, der bei dem Massaker mitgemacht hat, wird auf der Flucht sein, bis er ausgeschaltet wird.» Der von den USA geführte Gaza-Friedensrat forderte in einem jüngst veröffentlichten Plan eine Einstellung gezielter Angriffe der israelischen Armee auf Palästinenser in dem Küstenstreifen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu lehnt diesen Plan des sogenannten Board of Peace ab.
- Israel hat laut offiziellen Angaben am Dienstag (25. 8.) mit der Räumung eines Geländes des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA) in Ost-Jerusalem begonnen. Dieses wurde bisher als Ausbildungszentrum genutzt. «Der Staat Israel wird es einer Organisation, deren Mitarbeiter in Terror und das Massaker vom 7. Oktober verwickelt waren, nicht gestatten, auf seinem Staatsgebiet tätig zu sein, und wird mit allen Mitteln gegen sie vorgehen», sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu laut einer Mitteilung seines Büros. Der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir veröffentlichte ein Foto des Ausbildungszentrums, auf dem eine über dem Gebäude gehisste israelische Flagge zu sehen ist.
- Bei israelischen Luftangriffen und Schusswechseln sind am Montag (24. 8.) im Gazastreifen zwei Kinder und mindestens zwei weitere Palästinenser ums Leben gekommen. Das teilen Gesundheitsbehörden in dem Gebiet mit. Sanitäter und Angehörige sagten, die 10-jährige Amal Abukhater sei von einer Kugel in den Rücken getroffen worden, während sie im Zelt ihrer Familie in der südlichen Stadt Khan Yunis im Gazastreifen ass. Der Beschuss sei von israelischen Streitkräften im Osten gekommen, fügten sie hinzu. Das israelische Militär erklärte, es habe keine Kenntnis von einem Vorfall, an dem ein Mädchen beteiligt gewesen sei. Ein vierjähriger Junge und ein weiterer Palästinenser wurden bei separaten israelischen Luftangriffen auf ein Haus im Flüchtlingslager Bureij und auf eine Strasse in Khan Yunis getötet, wie Sanitäter mitteilten. Zuvor am Montag hatte ein weiterer israelischer Luftangriff eine Person getötet und eine weitere verletzt, als dieser ein Zelt in Deir al-Balah im zentralen Gazastreifen traf. Das israelische Militär erklärte, der Angriff in Deir al-Balah habe auf einen Hamas-Kämpfer abgezielt, ging jedoch nicht konkret auf Fragen zu den beiden anderen gemeldeten Angriffen ein.
- Ein ultranationalistischer israelischer Abgeordneter hat in einem palästinensischen Dorf ein Denkmal mit einem Vorschlaghammer zerstört. Videoaufnahmen des Vorfalls in Madama im nördlichen Westjordanland am Dienstag (25. 8.) zeigen, wie das Knesset-Mitglied Zvi Sukkot und weitere Personen dabei von israelischen Soldaten geschützt worden sind. Sukkot gehört der Partei Religiöser Zionismus an, die zu den rechtsextremen Kräften in der Koalition des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu zählt. Laut palästinensischen Angaben hat es sich um ein Denkmal für «Märtyrer» aus dem Dorf gehandelt. Mit diesem Begriff werden Palästinenser bezeichnet, die im Konflikt mit Israel getötet worden sind – etwa bei israelischen Razzien und Konfrontationen, aber auch bei Anschlägen auf Israeli.
- Bei zwei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen am Sonntag (23. 8.) kamen laut den palästinensischen Gesundheitsbehörden mindestens zwei Personen ums Leben, darunter ein vierjähriger Junge. Sieben weitere seien verletzt worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Einer der Angriffe traf ein Gebäude in der Stadt Zawayda. Die israelische Armee habe die Eigentümer der Immobilie zuvor aufgefordert, das Gebiet zu verlassen, wie Anwohner berichteten. Dennoch seien Personen von Trümmern und Splittern getroffen worden. Der zweite Luftangriff soll sich im Flüchtlingslager Nuseirat ereignet haben. Das israelische Militär erklärte, es untersuche beide Angriffe. Laut den palästinensischen Gesundheitsbehörden seien seit der vereinbarten Waffenruhe im Oktober 2025 mehr als 1280 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet worden. Das israelische Militär teilt mit, in dem Zeitraum seien vier israelische Soldaten getötet worden.
- Im besetzten Westjordanland sind offenbar zwei minderjährige Palästinenser von der israelischen Armee getötet worden.
In Sair bei Hebron ist laut der Deutschen Presse-Agentur ein 17-Jähriger nach Auseinandersetzungen zwischen Siedlern und Palästinensern erschossen worden. Die israelische Armee teilte am Freitag (21. 8.) mit, palästinensische Einwohner hätten Steine nach in das Dorf eingedrungenen Siedlern geworfen, woraufhin eine israelische Sicherheitskraft geschossen habe. Beim zweiten Vorfall ist laut Angaben des palästinensischen Rettungsdienstes Roter Halbmond vom Sonntag (23. 8.) ein 14-jähriger Junge bei einem israelischen Militäreinsatz im Flüchtlingsviertel Askar durch Schüsse tödlich verletzt worden. Bei einer Messerattacke im südlichen Westjordanland sei zudem ein junger Israeli verletzt worden. Videoaufnahmen sollen zeigen, wie ein mutmasslich palästinensischer Angreifer mehrfach von hinten auf ihn einstach. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. - Israel hat einer internationalen Stabilisierungstruppe keinen Zugang in den Gazastreifen gewährt. Das teilt Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Donnerstag (20. 8.) mit. Damit widerspricht Netanyahus Büro übereinstimmenden israelischen Medienberichten vom vergangenen Monat, laut denen ein Teil der Stabilisierungstruppe in einem begrenzten Bereich des Küstenstreifens ihre Arbeit aufnehmen könne. «Israel hat klargestellt, dass es keinen Wiederaufbau im Gazastreifen geben wird, bevor die Hamas vollständig entwaffnet ist», teilte Netanyahu laut seinem Büro mit.
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Inhaltsverzeichnis
Wie ist die gegenwärtige Lage im Konflikt zwischen Israel und der Hamas?
Seit Oktober 2025 gilt nach zweijährigem Krieg ein formeller Waffenstillstand in Gaza. Israel und die islamistische Hamas stimmten einem von den USA vorgelegten «Friedensplan» zu. Dessen erste Phase beinhaltete neben dem Ende der Kämpfe die Rückgabe von Geiseln und Gefangenen sowie den teilweisen Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen. Zudem soll der Zugang für humanitäre Hilfe nach Gaza erleichtert werden. Die israelische Armee zog sich seither hinter vereinbarte Linien zurück, und die Hamas übergab bis Ende Januar alle lebenden und toten Geiseln. Israel liess zudem palästinensische Gefangene frei.
Die Lage bleibt aber fragil. Immer wieder kommt es zu Feuergefechten. Israel fliegt weiterhin Luftangriffe als Reaktion auf angebliche Verstösse gegen die Waffenruhe in Gaza. Laut Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden zwischen Beginn des Waffenstillstands und Ende Dezember 2025 mehr als 400 Palästinenser getötet, davon überwiegend Zivilisten. Die Uno-Kinderhilfsorganisation Unicef teilte im Januar mit, seit dem Waffenstillstand seien mehr als 100 Kinder in Gaza getötet worden. Auf israelischer Seite wurden laut der Nachrichtenagentur Reuters bis Mitte Januar drei Soldaten getötet.
Dennoch haben die USA am 14. Januar angekündigt, dass der Friedensplan in die zweite Phase starten soll. Ebenso wurden die Mitglieder einer Übergangsregierung aus palästinensischen Technokraten bekanntgegeben. Das Komitee soll den Gazastreifen vorübergehend verwalten. Diese Technokratenregierung soll von einem «Friedensrat» unter Trumps Leitung beaufsichtigt und unterstützt werden. Ob damit der Übergang zur zweiten Phase gelingt, ist ungewiss. Viele Punkte, etwa die Entwaffnung der Hamas oder der Einsatz einer internationalen Stabilisierungstruppe, sind noch ungeklärt.

Der amerikanische Präsident Donald Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu trafen sich Ende Dezember 2025 in Florida, um die Implementierung der zweiten Phase des Friedensplans zu besprechen.
Amos Ben Gershom/Israel Gpo / Imago
Wie kam es zum Waffenstillstand?
Im Herbst 2025 kam es zu indirekten, von Ägypten, Katar, der Türkei und den USA vermittelten Gesprächen zwischen Israel und der Hamas. Am 10. Oktober 2025 trat nach intensiven Verhandlungen der Waffenstillstand in Kraft. Im November 2025 segnete der Uno-Sicherheitsrat die Vereinbarung ab.
Im Zentrum des Waffenstillstands steht ein von Donald Trump entwickelter 20-Punkte-Friedensplan. Der amerikanische Präsident und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu stellten den Plan erstmals im September 2025 im Weissen Haus vor.
Davor war der internationale Druck für einen Frieden im Nahen Osten war vor allem wegen der katastrophalen humanitären Lage in Gaza gestiegen. Nachdem Israel Anfang September Hamas-Vertreter in Katar bombardiert hatte, was den Interessen der USA und von deren Partnern in den arabischen Golfstaaten zuwiderlief, wurde Trump aktiv. Er setzte den Sondergesandten Steve Witkoff und seinen in der Golfregion vernetzten Schwiegersohn Jared Kushner als Chefverhandler ein. Sie konnten sowohl Israel als auch mehrere arabische und muslimische Staaten für den 20-Punkte-Plan gewinnen.
Was beinhaltet der 20-Punkte-Plan der USA?
Der Plan will den Krieg im Gazastreifen beenden sowie einen Rahmen für Frieden und eine politische Ordnung in Gaza schaffen. Im Rahmen des ersten Teils des Abkommens sollten unter anderem alle aus Israel entführten lebenden und toten Geiseln übergeben werden. Im nächsten Schritt soll die Hamas entwaffnet und der Gazastreifen wieder aufgebaut werden. Hamas-Mitglieder, die sich zu einer friedlichen Koexistenz mit Israel und zur Niederlegung ihrer Waffen verpflichten, sollen eine Amnestie erhalten. Wenn die Hamas alle ihre Waffen abgibt soll die israelische Armee sich laut Friedensrat vollständig aus dem Gaza-Streifen zurückziehen.
Die zweite Phase sieht zudem eine Übergangsregierung für Gaza und eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) vor, die im Gazastreifen für Ordnung sorgen soll. Ein internationaler «Friedensrat» soll unter Leitung von Donald Trump die Übergangsregierung beaufsichtigen. Die israelische Armee soll aus dem Grossteil des Gazastreifens abziehen und bislang gehaltene Gebiete schrittweise an die ISF übergeben. Noch ist allerdings unklar, welche Länder Truppen für die ISF zur Verfügung stellen werden. Auch die palästinensische Übergangsregierung sowie der «Friedensrat» haben ihre Arbeit noch nicht aufgenommen.
Wie aussichtsreich ist der Friedensplan?
Donald Trump hat bereits im Herbst den «ewigen Frieden» im Nahen Osten ausgerufen. Ob seine Pläne aber für eine nachhaltige Ruhe im Gazastreifen sorgen oder gar eine Lösung des jahrzehntealten und komplexen Nahostkonflikt vorantreiben können, ist bisher noch nicht abzusehen.
Das israelische Verteidigungsministerium hat mitgeteilt, dass Israel seine Truppen niemals vollständig aus dem Gazastreifen abziehen werde. Die israelische Regierung möchte zudem weiterhin die strategische Kontrolle über Gaza behalten, zum Beispiel durch Sicherheits- und Grenzkontrollen. Einflussreiche Minister der Regierung Netanyahu fordern längst eine Rückkehr zum Krieg, um die Hamas zu vernichten. Manche Vertreter der radikalen Siedlerbewegung sprechen sich auch für eine jüdische Besiedlung des Gazastreifens und die Vertreibung seiner Bewohner aus.

Angehörige der radikalen Siedlerbewegung versammeln sich im Dezember 2025 während einer Veranstaltung zur Unterstützung einer israelischen Übernahme des Gazastreifens auf einem Hügel mit Blick auf den Gazastreifen.
Maya Levin / AP
Die islamistische Hamas fordert derweil den vollständigen Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen und ein Ende der israelischen Blockade. Die Terrormiliz zeigte sich laut einem «Truth-Social»-Beitrag von Donald Trump am 31. Juli bereit, sich im Zeitraum der nächsten acht Monaten zu entwaffnen. Israel hat laut Ministerpräsident Benjamin Netanyahu dem Plan zur Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen hingegen nicht zugestimmt, da dieser einen teilweisen Abzug israelischer Truppen aus dem Gaza-Streifen vorsieht. Von israelischer Seite wird das Angebot der Hamas, ihre Waffen abzugeben, weitgehend als unglaubwürdig erachtet.
Laut Trumps Plan soll im Gazastreifen demnächst die im Januar bestimmte Übergangsregierung die Macht übernehmen. Sie besteht aus palästinensischen Experten und Wirtschaftsvertretern, die zuvor von Israel auf Sicherheitsrisiken hin geprüft wurden. Während die israelische Regierung die Übergangsregierung zwar akzeptierte, aber eher unterkühlt auf deren Einbestellung reagierte, weckte sie auf der palästinensischen Seite Hoffnung. Wann das Technokratenkomitee tatsächlich seine Arbeit aufnimmt, ist noch unklar.
Wie ist die humanitäre Lage in Gaza?
Der zweijährige Krieg hat im Gazastreifen für eine verheerende humanitäre Krise gesorgt. Die Infrastruktur im Gazastreifen ist durch die israelischen Militärschläge weitestgehend zerstört, das Gebiet liegt in Trümmern. Kein Ort im Küstengebiet ist vom Krieg verschont geblieben. Laut der deutschen Analysefirma Vertical52, die Satellitendaten auswertet, wurden in den vergangenen zwei Jahren 78 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen zerstört oder beschädigt. Der Wiederaufbau wird eine gigantische Herausforderung darstellen, etwa wegen Blindgängern und Tausenden Tonnen von Trümmern.
Durch den Krieg und die Blockierung von Essens- und Hilfslieferungen war die Versorgungslage insbesondere im Sommer 2025 katastrophal. Im August 2025 riefen von der Uno unterstützte internationale Experten eine Hungersnot für die Stadt Gaza und die umliegenden Gebiete aus.
Seit Beginn der Waffenruhe ist die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Gütern wieder angestiegen. Laut Berichten von Medien und Nichtregierungsorganisationen herrscht aber nach wie vor eine desolate humanitäre Lage. Die Mangelernährung, die Verbreitung von Krankheiten und das Ausmass der landwirtschaftlichen Zerstörung seien noch immer alarmierend hoch. Hinzu kommen Winterstürme und Starkregen, die bei der schlechten Versorgungslage verheerende Auswirkungen haben. Ein grosser Teil der Bevölkerung lebt in provisorischen Unterkünften. Laut dem Uno-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) bestehen immer noch Hindernisse für die Einfuhr von Hilfsgütern.
Warum ist der Konflikt im Nahen Osten wieder eskaliert?
Der Gaza-Krieg war von einem beispiellosen Massaker der Hamas und anderer extremistischer Organisationen am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Damals töteten die islamistischen Terroristen in Israel rund 1200 Menschen und verschleppten mehr als 250 Israeli in den Gazastreifen. Die israelische Armee lancierte umgehend Luftangriffe auf Hamas-Ziele und rückte später auch mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein.
In zwei verheerenden Kriegsjahren wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 71 000 Palästinenser im Gazastreifen getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Diese Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Ebenso unklar ist, wie viele Hamas-Kämpfer unter den Getöteten sind.
Auf israelischer Seite wurden zusätzlich zu den Opfern der Massaker vom 7. Oktober 2023 laut Angaben des israelischen Militärs bis Ende 2025 466 israelische Soldaten getötet. Zudem kommt es immer wieder zu tödlichen Anschlägen von Hamas-Terroristen. Weitere Israeli wurden durch Raketenangriffe Irans und der libanesischen Schiitenmiliz Hizbullah getötet, die mit der Hamas verbündet sind.
Mit Agenturmaterial









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