Das sind die grössten Kostenfallen bei der Geldanlage in der Schweiz – und so kann man sie vermeiden
Bei Altersvorsorge und Vermögensaufbau nagt eine Vielzahl an Gebühren an der Rendite. Eine Übersicht über die grössten Kostentreiber.
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Kosten von Anlageprodukten und andere Gebühren schmälern die Nettorendite beim Vermögensaufbau.
Illustration Ida Götz, Pauline Martinet / NZZ
Privat für das Alter vorzusorgen, wird angesichts der steigenden Lebenserwartung immer wichtiger. Wer geduldig ist, Risiken nicht scheut, diversifiziert und die richtige Anlagestrategie wählt, wird dabei langfristig zumeist belohnt.
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Gerade Aktien haben dabei alle anderen Anlageklassen geschlagen. Dies zeigen die Ergebnisse des «Global Investment Returns Yearbook», das die Professoren Paul Marsh und Mike Staunton von der London Business School zusammen mit Elroy Dimson von der Universität Cambridge sowie der Grossbank UBS publizieren. Laut diesem jährlich publizierten Rendite-Jahrbuch haben globale Aktien, gemessen an einem von den Wissenschaftern entwickelten Index, im Zeitraum 1900 bis 2024 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 5,2 Prozent erreicht – und zwar nach Abzug der Inflation.
Damit möglichst grosse Teile dieser Rendite bei den Sparerinnen und Sparern ankommen, müssen diese aber einige Dinge beachten. Ein sehr wichtiger Aspekt dabei sind die Kosten, die beim Kauf von Wertpapieren und von Anlageprodukten entstehen.
Kleinanleger werden oft geschröpft
Die verschiedenen Gebühren schmälern die Rendite gerade bei einer längeren Anlagedauer massiv. Dies zeigt ein Beispiel des Finanzexperten und Autors Patrick Eugster. Er hat zwei fiktive Fonds verglichen, einen mit Kosten von 1,2 Prozent mit dem anderen mit 0,1 Prozent pro Jahr. Investiert man jeweils 100 000 Franken in die Fonds und erzielt bei beiden eine durchschnittliche Rendite vor Kosten von 6 Prozent pro Jahr, wächst der teurere Fonds nach 30 Jahren auf 410 000 Franken an, der günstigere aber auf 560 000 Franken. Gebühren schmälern die Nettorendite der Anleger, weil der wichtige Zinseszinseffekt weniger stark zur Geltung kommt.
Dabei sind es oft Anleger mit kleineren Depots, die überproportional hohe Gebühren bezahlen. Dies zeigt eine Untersuchung des Finanzdienstleisters VZ Vermögenszentrum, die auf der Analyse von 5200 Depots im vergangenen Jahr beruht. Kleinere Kunden seien oft weniger preissensitiv und stellten weniger kritische Fragen zur Preisstruktur, sagt Karl Flubacher vom VZ Vermögenszentrum. Sie hätten eine geringere Verhandlungsmacht als vermögende Kunden und verfügten oft auch nicht über das entsprechende Finanz-Know-how.
Um kein Geld zu verschenken, sollten sich Anleger folgende Fragen stellen.
1. Hat mir die Bank teure hauseigene Produkte verkauft?
Teure Anlageprodukte sind ein grosser Gebührenfresser. Kein gutes Zeichen ist es, wenn das Depot einen grossen Anteil an Produkten der Hausbank enthält. Oft werden solche Produkte bei Kleinanlegern und unbedarften Kunden platziert.
In einem Autohaus eines bestimmten Konzerns wird Klienten im Allgemeinen kein Modell einer anderen Automarke verkauft. So ist es bei Banken auch – sie haben primär das Interesse, ihre eigenen Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen.
Wer sich also nicht darum kümmert oder zu gutgläubig ist, hat folglich schnell alle möglichen Anlageprodukte seiner Hausbank im Depot. Oft sind dies Produkte mit vergleichsweise hohen Gebühren.
In der VZ-Depotanalyse waren die Hausprodukte der Banken im Durchschnitt um 43 Prozent teurer als die Produkte von Drittanbietern. Die volumengewichtete Gesamtkostenquote von Hausprodukten, im Finanzjargon als Total-Expense-Ratio (TER) bekannt, lag in der Untersuchung im Durchschnitt bei 0,86 Prozent. Die TER der Produkte anderer Anbieter fiel mit 0,6 Prozent indessen deutlich niedriger aus.
Für Privatanleger sind normalerweise Indexfonds oder Exchange-Traded Funds (ETF) auf Börsenindizes die beste Wahl. Solche Anlageprodukte bilden Indizes wie den MSCI World, den S&P 500, den Stoxx Europe 600, den Swiss-Performance-Index (SPI) oder den deutschen DAX ab und haben vergleichsweise niedrige Gebühren. «Allerdings sollte man auch bei ETF auf die Gebühren achten», sagt Dan Urner vom Vergleichsdienst Moneyland.ch. Schliesslich gebe es auch aktiv verwaltete ETF mit vergleichsweise hohen Gebühren.
Flubacher weist darauf hin, dass auch die Finanzmarktaufsicht das Thema bereits entdeckt hat. So ist per Anfang 2025 ein Rundschreiben der Behörde in Kraft getreten, in dem sie auf den Umgang mit Interessenkonflikten beim Einsatz von bankeigenen Finanzinstrumenten eingeht. Die Banken müssten ihren Kunden offenlegen, ob sie eigene Finanzinstrumente einsetzen und ob Interessenkonflikte bestehen. «In der Praxis geschieht dies jedoch meist in allgemeiner Form oder im schwer verständlichen Kleingedruckten», sagt Flubacher.
2. Habe ich aktiv verwaltete Fonds im Depot, und wie haben sich diese entwickelt?
Die analysierten Depots weisen auch einen hohen Anteil an aktiv verwalteten Fonds auf. Das sind Fonds, bei denen Fondsmanager versuchen, mit aktiven Anlageentscheiden höhere Renditen zu erzielen als der entsprechende Vergleichsindex des Fonds.
Prozentual gerechnet machen aktive Fonds im Durchschnitt laut der VZ-Analyse rund einen Drittel der Positionen in den Schweizer Depots aus. Dabei ist wissenschaftlich erwiesen, dass die meisten dieser Produkte langfristig keine bessere Performance erzielen als ihr Vergleichsindex.
Dies zeigt auch die Spiva-Scorecard-Analyse des Finanzdienstleisters S&P Global sehr deutlich. Laut dieser wiesen per Ende vergangenen Jahres auf Sicht von einem Jahr 83 Prozent der Schweizer Aktienfonds eine schlechtere Performance auf als der Vergleichsindex, auf Sicht von fünf Jahren sogar 88 Prozent.
Dies dürfte massgeblich mit den Gebühren der Fonds zusammenhängen. Diese ziehen die Nettoperformance nach unten. Die Kostentransparenz sei indessen durch die Einführung des Basisinformationsblatts (BIB) verbessert worden, sagt Flubacher. Dieses gesetzlich vorgeschriebene, standardisierte Dokument gibt Anlegern Informationen zu Risiken, Kosten und möglichen Erträgen. Sogenannte Fact-Sheets zu Anlageprodukten seien indessen Marketingdokumente der Anbieter, sagt er.
3. Wie hoch ist die Depotführungsgebühr?
Viele Anbieter in der Schweiz verlangen auch nicht unerhebliche Depotführungsgebühren. Dies sind quasi die «Lagerkosten» – sie werden allein dafür fällig, dass die Wertschriften und Anlageprodukte in dem Depot liegen.
Auch hier gibt es unter den Anbietern deutliche Unterschiede. Wie eine Analyse von Moneyland vom Juli dieses Jahres gezeigt hat, gibt es zwar Finanzhäuser, die keine solche Gebühr erheben, sie sind aber eher die Ausnahme. Manche verlangen eine pauschale Zahlung pro Jahr, andere kassieren eine Gebühr, die prozentual im Verhältnis zum Depotvermögen steht. Für die Führung des Depots buchen sie also beispielsweise jährlich 0,3 oder 0,4 Prozent der Anlagesumme ab – keine Seltenheit, wie ein Blick auf Websites von Schweizer Banken zeigt. Kunden zahlen diese Gebühren auch dann, wenn es an der Börse schlecht läuft.
4. Wie hoch sind die Transaktionsgebühren?
Transaktionsgebühren, auch als Courtagen bekannt, fallen an, wenn ein Anleger Wertpapiere wie Aktien oder Obligationen an der Börse kauft oder verkauft. Ihre Höhe ist vor allem für Anleger relevant, die regelmässig Wertpapiere handeln.
Bei den Courtagen gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den Anbietern. Eine Gebühr von 0,5 Prozent des Handelsvolumens oder weniger sei dabei eher günstig, einige Banken verlangten Courtagen von 1 Prozent oder mehr, sagt Urner. Bei Anlegern, die viel an der Börse handeln, falle dies erheblich ins Gewicht. Dabei sei es für den Vermögensaufbau gar nicht nötig, ständig Wertpapiere oder Finanzprodukte zu kaufen und zu verkaufen. Vielmehr gelte die alte Börsenregel «Hin und Her macht Taschen leer».
5. Welche weiteren Gebühren sind relevant?
Wer Wertpapiere in Fremdwährung kauft, sollte sich zudem über die im Handel anfallenden Kosten informieren. Manche Anbieter verlangen hier erhebliche Zusatzgebühren.
Auch der Steuerausweis für die Steuererklärung ist bei vielen Anbietern gebührenpflichtig. Teuer kann es auch werden, wenn man das Depot von einem Anbieter zu einem anderen transferieren will.



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