Großer Jubel beim TuSEM Essen! In einem dramatischen Spiel zog der Tusem in die zweite Runde des DHB-Pokals ein.© IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
Was war das für ein irrer Pokalfight am Freitagabend in Essen! Am Ende eines denkwürdigen Duells in der ersten Runde des DHB-Pokals sicherte sich der TuSEM vor heimischem Publikum in der Sporthalle am Hallo den Sieg gegen den SC DHfK Leipzig und zog damit in die zweite Runde des Wettbewerbs ein.
Doch 60 reguläre Spielminuten genügten den Teams vor etwas mehr als 1.200 Zuschauern nicht, um einen Sieger zu ermitteln: Am Ende hatte es 26:26 gestanden, sodass es in die erste Verlängerung ging. Da auch die Extrazeit keinen Gewinner hervorbrachte und mit 31:31 endete, musste sogar eine zweite Verlängerung herhalten. Erst in dieser setzten sich die Essener um Trainer Kenji Hövels entscheidend ab und gewannen mit 36:33.
TuSEM Essen: Pokalspektakel begeistert Fans mit Drama und Emotionen bis zum Schluss
Dabei hatte das Erstrundenduell praktisch alles zu bieten, was sich der neutrale Beobachter von einem klassischen Pokalspiel wünschen könnte: Packende Szenen, atemberaubende Spannung, Emotionen und Leidenschaft bis zum Schluss. All diese Zutaten waren Teil des Rezepts, welches schlussendlich die Partie auszumachen wusste. „Danke für dieses geile Spiel“, hob selbst Leipzigs Trainer Frank Carstens nach dem Spiel die Leistung beider Teams hervor, wenngleich es für den Bundesliga-Absteiger aus dem Osten nicht für ein Erfolgserlebnis reichen sollte.
Valentin Willner und Max Neuhaus vom TUSEM Essen im Spiel gegen Moritz Preuss und Franz Semper vom SC DHfK Leipzig. Das Spiel des DHB-Pokals, TUSEM Essen gegen den SC DHfK Leipzig endete am 21.08. 2026 in der Sporthalle Am Hallo, Ernestinenstraße 57 mit 36:33. Michael Gohl / FUNKE Foto Services© FUNKE Foto Services | Michael Gohl
So ergänzte Carstens folgerichtig, dass dem SC eine „Lektion erteilt wurde, wie man so ein Pokalspiel angeht. Es war ein geiler Fight, leider hatten wir am Ende keinen Spaß.“ Deutlich anders sollte es sich für diejenigen gestalten, die es mit dem TuSEM hielten: Gerade nach der schwierigen letzten Saison in der zweiten Liga, die beinahe im Abstieg geendet wäre, dürfte der Erfolg gegen Leipzig purer Balsam für die Seele sein. Essens Felix Göttler, der mit seinen sieben Treffern einen wesentlichen Anteil am Heimsieg hatte: „Wir haben hier gegen einen starken Gegner mit einem Weltklasse-Mittelmann gespielt. Es war eine tolle Leistung des gesamten Teams. Im letzten halben Jahr hat sich hier etwas entwickelt.“
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Nicht nur der 21-Jährige hofft darauf, dass das positive Erlebnis den Rothosen Rückenwind für den baldigen Ligaauftakt verleiht: „Natürlich gibt der Sieg uns ein gutes Gefühl. Wir müssen aber dranbleiben und weiter an uns arbeiten.“ Wie gut sich der Essener Traditionsverein unter der Regie von Hövels gemacht hat, sollte der TuSEM vor allem in den Anfangsminuten unter Beweis stellen: Den Gästen aus Sachsen wurde zu Spielbeginn gleich der Schneid abgekauft, zeitweise führten die Gastgeber mit 8:4 und hätten den Vorsprung sogar noch deutlicher gestalten können, hätten sie manch eine Situation noch cleverer gelöst.
TuSEM Essen zeigt im DHB-Pokal trotz Rückstand starke Nerven gegen Ligakonkurrent
Erst nach einer frühen Auszeit wusste sich der künftige Ligakonkurrent des TuSEM um Nationalspieler Franz Semper (sieben Tore) zu fangen und den Rückstand gar in eine knappe 16:15-Pausenführung umzuwandeln. Damit stand Essen nach einem starken Auftakt zeitweise unter Zugzwang, ließ sich jedoch nicht gänzlich aus der Bahn werfen. „Wir haben immer wieder Lösungen gefunden“, bilanzierte Hövels, um schließlich noch einen Schritt weiter zu gehen: „Frank Carstens ist schon wesentlich länger Trainer als ich. Ich persönlich habe das so noch nicht erlebt. Umso stolzer bin ich auf die Jungs und darauf, dass wir es bis zum Schluss so durchgezogen haben.“
Die Zuschauer am Hallo hatten im Pokalspiel vom TuSEM Essen gegen Leipzig einiges zu feiern.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl
Fehler, die seine Schützlinge ohne jeden Zweifel auch gegen Leipzig noch gemacht haben, wollte Hövels deshalb gar nicht weiter thematisieren, sondern den Fokus voll und ganz auf den erzielten Erfolg richten: „Natürlich gibt es die Momente, in denen wir es besser hätten machen können. In diesem Moment wollen wir aber nicht weiter über das Entwicklungspotenzial sprechen, sondern vielmehr das mitnehmen, was wir gut gemacht haben.“ Dazu habe letztlich auch gezählt, dass Leipzig nicht davongezogen ist, auch wenn die Gäste in den zweiten 30 Minuten und auch in der ersten Verlängerung jeweils führten.
Ein Spiel wie dieses hätte der TuSEM in der vergangenen Saison vielleicht noch verloren. Nicht so aber an diesem Abend, an dem sich die junge Essener Mannschaft mit Einsatz dagegen zu stemmen wusste. Durch eine starke Defensivleistung sicherten sich die Hausherren, die vor allem mit einem robusten Mittelblock und einem gut aufgelegten Finn Knaack zwischen den Pfosten gefielen, in der Schlussphase noch das Remis und somit die Verlängerung, in der ebenfalls ein Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt wurde.
Rote Karte für Leipzig bringt Essen in der Verlängerung in Führung
So musste die zweite zehnminütige Verlängerung die Entscheidung bringen. In dieser hatten die Gastgeber endlich die Nase vorn: Angeführt von Göttler legte die Hövels-Sieben vor, um dann von einer Roten Karte gegen Leipzigs Fritz-Leon Haake zu profitieren, der Außenspieler Finley Werschkull bei einem Gegenstoß abräumte.
Finley Werschkull und der TuSEM Essen holten den Sieg.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl
Die Überzahl nutzte der TuSEM clever aus, setzte sich auf drei Tore zum 35:32 ab und durfte am Ende nicht nur den Einzug in die zweite Pokalrunde bejubeln, sondern auch Selbstvertrauen tanken. Hövels: „Den Rückenwind nehmen wir mit, allerdings trete ich auch bewusst auf die Euphoriebremse. Wir haben eine junge Mannschaft und vor uns liegt ein taffes Auftaktprogramm. Daher wollen wir genauso weiterarbeiten wie bislang.“
Um die ersten Ligapunkte spielt der TuSEM am Sonntag (17 Uhr) daheim gegen die HSG Nordhorn-Lingen. Am vorletzten Spieltag der vorigen Saison gewann Essen gegen die HSG knapp und holte damit überaus wertvolle Punkte für den Klassenerhalt. Derweil steht Nordhorn schon früh unter Druck, immerhin startet der finanziell angeschlagene Klub nach Problemen im Lizenzierungsverfahren mit sechs Minuspunkten.

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