
Kommentar
Konservative Frauen, linke Männer – Meloni und Frederiksen sind die Taktgeber der Migrationspolitik, doch die Linke setzt lieber auf ihre eitlen Katastrophenkapitäne
Das konservativ-sozialdemokratische Power-Duo liefert in der Migrationspolitik, während andere nur versprechen. Von der Linken erhalten die beiden dafür keine Anerkennung, sondern Spott und Vorwürfe. Das hat Tradition.
3 Leseminuten

Italiens konservative Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nach ihrem Treffen mit Pedro Sánchez im April 2023. Mit ihrer restriktiven Migrationspolitik stösst sie die Linke vor den Kopf – politisch eigensinnige Frauen weckten immer wieder deren Zorn.
Reuters
Frauen bestimmen die Migrationspolitik in Europa. Die Sozialdemokratin Mette Frederiksen in Dänemark und die Konservative Giorgia Meloni in Italien sind das neue Power-Duo. Während der Ceuta-Krise konnten die beiden Ministerpräsidentinnen die Mehrheit der EU-Staaten für eine strikte Bekämpfung der illegalen Migration und für eine Auslagerung der Asylverfahren ins Ausland gewinnen: ein aussenpolitischer Erfolg.
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Und doch: Die Linke, die sich vordergründig seit Jahren für mehr Einfluss der Frauen in der Politik einsetzt, verweigert ihnen jegliche Anerkennung und Unterstützung – selbst ihrer Genossin aus dem Norden. Sozialisten aus Italien und Spanien werfen Frederiksen mangelnde Solidarität vor, und in den italienischen Medien wird Meloni regelmässig als Proletin verspottet. Stattdessen feiert die Linke lieber den Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon in Frankreich und den skandalumwitterten Pedro Sánchez in Spanien. Warum eigentlich?
Schettino der Migrationspolitik
Noch im Frühjahr versprach Sánchez bei der Abschlussveranstaltung der Global Progressive Mobilisation vor Tausenden linken Politikern in Barcelona: «Spanien ist eine Tochter der Migration und wird keine Mutter der Fremdenfeindlichkeit sein.» Er nutzte die Bühne, um auch die Legalisierung von einer halben Million Migranten zu verteidigen. Diese Art der Rhetorik und die Politik der offenen Grenzen gingen in den sozialen Netzwerken viral und trugen mit dazu bei, den Migrantensturm auf Ceuta auszulösen. Bittere Bilanz: 83 Tote, unzählige Verletzte, Vertreibung der Migranten durch Entzug von Wasser und Nahrung und am Schluss dennoch Tausende illegal Eingereiste.
Das Versprechen der offenen Migrationspolitik zerschellte ebenso hart am Felsen der Realität wie einst der Mittelmeerkreuzer «Costa Concordia». Und ebenso wie dessen Kapitän, der nach der Havarie sein Schiff verliess, reiste der aalglatte Spanier nach Ausbruch der Katastrophe in die Ferien. Sánchez ist der Francesco Schettino der Migrationspolitik.
Das hindert viele europäische Linke nicht daran, ihm weiterhin die Treue zu halten. Statt das Scheitern zu akzeptieren, flüchten sich viele lieber in eine antisemitische Verschwörungstheorie. Die USA, Israel und Marokko stünden hinter dem Ceuta-Sturm, um die Führungsfigur der sogenannten «Progressiven» schlecht aussehen zu lassen, suggerierte etwa der spanische Verkehrsminister.
Dabei gibt es durchaus Erfolgsmeldungen von der Migrationsfront: Dänemark vermeldete vergangenes Jahr einen historischen Tiefstand von nur 860 erfolgreichen Asylanträgen. Unter Meloni haben sich derweil die Ankünfte über die Mittelmeerroute gegenüber dem Vorjahr halbiert.
Konservative Frauen gelten als Verräterinnen
Doch Frauen, die sich nicht dem linken Mainstream beugen, konnten noch nie auf die Unterstützung der selbsternannten Feministen zählen. Als Margaret Thatcher es 1979 als erste Frau an die Spitze Grossbritanniens schaffte, übergossen Feministinnen sie mit giftiger Galle. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift «We want women’s rights – not a right-wing woman» («Wir wollen Frauenrechte, keine rechte Frau»). Rechte Männer sind schon schlimm genug, aber den politisch eigensinnigen Frauen hängt noch ein zusätzlicher Makel an: In den Augen ihrer linken Gegner sind sie Verräterinnen.
Der Aufstieg der migrationskritischen Frauen geht gegen den Trend. Fast nirgendwo finden linkspopulistische Politiker mehr Zuspruch als bei jungen Frauen – sie sind meist gut ausgebildet, haben aber schlechtbezahlte Jobs. 84 Prozent der 18- bis 29-jährigen New Yorkerinnen wählten Mamdani zum Bürgermeister – mehr als in jeder anderen grösseren demografischen Gruppe. Erstaunlicherweise ist diese Gruppe unter der Führungsmannschaft der Bewegung aber schlecht repräsentiert. Ihre Stars, Ocasio-Cortez und Mamdani in den USA, Sánchez, Mélenchon und Polanski in Europa, sind überwiegend Männer – es sind Männer mit bescheidenem Leistungsausweis und grossen Versprechen, die sie wahrscheinlich nie erfüllen können.
Meloni und Frederiksen verkörpern einen anderen Frauentyp als die Wählerinnen der Linkspopulisten. Beide ziehen Kinder gross, legen Wert auf die Familie, sind kulturell konservativ: In einer gemeinsamen Erklärung am 10. August schrieben sie: «Wir beide sind stolz auf das christliche kulturelle Erbe Europas und wollen es schützen.» Ihr Profil ist durchaus typisch. Mütter und verheiratete Frauen sind deutlich bürgerlicher als anders lebende Geschlechtsgenossinnen, wie verschiedene Studien zeigen. In den USA spricht man von einer «Marriage Gap». Es sind selbstbewusste Frauen, die gewohnt sind, selbst die Initiative zu ergreifen. Sie wissen längst: Auf die Versprechen eitler Kapitäne ist kein Verlass.
40 Kommentare
Marc Anderson
Denkt sie an Italia in der Nacht ?
Herald Rumi
6 Empfehlungen
Frauen wie Margaret Hilda Thatcher, Baroness Thatcher of Kesteven, langer Name, großartige Person, so etwas braucht Europa. Ist aber nicht zu erwarten. Europa schlaf weiter.




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