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Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung · Aug 22, 2026

Stadt wollte Raser mit Umbau stoppen – doch sie brettern weiter durch die 30-Zone

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Marvin Kunkel · Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung

„Die neue Verengung an der Wittlaerer Straße bringt rein gar nichts“, sagt Sarah Jordan und blickt enttäuscht auf die frisch gestaltete Fahrbahn vor ihrer Haustür. Eigentlich sollte das rund 170.000 Euro teure Projekt die schmale Wohnstraße unweit des Rheins endlich beruhigen. Stattdessen rasen Autos weiterhin mit „80, teilweise 90 km/h“ durch die Tempo-30-Zone, schätzt Jordan.

Die neue Verengung an der Wittlaerer Straße bringt rein gar nichts.

Sarah Jordan, Anwohnerin

Nicht nur am Wochenende, sondern auch mitten in der Woche, vor allem nach Sonnenuntergang. Reifen quietschen, Motoren heulen auf, dazu dröhnt laut aufgedrehte Musik. Für die Anwohner ist die Situation nicht nur im wörtlichen Sinne ermüdend. Hinzu kommt, dass sich nach den vielen Hitzetagen das Leben in die kühlen Nachtstunden verlagert.

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„Besonders im Sommer ist das eine Katastrophe, weil man in manchen Nächten einfach gar nicht zum Schlafen kommt“, berichtet die Wanheimerin. Dabei verraten die Kennzeichen, dass die Poserszene aus dem gesamten Ruhrgebiet anreist, um das Rheinufer als Kulisse zu nutzen.

Straße für 170.000 Euro umgebaut – doch das Rasen geht weiter

Dabei sollte der Jahresbeginn die Wende bringen. Für rund 170.000 Euro hat die Stadt Duisburg die Wittlaerer Straße auf 170 Metern umgebaut. Die Fahrbahnverengung sollte das Hindernisrennen so unattraktiv machen, dass der Spaß am Rasen vergeht. Doch das Ergebnis sei ernüchternd. „Wer schnell fahren will, muss hier nicht abbremsen“, erklärt Sarah Jordan. Aus ihrer Perspektive wurden hier „tausende Euro in den Sand gesetzt“.

Lärm, Poser, Müll: Raser terrorisieren ruhige Wohnsiedlung.
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Sarah Jordan ist frustriert: Der Umbau der Wittlaerer Straße hat in ihren Augen nichts gebracht im Kampf gegen die Raser.© FUNKE Foto Services | Daniel Attia

Die Stadt erläutert, bei der Umgestaltung sei berücksichtigt worden, dass auch große Fahrzeuge wie Rettungswagen, Feuerwehr- oder Müllfahrzeuge die Straße weiterhin problemlos nutzen können. Deshalb hätten die Engstellen nicht beliebig schmal gebaut werden können.

Das Frustrationspotenzial der Anwohner wächst auch durch das Gefühl, von den Ordnungshütern alleine gelassen zu werden. „Polizei und Ordnungsamt sind nur tagsüber anzutreffen, aber das Problem geht erst bei Sonnenuntergang so richtig los“, bemängelt Jordan.

Raser-Problem in Wanheim: Jetzt kann Duisburg dort nicht mehr blitzen

Die Stadt erklärt, den Hinweisen der Anwohner werde weiterhin nachgegangen. Im vergangenen Jahr seien an 16 Kontrolltagen bei 2032 erfassten Fahrzeugen acht Geschwindigkeitsverstöße festgestellt worden. Seit der Umgestaltung könnten dort keine Geschwindigkeitskontrollen mehr durchgeführt werden, da „keine ausreichende Messstrecke zur Verfügung steht, um Geschwindigkeitsverstöße verwertbar zu erfassen“.

Wegen der Lärmproblematik sei der Bereich durch den Städtischen Außendienst im vergangenen Jahr 24-mal kontrolliert worden. Im laufenden Jahr seien bereits 25 Kontrollen durchgeführt worden. Feststellungen gab es dabei laut Stadt keine.

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Dennoch wächst innerhalb der Nachbarschaft das Misstrauen gegenüber der Lokalpolitik, berichtet Jordan. Viele Anfragen an politische Vertreter seien in den vergangenen Wochen unbeantwortet geblieben. Erst nach Kontakt mit Ratsherr Werner von Häfen (SPD) habe sie wieder Hoffnung gefasst, dass das Thema angegangen wird. Er hat mittlerweile angekündigt, es erneut in die Gremien zu tragen.

Anwohner wollten Poller oder Bodenschwellen. Stattdessen kam der Umbau

Die Wut der Nachbarschaft richtet sich aber auch gegen die städtische Ablehnung von Bodenschwellen. Diese wären um ein Vielfaches günstiger gewesen und hätten eine direkte Bremswirkung erzeugt, meint Jordan. Zudem hatten die Anwohner im Mai 2025 bei einem Treffen mit Politikern und Ordnungshütern verlangt, die Straße testweise durch Poller zu sperren, um die beliebte Rundfahrt der Poser zu unterbrechen. „Selbst wenn eine Sperrung für uns Anwohner Umwege bedeutet, sind wir mittlerweile zu allem bereit“, betont Sarah Jordan.

Längst geht es in Wanheim nicht mehr nur um die Nachtruhe. Viele Familien sähen sich gezwungen, auf eigene Kosten Schallschutzfenster einzubauen. Doch viel schwerer wiegt die Angst vor Unfällen. In der familiären Wohngegend ließen Eltern ihre Kinder abends nicht mehr unbefangen draußen spielen.

Immerhin tut sich beim Müllproblem etwas. Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg beseitigten den Unrat, den die Feiernden am Rheinufer hinterlassen, mittlerweile regelmäßig. Doch was die Verkehrssicherheit angeht, bleibt das ungute Gefühl im Viertel bestehen. Es herrscht die Sorge, dass erst etwas Schlimmes passieren muss, bevor das Problem auf der Wittlaerer Straße richtig angegangen wird.

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