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Nordkorea antwortet auf Trumps Annäherungsversuche mit Raketentests – wie viele Atomwaffen hat das Land?
Pjongjang macht klar, dass es nichts wissen will von einem Dialog mit Washington.
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Passanten sehen sich in Seoul eine Nachrichtensendung an über einen nordkoreanischen Raketenstart vor einer Woche.
Jeon Heon-kyun / EPA
Der amerikanische Präsident Donald Trump will das Rad der Zeit zurückdrehen. Sieben Jahre nachdem seine Annäherung an den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un in Hanoi mit einem erfolglosen Gipfeltreffen abrupt endete, will Trump die Beziehung zu seinem «Freund» wieder aufblühen lassen.
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Anfang der Woche ordnete er an, das grösste gemeinsame Manöver mit Südkorea zu reduzieren. Dieses sei ein «völlig unangemessenes und feindseliges Signal» an Nordkorea, das sich seit seinem Amtsantritt «stets friedlich und respektvoll verhalten» habe.
Für Nordkorea verhalten sich die USA weiterhin feindselig
Am Donnerstag antwortete Pjongjang mit dem militärischen Äquivalent eines Stinkefingers: Laut südkoreanischen und japanischen Angaben feuerte das nordkoreanische Militär zehn ballistische Raketen in Gewässer östlich der koreanischen Halbinsel. Die Geschosse wurden in der Nähe der nordkoreanischen Hauptstadt abgeschossen und flogen rund dreihundert Kilometer weit.
Laut südkoreanischen Einschätzungen hat das Nachbarland ein Raketensystem verwendet, das angeblich mit taktischen Atomwaffen bestückt werden kann. Damit verletzt Pjongjang Beschlüsse des Uno-Sicherheitsrats, die dem Regime verbieten, ein Atom- und Raketenprogramm aufzubauen.
Mit dem Raketentest machte Pjongjang überdeutlich, dass es sich von Schmeicheleien nicht mild stimmen lässt. Kim Yo Jong, die Schwester von Kim Jong Un, erklärte laut der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA, dass sich die feindselige Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Nordkorea nicht geändert habe.
Trump nennt eine konkrete Zahl für Nordkoreas Atomarsenal
Ob sich hinter den Kulissen allenfalls dennoch eine Annäherung anbahnt, ist unklar. Er könne nicht sagen, ob er mit Kim wieder Briefe austausche, sagte Trump auf Frage von Journalisten am Mittwoch vor dem Weissen Haus. Dass er sich mit Kim gut verstehe, sei eine gute Sache, denn dieser verfüge «über 57 sehr mächtige Atomwaffen. Das hätte man niemals zulassen dürfen. Aber er hat sie nun einmal.»
Trumps Aussage lässt aus zwei Gründen aufhorchen. Erstens deutet er damit an, dass er implizit Nordkorea als Atomwaffenstaat anerkennt. Bisher war die amerikanische Politik klar: Pjongjang darf keine Atomwaffen besitzen, und das Endziel von Verhandlungen ist die komplette Denuklearisierung. Ob Trump nun von diesem Ziel abrückt, ist unklar.
Allerdings wird immer klarer, dass dieses Ziel illusorisch ist. Kim hat wiederholt deutlich gemacht, dass er nicht auf seine Atomwaffen verzichten will. Im Gegenteil: Der nordkoreanische Machthaber spricht von einem exponentiellen Wachstum, das er bei seinem Atomwaffenarsenal anstrebe. Der amerikanisch-israelische Angriff auf Iran dürfte ihn darin bestärken: Im Gegensatz zu Nordkorea hatte das Regime in Teheran keine einsatzfähigen Atomwaffen, mit denen es seine Gegner vor einem Angriff hätte abschrecken können. Die Atombombe ist die Lebensversicherung des Kim-Regimes.
Das zweite Element, das bei Trumps Aussage stutzen lässt, ist seine Aussage, dass Nordkorea 57 Atomwaffen habe. Was der Präsident mit dieser Zahl meint, ist offen: Hat Nordkorea genug spaltbares Material (also hochangereichertes Uran oder Plutonium) für den Bau von 57 Sprengköpfen? Sind diese Sprengköpfe schon zusammengebaut? Oder sind sie gar einsatzfähig?
Trump nannte keine Quelle für seine Zahl. Der renommierte Experte für Atomwaffen, Jeffrey Lewis, schreibt, dass die Geheimdienste eigentlich nie exakte Zahlen nennten, wenn sie die Atomarsenale anderer Staaten schätzten: «Sie nennen jeweils eine Grössenordnung und geben an, wie zuverlässig diese Schätzung ist.»
Trump says North Korea has "57 very powerful nuclear weapons." 57 is an oddly specific number. A short 🧵on why the real number is almost certainly higher. https://t.co/LsIpYWfONY
— Dr. Jeffrey Lewis (@ArmsControlWonk) August 19, 2026
Lewis analysiert in einem Thread auf X, wie viel hochangereichertes Uran und Plutonium Nordkorea produziert hat und wie viele atomwaffenfähige Raketen es besitzt. Daraus folgert er: «57 scheint zu niedrig und auf jeden Fall zu präzise, um eine Schätzung der Geheimdienste zu sein. Trump versucht, uns ein Geheimnis zu verraten, das er gehört hat, aber ich kann beim besten Willen nicht herausfinden, was es bedeutet.»
Zwei namhafte Institute, welche die Grösse der weltweiten Atomwaffenarsenale schätzen, kommen zu Resultaten, die sich mit Trumps Zahl etwa decken. Die Experten des «Bulletin of the Atomic Scientists» gehen in ihrer letzten Schätzung davon aus, dass Nordkorea genug spaltbares Material für 90 Atomsprengköpfe besitzt, aber wahrscheinlich nur etwa 50 Sprengköpfe zusammengebaut hat. Das Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) nennt in seiner neusten Einschätzung 60 Atomsprengköpfe, zehn mehr als noch im Jahr zuvor.
Südkorea sieht sich im Visier Pjongjangs
Südkorea ist etwas pessimistischer: Verteidigungsminister Ahn Gyu Back sagte am Donnerstag gegenüber Parlamentariern, dass der Norden über 80 bis 120 Atomsprengköpfe verfüge. Das ganze südkoreanische Territorium liegt in der Reichweite nordkoreanischer Raketen, die Atomsprengköpfe transportieren können. Die Hauptstadt Seoul, in deren Grossraum rund die Hälfte der südkoreanischen Bevölkerung lebt, liegt nur etwa vierzig Kilometer von der innerkoreanischen Trennlinie entfernt.
Südkorea verliess sich bisher zur Abschreckung Nordkoreas auf den amerikanischen Atomschirm. Washington versprach dabei, einen Atomschlag Pjongjangs gegen den Süden mit einem atomaren Gegenschlag zu beantworten. Mit dieser Drohung sollte das Kim-Regime davon abgehalten werden, Atomwaffen einzusetzen.
Darum beobachtet Seoul mit grösster Sorge Äusserungen Trumps, die darauf hinauslaufen, Nordkorea als Atomwaffenstaat zu akzeptieren. Dass der Präsident ein wichtiges gemeinsames Manöver zurückstutzt, ohne irgendwelche Gegenleistungen von Pjongjang zu erhalten, lässt die Alarmglocken schrillen. Zudem zweifelt Seoul zunehmend an der Verlässlichkeit des amerikanischen Atomschirms.




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