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Finanzen – News, Hintergründe und Analysen | NZZ Nachrichten · Aug 19, 2026

Die hohen Staatsschulden rücken an den Finanzmärkten in den Fokus. Die Illusion des billigen Geldes sei vorbei, sagt ein Anleihenexperte

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Michael Ferber · Neue Zürcher Zeitung

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Die hohen Staatsschulden rücken an den Finanzmärkten in den Fokus. Die Illusion des billigen Geldes sei vorbei, sagt ein Anleihenexperte

Für viele Staaten ist es in den letzten Wochen deutlich teurer geworden, Geld an den Anleihemärkten aufzunehmen. Die Renditen von dreissigjährigen US-Staatsanleihen haben den höchsten Stand seit 2007 erreicht. Was Sparer und Anleger daraus folgern können.

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Die hohen Ausgaben vieler Regierungen werden zunehmend zum Gesprächsthema bei den Akteuren an den Finanzmärkten.

Die hohen Ausgaben vieler Regierungen werden zunehmend zum Gesprächsthema bei den Akteuren an den Finanzmärkten.

Brendan McDermid / Reuters

Jahrelang gingen Regierungen davon aus, dass sie ihre Schulden problemlos an den Kapitalmärkten finanzieren könnten. Ultraniedrige Zinsen sorgten dafür, dass die Staaten eine sorglose Ausgabenpolitik betrieben – schliesslich kostete es kaum etwas, sich das Geld mittels Anleihen zu besorgen.

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Damit könnte es nun vorbei sein. Für viele Staaten ist es in den letzten Wochen deutlich teurer geworden, Kapital mittels Staatsanleihen aufzunehmen. Die Renditen von US-Bonds mit einer Laufzeit von dreissig Jahren stiegen Anfang dieser Woche auf bis zu 5,34 Prozent, das ist der höchste Stand seit 2007. Ende vergangenen Jahres stand die Rendite noch bei 4,84 Prozent.

Bei dreissigjährigen deutschen Bundesanleihen legten die Renditen bis auf 3,78 Prozent zu und lagen damit so hoch wie seit der Euro-Schuldenkrise im Jahr 2011 nicht mehr.

Im Fokus stehen derweil auch französische Staatsanleihen. Auch deren Renditen haben jüngst deutlich zugelegt. Für französische Staatspapiere mit dreissigjähriger Laufzeit stiegen diese in der laufenden Woche bis auf 4,9 Prozent. Für Aufsehen an den Finanzmärkten sorgte dabei die Tatsache, dass französische Staatsanleihen jüngst höher rentierten als italienische Titel. Am Mittwoch brachten zehnjährige französische Staatsanleihen eine Rendite von 4,11 Prozent, während italienische «nur» eine solche von 4,07 Prozent erreichten. Dies heisst, dass die Finanzmärkte Frankreich als schlechteren Schuldner einstufen als Italien und die negative Entwicklung bei den französischen Staatsfinanzen spiegeln.

Hinter den höheren Renditen von Staatsanleihen steckt aber noch deutlich mehr. Sie zeigen die Besorgnis auf über politische Entwicklungen und haben auch Folgen für die Aktienmärkte. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

1. Warum sind die Renditen von Staatsanleihen so stark gestiegen?

Als Gründe für die gestiegenen Renditen von Staatsanleihen nennen Finanzexperten ein Potpourri aus Gründen. Dazu gehören unter anderem die hohen Staatsschulden, gestiegene Inflationserwartungen, der starke Kapitalbedarf der US-Technologiekonzerne, der anhaltende Krieg in Iran sowie der hohe Ölpreis.

Daniel Farquet, der Leiter des Bereichs Asset Management bei der Walliser Kantonalbank, nennt die Ausgabenpolitik verschiedener Regierungen als einen der Hauptgründe für die jüngste Entwicklung.

Die USA haben allein in den ersten zehn Monaten des Fiskaljahres, also von Oktober 2025 bis Juli 2026, ein Defizit von 1800 Milliarden Dollar angehäuft, wie Daten des Finanzministeriums zeigen. Zudem stehen am 3. November Zwischenwahlen an. Es sei nicht davon auszugehen, dass die US-Regierung unter Präsident Donald Trump vorher einen Schwenk in Richtung einer verantwortungsvolleren Fiskalpolitik machen werde, sagt Farquet.

Als weiteres Negativbeispiel für mangelnde Ausgabendisziplin gilt Frankreich. Die Rating-Agentur Scope rechnet für die kommenden fünf Jahre mit einem durchschnittlichen Haushaltsdefizit in Frankreich von rund 5 Prozent pro Jahr. Das wäre der höchste Wert in der Euro-Zone, zusammen mit Belgien. Die Kosten für die Bekämpfung der jüngsten Waldbrände in der Region um Bordeaux und die Behebung der Schäden machten dabei keine Hoffnung, dass sich die fiskalische Lage verbessern könnte, sagt Farquet.

Als weiterer Grund für die höheren Renditen von Staatsanleihen gilt die jüngste Schwemme an Anleihenemissionen von US-Technologiekonzernen wie Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta oder Oracle. Damit wollen diese ihre immensen Ausgaben für künstliche Intelligenz (KI) finanzieren. Die Rating-Agentur Moody’s ging Anfang dieses Jahres davon aus, dass sich die Investitionen im Zusammenhang mit Rechenzentren in den kommenden fünf Jahren auf mindestens 3000 Milliarden Dollar belaufen dürften.

«Die vielen Anleiheemissionen von US-Technologiekonzernen haben am Kapitalmarkt eine neue Situation geschaffen», sagt Farquet. Das Angebot an Obligationen sei dadurch deutlich vergrössert worden, und die Tech-Konzerne seien als Schuldner zu Konkurrenten der Staaten geworden. Dies schlage sich in höheren Renditen der Anleihen nieder.

2. Welche Gefahren schafft dies?

Seit der grossen Finanzkrise von 2008 sei eine stete Erosion der Kreditqualität festzustellen, sagt René Hermann, Senior Partner beim Kreditspezialisten Independent Credit View (I-CV). Bei den Staaten komme nun weiterer Ausgabendruck für Rüstungsausgaben hinzu. Zudem verknappten die höheren Zinsen den Handlungsspielraum von Regierungen bei der Aufnahme und Refinanzierung von Schulden.

«Die Anleger befürchten wohl zu Recht, dass die Politiker Mühe dabei haben werden, die besorgniserregende Defizit- und Schuldenentwicklung unter Kontrolle zu bringen», sagt Hermann. So rechneten die Investoren mit einem hohen Angebot an Anleihen und schwächeren Kreditkennzahlen. Zudem erwarteten sie, dass die Schulden durch neue Steuern oder eine expansive Geldpolitik der Zentralbanken finanziert würden. Dies befeuere die Inflation.

«Im schlimmsten Fall droht eine Schuldenspirale», sagt der Anleihenexperte. Das Wirtschaftswachstum in einigen grossen Staaten sei heute schon zu gering, um die Schulden bei den derzeitigen Defiziten stabil zu halten. «Steigen die Zinsen weiter an, wird der Schuldendienst teurer und teurer und absorbiert Geld, das an anderen Orten im Staatshaushalt fehlt», sagt er.

3. Was heisst das für die Aktienmärkte?

Die hohen Renditen für Staatsanleihen bedeuten auch Gegenwind an den Aktienbörsen. Hier standen jüngst einmal mehr die hoch bewerteten US-Technologietitel im Fokus. Höhere Zinsen treffen sie hart, da sie ihre Investitionen verteuern.

Viele Investoren machen sich Sorgen, ob sich die gigantischen KI-Investitionen der Tech-Konzerne jemals lohnen werden. Zudem gebe es in China ebenfalls gute KI-Modelle, allerdings zu deutlich niedrigeren Preisen, sagt Farquet.

Derweil würden Anleihen für Investoren wieder attraktiver, sagt Hermann: «Je höher der sichere Zins wird, desto mehr muss eine Aktie für ihr Risiko bieten.»

Letztlich stellt sich die Frage, ob die gestiegenen Renditen von Staatsanleihen als eine Art Vorbote für eine erneute Staatsschulden- und Finanzkrise zu sehen sind.

«Noch nicht», sagt Hermann. Aber am Kapitalmarkt sei zu beobachten, dass die Sorgen über die hohe Staatsverschuldung stiegen. «Wir sehen nun, dass der Bondmarkt wieder begonnen hat, Staaten für hohe Defizite, Inflation und Untätigkeit zu disziplinieren», sagt er. Das sei noch keine Krise, aber eine neue Ausgangslage für Staaten, Unternehmen und Haushalte. Die «Illusion», dass Staaten davon ausgehen könnten, dass der Markt ihre Defizite günstig finanziere, sei nun vorbei.

10 Kommentare

Marc Anderson

30 Jahre zu über 5%, was wird ein US-Ei da wohl 2056 kosten .. 1$, das geht eigentlich. Falls es mehr Hühner gibt, weniger.

Roger Planzer

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"Die Illusion des billigen Geldes sei vorbei". Wieso "Illusion"? Es war keine Illusion. Das Geld war in den letzten Jahren unanständig billig.

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