In der heutigen Türkei wurden von Wissenschaftlern neue Teile eines bereits bekannten Dokumentes aus dem 5. Jahrhundert entdeckt. Diese Fragmente eines Rechtsdokumentes aus dem antiken Stratonicea enthüllen neue Details zu einem damaligen Steuerskandal: Schon seit dem 18. Jahrhundert ist dieser Fall aus dem Römischen Reich bekannt, doch erst jetzt wird den Wissenschaftlern das Ausmaß bewusst, berichtet das Magazin „La Brújula Verde.“
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Archäologie: Dokumente belegen Steuerhinterziehung im Römischen Reich
Offenbar hatten sich die Beamten an den Steuern der Bürger bereichert: Sie waren dafür zuständig, Gelder einzutreiben – meldeten aber jahrelang den Behörden zu niedrige Einnahmesummen und behielten den Rest für sich. Ihr System beruhte darauf, die Höhe der Einkünfte nicht richtig zu dokumentieren.
Die von Paweł Nowakowski und Mustafa Adak von den Universitäten in Warschau und Antalya analysierte Inschrift stammt aus dem 5. Jahrhundert und wurde früher in antiken Städten ausgestellt. Aus den in Stein gemeißelten Dokumenten lesen die Wissenschaftler einen über 15 Jahre andauernden Betrugsskandal. Die Inschrift ist ein Erlass des Prätorianerpräfekten des Ostens, Flavius Illus Pusaeus Dionysius. Ein Prätorianerpräfekt war ein Oberbefehlshaber in der Römischen Armee.
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Todesstrafe für die Betrüger
Als Flavius Illus Pusaeus Dionysius die Steuerhinterziehung bemerkte, schickte er sogleich einen Sonderbeauftragten aus Konstantinopel los. Drei Monate gab der Prätorianerpräfekt dem Beauftragten Zeit, sich um die Angelegenheit zu kümmern.
Laut den Dokumenten wurde den Betrügern die Todesstrafe verhängt. Nowakowski betont dem Magazin zufolge, dass die Strafen in diesem Fall besonders hart ausfielen. Ähnliche Dokumente aus der Zeit belegen Geldstrafen für vergleichbare Fälle. Die Härte der Strafen lag mutmaßlich daran, dass der Betrug schon viel früher gemeldet wurde, aber niemand ihn stoppte.
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Administrative Kommunikation in der Antike
Der Fund deckt außer den Details auch die Kommunikation innerhalb des Römischen Reiches auf. Es dauerte einige Zeit, bis der Staat die Steuerhinterzieher zur Verantwortung zog. Außerdem waren die Dokumente zu dem Fall in den verschiedenen Städten unterschiedlich formatiert. Es kam auf die Interpretationen und Bräuche der lokalen Behörden an, wie die Inschriften in den jeweiligen Orten aussahen. Der Präfekt wurde später selbst von Kaiser Zeno hingerichtet. Ihm wurden Konspirationen gegen den Thron vorgeworfen.

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