Liebe Leserin, lieber Leser,
vielleicht sind Sie wie ich alt genug, um sich an die Zeit vor der Wende zu erinnern. Mit Herzklopfen reiste ich damals mit meiner Freundin von Dortmund nach West-Berlin. Grimmige Grenzer, mulmiges Gefühl, so ist meine Erinnerung an die Fahrt ab Helmstedt über die holprige Transitautobahn bis Dreilinden-Drewitz. Die anderen unserer Reisegruppe blieben im Westen. Doch meine Freundin und ich wollten uns nicht mit Kudamm und einem Blick über Mauer und Grenzstreifen auf die damals triste Bernauer Straße begnügen.
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Wir wollten rüber, also ließen wir uns am Bahnhof Friedrichstraße kontrollieren. Das war aufregend, denn während ich sofort durchkam, hatte es eine Grenzerin auf meine Freundin abgesehen und ließ sie 30 Minuten in der Kontrollschleuse stecken. Ich machte mir furchtbare Sorgen. Den Rest des Tages verbrachten wir damit, die per Zwangsumtausch erhaltenen Ostmark auszugeben; wenn ich mich richtig erinnere, mussten wir 100 DM „Eintrittsgeld“ dalassen. Wir kauften Bücher und Noten zu Spottpreisen, fuhren nach Köpenick, um ein sehniges Schnitzel zu essen, und ließen schließlich das restliche Geld irgendwo auf dem Alexanderplatz liegen, weil es selbst im Kaufhaus nebenan in meiner Erinnerung nur Plastikschüsseln zu kaufen gab.
Shoppingmalls in Pjöngjang: So boomt Nordkorea
So ähnlich stelle ich mir die Lage in Pjöngjang vor, der Hauptstadt von Nordkorea. Aber von wegen grau und trist. Moderne Hochhäuser bilden eine imposante Skyline, die Bewohner der Metropole laufen mit Smartphones durch die Straßen, steigen in schicke U-Bahnhöfe und kaufen in bunten Shoppingmalls ein, wo sie mit QR-Code bezahlen, so beschreibt unser Korrespondent Felix Lill die Entwicklung.
Strandidylle in der nordkoreanischen Provinz Kangwon. © Kyodo News via Getty Images | Kyodo News
Denn die Wirtschaft brummt, und das kommt zumindest in der Hauptstadt an. Grund ist das gute Verhältnis zu Russland. Beide Länder sind sanktionsgeplagt. Kim Jong-uns Nordkorea profitiert von russischem Know-how, Lebensmitteln und Rohstoffen, Putins Russland bekommt dafür Waffen und Soldaten, also Kanonenfutter für den Ukraine-Krieg. Lesen Sie hier, ob der Wohlstand auch abseits der nordkoreanischen Hauptstadt ankommt.
Mein Blick auf die DDR war damals natürlich total westdeutsch, und dafür bitte ich um Entschuldigung. Ich empfand es als großes Glück, jenseits der „Zonengrenze“ aufzuwachsen. Ich hatte eine Abifahrt nach Rom hinter mir und Urlaube mit Eltern und Geschwistern auf Elba und am Gardasee. Ich war in Paris, Wien, Amsterdam. Der klassische DDR-Urlaub, so mutmaßte ich, fand eher in einem Ferienheim an der heimischen Ostsee statt.
Birgitta Stauber, Textchefin© Montage | FMG/Reto Klar/FFS
Jung, smart, rechtsextrem: Ulrich Siegmund auf Wahlkampftour
Dass heute so viele Menschen in Ostdeutschland nicht vor Glück taumeln, sondern im Gegenteil sich zurücksehnen in eine Zeit, in der sie sich verliebt haben, eine Familie gründeten, in der sie Nachbarn hatten, feste Jobs, ein Auskommen: Uns „Wessis“ fehlt sicher viel zu oft das Verständnis für eine Ost-Biografie, die durchaus glücklich war. Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, hat zwar dieses „DDR-Glück“ nicht erlebt, dafür ist er mit 35 Jahren viel zu jung. Aber seine Eltern haben es ihm trotzdem einimpfen können, zumindest beruft er sich immer wieder auf seine familiäre Prägung.
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, in Aktion. © Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld
Und er setzt auf DDR-Nostalgie. Wie der ultrarechte Siegmund, den Verfassungsschützer als rechtsextrem einstufen, seinen Wahlkampf aufbaut, wie er es schafft, dass so viele Menschen dem smarten Typen zujubeln, beschreibt unser Reporter Andre Dolle, der seine Auftritte wie die Reaktionen der Menschen in Sachsen-Anhalt beobachtete.
Zum 80. von Bill Clinton: So war seine Präsidentschaft
Apropos Nostalgie. Bill Clinton ist 80 geworden, damit ist er immer noch zwei Monate jünger als Donald Trump. Vor 34 Jahren wählten ihn die Amerikaner zum 42. Präsidenten der Vereinigten Staaten. In seine Amtszeit fielen der Bosnienkrieg, ein bemerkenswerter wirtschaftlicher Aufschwung und ein gigantischer Sexskandal rund um die 22-jährige Monica Lewinsky.
Ich war damals Jungredakteurin in Freiburg bei der „Badischen Zeitung“. Wir diskutierten jedes Detail dieser Affäre, war es noch so schmutzig. Für mich war es die erste bewusste MeToo-Geschichte. Und ich hatte tiefes Mitleid mit Monica Lewinsky, deren Schicksal damals aber nicht wirklich Interesse hervorrief.
Bill Clinton und Helmut Kohl 1996. Der US-Präsident und der Bundeskanzler verstanden sich bestens. © picture-alliance/ dpa | Tim Brakemeier
Die unbezahlte Praktikantin und der mächtigste Mann der Welt, so beschreibt Chefredakteur Jörg Quoos den Skandal. Er traf als junger Journalist Clinton nach dessen Amtszeit persönlich zum Interview in Hamburg. Lesen Sie hier, wie er sich zurückerinnert an die Clinton-Ära.
Warum ist Natalie Harp ständig an der Seite von Donald Trump?
Immerhin war es ein greifbarer Skandal rund um den US-Präsidenten. Klares Vergehen, klare Aufregung. Mit Donald Trump und seiner Gefolgschaft ist es schwieriger. Die ganze Präsidentschaft ist im Prinzip ein einziger Skandal. Und was macht eigentlich diese Natalie Harp ständig an seiner Seite? Die junge Assistentin genießt tiefes Vertrauen. Sie trägt Donald Trump die Dokumente hinterher, flüstert ihm ein, was er hören will, verschweigt, was ihn aufregt. Ihr makelloses Auftreten passt perfekt in die MAGA-Kulisse. Vor allem: Sie himmelt ihren Präsidenten an, schreibt schmachtende Briefe, er revanchiert sich, indem er sie überall mit hinnimmt.
Immer dabei: Natalie Harp im Oval Office. © picture alliance / CNP/AdMedia | CNP/AdMedia
Die Demokraten wollen nun herausgefunden haben, dass bei der Sicherheitsüberprüfung von Nathalie Harp geschlampt wurde. Dirk Hautkapp erzählt hier, wie Harp ihre Krebserkrankung überwand, warum sie Donald Trump als Heilsbringer ansieht, wie nah sie tatsächlich am US-Präsidenten ist und was die Demokraten nun dem Präsidenten vorwerfen. Es ist, wie immer wenn es um Trump geht, eine Geschichte zum Haare-Raufen.
Hayden Panettiere kämpfte mit Depressionen. Nun ist sie tot
Jung, schön, schon als Kind zum Erfolg verdammt: Mitunter geht diese Kombination nicht gut aus. Die US-Schauspielerin Hayden Panettiere wurde berühmt durch Rollen in Serien wie „Heroes“, „Nashville“ oder „Scream“. Dem deutschen Publikum ist sie als Ex-Verlobte von Wladimir Klitschko bekannt, dem mehrfachen Box-Weltmeister.
Starb mit 36 Jahren: US-Schauspielerin Hayden Panettiere. © Jordan Strauss/Invision/AP/dpa
Die beiden haben ein gemeinsames Kind. Nun ist Hayden Panettiere im Alter von 36 Jahren tot aufgefunden worden. Seitdem ist das Interesse an ihrem Leben groß. Depressionen holten sie immer wieder ein, vor allem die Mutterschaft setzte ihr so sehr zu, dass Vater Klitschko die Erziehung übernahm. Petra Koruhn erzählt diese durchaus tragische Geschichte.
Darmsanierung: Ein Erfahrungsbericht
Und jetzt zu einem ganz anderen Thema, das bei unseren Leserinnen und Lesern sehr gut ankam: Marta Ways hat einen persönlichen Text über eine Behandlung beim Heilpraktiker geschrieben. Ihr Immunsystem war geschwächt, sie nahm jede Erkältung, jede Grippewelle mit, war mehrmals im Jahr richtig krank.
Ließ ihren Darm sanieren: FUNKE-Redakteurin Marta Ways. © FUNKE Foto Services | Reto Klar
Ist vielleicht eine gestörte Darmflora daran schuld? Was bringt die Darmsanierung wirklich? Meine Kollegin hat sich auf eine alternative Behandlung eingelassen, und zumindest am Anfang ging es ihr richtig gut damit. Lesen Sie hier, wie nachhaltig das war und welche Konsequenzen die Autorin für ihren Lebensstil gezogen hat.
Der Regenwald erholt sich, zumindest ein wenig
Ich habe auch noch eine richtig gute Nachricht: Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes geht zurück. Verantwortlich dafür ist der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Er hat die von seinem rechtsextremen Vorgänger Jair Bolsonaro verordnete Ausbeutung des Regenwaldes gestoppt. Die illegale Abholzung will er in den kommenden Jahren ganz ausschalten. Voraussetzung dafür ist, dass der 80-jährige Präsident wiedergewählt wird. Leider sitzt ihm Bolsonaros Sohn im Nacken. Sein Vater, der Ex-Präsident, sitzt im Gefängnis. Nun soll der Sohn seine destruktive Politik fortsetzen.
Was bleibt? So langsam blicken wir auf einen überhitzten Sommer zurück. Ich habe gemischte Gefühle dabei, denn so sehr ich besorgt bin angesichts der vielen Hitzetage, so sehr habe ich auch die Sommernächte genossen, zuletzt bei einer fetten Party auf einem Boot auf der Spree.
Ich hoffe, wir werden lernen, mit diesen neuen klimatischen Verhältnissen umzugehen – und gleichzeitig alles dafür tun, um einen weiteren Temperaturanstieg zu stoppen.
Genießen Sie den Sonntag! Es grüßt sie herzlich
Ihre Birgitta Stauber

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