RSS Amplifier

no destination · Jul 19, 2026

Meine persönlichen Red Flags (nicht nur, aber insbesondere) bei Männern

0
Sign in to vote or save

kathikaze · no destination

„Red flags don’t go away if you ignore them”

(dt.: Rote Flaggen verschwinden nicht, nur weil du sie ignorierst)

Diese Weisheit stammt nicht von mir, sondern von meiner Astro-App - und damit hat sie mal wieder bewiesen, dass sie mich besser kennt, als mir geheuer ist.

Tatsächlich habe ich Red Flags bei Männern in der Vergangenheit viel zu oft und viel zu lange ignoriert oder mir schöngeredet - und in dem Zusammenhang teilweise auch ziemlich beknackte Entscheidungen getroffen und mich selbst sabotiert. Was soll ich sagen: Ich hatte einfach zu viel Geduld und „Verständnis“ für das männliche Geschlecht, zu viel Hoffnung, dass mein Gegenüber vielleicht doch noch irgendwann Einsicht zeigt. Und das, obwohl ich eigentlich immer ziemlich schnell gespürt habe, dass ich mir da was vormache und in der Verbindung Kompromisse eingehen müsste, die mir überhaupt nicht guttun.

Damit mir das in Zukunft hoffentlich nicht mehr passiert, habe ich mir eine Liste meiner persönlichen Red Flags bei Männern gemacht. Es wäre allerdings unfair zu behaupten, diese Liste bezöge sich ausschließlich auf Männer - einige Punkte beziehen sich sicherlich auf Menschen generell. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich sie insbesondere bei Männern beobachte und auch nur bei Männern Gefahr laufe sie wider aller Vernunft zu ignorieren.

Das schiebe ich selbstverständlich auf meine heterosexuelle Orientierung: Ich tendiere eher dazu auf romantische Verbindungen mit Red-Flag-Männern reinzufallen als auf freundschaftliche Verbindungen mit Red -Flag-Frauen/-Queers. Trotzdem wage ich zu behaupten, dass ein Großteil meiner roten Flaggen auch eher cis-hetero-Mann typisch sind. Aber das dürft ihr am Ende gerne selbst entscheiden.

Hier kommt mein ganz persönliches rotes Flaggschiff.

Achso. Vorab noch eine kleine Anmerkung: Ich verzichte im Rahmen dieses Beitrags bewusst auf die „offensichtlichen“ Red Flags, sonst wird das kein Newsletter, sondern ein Buch. Und unabhängig davon wäre die Liste wahrscheinlich trotzdem nicht vollständig, denn mir fällt ständig noch etwas Neues ein. Ja, ich weiß, das Eis ist ziemlich dünn.

Heißt also: Lügner(*innen), Betrüger(*innen), Rechtsradikale, Rassist(*innen), Homophobe, Sexisten, gewalttätige Männer, Männer, die keine Kondome benutzen wollen… und so ein Müll werden sich auf dieser Liste nicht wieder finden. Dass die knallrot sind, sollte ja eigentlich – auch objektiv betrachtet – selbstverständlich sein. Dafür will ich meine Tastatur nicht abnutzen, die muss noch eine Weile halten.

Ich beschränke mich stattdessen auf meine persönlichen Top X jener Flags, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so rot erscheinen. Natürlich sind sie subjektiv und kein Naturgesetz. Welche Eigenschaften wir bei anderen Menschen als Warnsignal empfinden, hängt ja auch stark von unseren individuellen Bedürfnissen, Erfahrungen und Werten ab.

Falls du dich selbst in dieser Liste wieder findest, nimm es also nicht persönlich. Es heißt nicht, dass du ein schlechter Mensch bist. Es heißt nur, dass du vermutlich kein Mensch für mich bist – und das würde höchstwahrscheinlich auf Gegenseitigkeit beruhen.

Falls du dich allerdings in vielen Punkten wiederfindest, würde ich mir an deiner Stelle aber zumindest nochmal ein paar Gedanken machen…

Spaß.

Nein, eigentlich mein ich das doch ernst.

(Die Reihenfolge spielt keine Rolle)

  1. Hat einen Raketen-Emoji im Profil – oder verwendet sie in Posts 🚀🚀🚀

Ich wollte erst noch das Wort „ständig“ hinzufügen. Um anzudeuten, dass ich eine einzelne Rakete unter Umständen noch verzeihen könnte. Um nicht ganz so radikal rüberzukommen.

Aber das wäre gelogen. Eine Rakete ist bereits eine Rakete zu viel.

Denn ich habe eine intensive Abneigung gegen alles, was mit Raketen Emojis in Verbindung stehen könnte: vermeintliche Alpha-Männchen, LinkedIn, dämliche Erfolgskalendersprüche, Kapitalismus, Musk-Fans, Menschen, die zu oft das Wort „Business“ oder „Krypto“ sagen, Männer, die sich ausschließlich über Geld und Leistung definieren, Statussymbole, Erfolgsratgeber, Erfolgscoaches, oberkörperfreie Gym-Selfies, Christian Lindner und Typen, die behaupten sie bräuchten nur fünf Stunden Schlaf…

Hab ich noch was vergessen? Bestimmt. Würde ich gern alles zusammen in die bescheuerte Rakete packen und in eine andere Galaxie schießen.

Wenn ich meine Einstellung zu Leben und Leistung in einem Emoji ausdrücken müsste, wäre es eine Schildkröte. Maximal ein Luftballon, wenn es unbedingt ein Flugobjekt sein soll. Ich denke, daraus wird klar, warum das eine toxische Beziehung wäre.

  1. Hat ein oberkörperfreies Gym-Selfie im Profil – oder postet ständig oberkörperfreie Gym-Selfies

Ist mir zu oberflächlich und klickbedürftig. Außerdem erinnert es mich an Raketen-Emojis. Ist sozusagen eine Kreuzallergie.

  1. Redet über Sauf-Erlebnisse, als wären es Heldentaten

Männer, die sich über ihren Alkoholkonsum definieren und dessen Kernthema vermeintlich witzige Sauf-Geschichten sind, will ich mir mit Ende 30 echt nicht mehr geben. Ist mir auch egal, welchen Anlass es dafür gab.

Wenn sich die Höhepunkte des Lebens eines Menschen um Rausch und Kontrollverlust drehen, bin ich raus und trinke mein Glas Wein lieber allein. Das gleiche gilt auch für den Konsum anderer Drogen. Mir ist ziemlich egal, wer sich was mal reinballert. Aber wenn eine Substanz Teil der Identität wird, will ich kein Gespräch mehr führen.

  1. Bezeichnet sich im Profil oder Posts als spirituell (Achtung: Deutschland-spezifisch)

Vielleicht denkst du jetzt: Moment, hat die nicht selbst vorhin ihre komische Astro-App erwähnt? Was ist denn das für eine Doppelmoral?

Stimmt. Aber hör zu, ich kann das erklären.

Ich habe selbst einen Hang zur Spiritualität und ja, auch zur Astrologie. Und zwar obwohl, oder vielleicht auch gerade weil, ich zwei naturwissenschaftliche Abschlüsse habe. Aber das behalte ich in Deutschland meistens lieber für mich. Hier sind mir die Menschen einfach zu oft zu extrem in ihrem Schwarz-Weiß-Denken und ihrem Hang sich in Dinge hineinzusteigern.

Und das fällt mir besonders in der „Spiritualitäts-Bubble“ auf. Wobei das Gedankengut dort häufig ohnehin nichts mehr mit echter Spiritualität zu tun hat, sondern diese lediglich als Ausrede für abstruse Weltanschauungen oder als Geschäftsmodell benutzt wird.

Ich habe darüber schonmal in einem anderen Essay geschrieben, den ich an dieser Stelle zitieren möchte:

“Es ist genau dieser Hang zum Extremen, weshalb ich mich am liebsten von allen Szenen und Schubladen fernhalte. Ich will nicht in die Esoterik-Schublade. Aber ich will definitiv auch nicht in die der radikalen Rationalität.

In Deutschland würde ich auch niemanden daten, der sich im Profil als spirituell bezeichnet. Da wäre mir die Gefahr zu hoch, dass er barfuß mit Aluhut aufkreuzt und mir etwas von Chemtrails erzählt, noch bevor ich mein erstes Glas Wein intus habe. Oder mir für 2000 Euro eine schamanische Seelenreinigung aus dem Amazonas verkaufen will, obwohl er nicht mal zwei Nächte im Spreewald überleben würde.

Gleichzeitig finde ich aber auch diese dogmatische Wissenschaftsgläubigkeit nervig. Dieses ständige „Wo sind die Fakten?“-Gequake, als wäre alles automatisch Unsinn, nur weil es (noch) nicht empirisch belegt ist.”

In vielen anderen Ländern, zum Beispiel in Brasilien, ist „Spiritualität“ für mich keine Red Flag, sondern eher sogar ein gutes Zeichen.

  1. Weigert sich zu sehen, welche Privilegien er als Mann im Patriarchat hat, welche Machtgefälle und Diskriminierungen dadurch entstehen - und erkennt deshalb auch die Notwendigkeit von Feminismus nicht.

Sollte eigentlich selbsterklärend sein.

Es geht mir nicht darum, dass ein Mann bereits der perfekte Feminist sein muss. Schließlich sind auch Männer in diesem bescheuerten System sozialisiert worden, und wir alle wissen, wie schwer es sein kann, von klein auf etablierte Muster zu verändern. Aber: Die Einsicht, der Wille und die Eigeninitiative zur Veränderung müssen da sein.

  1. Kann seine Gefühle nicht ausdrücken – insbesondere: kann nicht weinen

Ich will meine Zeit nicht mehr mit Männern verplempern, die keinen Zugang zu ihren Gefühlen haben und gleichzeitig aber auch keine Anstalten machen, daran etwas zu ändern. Denn erstens fehlt dann häufig auch die Empathie für andere Menschen - und Empathie ist für mich eines der höchsten Güter in einer zwischenmenschlichen Verbindung. Und zweitens bin ich es leid, ständig Interpretationsarbeit leisten zu müssen, weil ein Typ mal wieder nicht klar sagen kann, was er fühlt.

  1. Gibt mir das Gefühl, nicht gut genug zu sein

Sollte eigentlich logisch sein. Trotzdem ist das für mich eine der schlimmsten bzw. wichtigsten Red Flags überhaupt. Einfach deshalb, weil ich sie immer noch am häufigsten ignoriere. Denn ich neige dazu, Fehler immer erstmal eher bei mir selbst zu suchen.

  1. Seine Komplimente beziehen sich ausschließlich auf mein Äußeres

Puh, über diese tiefrote Flagge könnte ich einen kompletten Essay schreiben. Vielleicht mach ich das auch noch. Deshalb halte ich mich an dieser Stelle kurz:

Wenn Männern nichts anderes einfällt, als immer nur oberflächliche Komplimente à la „Du siehst schön aus!“ zu machen, ist das in Wahrheit kein Kompliment, sondern eine Abwertung. Es ist ein Zeichen dafür, dass sie Frauen vor allem als Accessoires wahrnehmen und auf Äußerlichkeiten reduzieren.

Wenn das Einzige, was ein Mann an mir wertschätzt, mit meinem Aussehen zu tun hat, kennt er mich nicht - und hat scheinbar auch kein echtes Interesse daran, mich kennenzulernen.

  1. Nennt sich belesen, liest aber keine Bücher, die von Frauen geschrieben wurden

Hier muss ich etwas weiter ausholen - und direkt eines klar stellen: Für mich ist es keine Red Flag, wenn ein Mensch nicht liest.

Ich bin schon oft - insbesondere in Deutschland - Menschen begegnet, die das anders sehen. Eine bekannte Autorin schrieb einmal in einem Post, dass es für sie eine Red Flag sei, wenn ein Mann keine Bücher liest.

Das klingt auf dem ersten Blick vielleicht nachvollziehbar, schließlich verbinden wir Bücher mit positiven Eigenschaften wie Wissen, Interesse, Neugier oder Kultur. Und insbesondere, wenn man selbst gerne liest und sogar schreibt, ist es natürlich verständlich, sich gerne mit anderen Menschen umgeben zu wollen, die diese Leidenschaft teilen.

Es jedoch als Red Flag zu bezeichnen, empfinde ich als kritisch. Denn es gibt einen Unterschied zwischen einem Warnsignal und einer Präferenz.

Oder anders gesagt: Es gibt einen Unterschied zwischen „Achtung, dieser Mensch verhält sich problematisch“ und „Dieser Mensch passt einfach nicht besonders gut zu mir“

Denn machen wir uns nichts vor, der Begriff „Red Flag“ ist immer bewusst abwertend und abgrenzend gemeint – das ist ja auch seine Aufgabe. Aber da sollte wir uns schon im Klaren darüber sein, wen wir da eigentlich genau abwerten - und warum.

Teilen

Menschen als Red Flag zu bezeichnen, nur weil sie nicht lesen, finde ich ziemlich elitär und ignorant. Denn der Zugang zu Büchern und zur Lesekultur ist ein Privileg, zu dem auch heute noch viele Menschen keinen oder nur eingeschränkten Zugang haben. Außerdem gibt es unzählige andere Möglichkeiten, Wissen zu erwerben, Gedanken auszutauschen und sich gegenseitig zu inspirieren: durch Filme, Musik, Beobachtungen oder indem wir uns Geschichten erzählen.

Menschen, die lesen, sind nicht automatisch klüger oder interessierter. Manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall. Deshalb ist es für mich auch kein Warnsignal, wenn Männer nicht lesen.

Was für mich mittlerweile allerdings tatsächlich eine Red Flag ist, sind Männer, die sich selbst als belesen bezeichnen, deren Bücherregal aber ausschließlich aus Büchern besteht, die von Männern geschrieben wurden. Das ist ein Unterschied.

Denn das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie sich kaum für andere Perspektiven interessieren als ihre eigene - oder Literatur von Frauen bewusst oder unbewusst einen geringeren Stellenwert beimessen.

Seit ich selbst öffentlich schreibe, merke ich außerdem, dass es für mich zumindest kein positives Zeichen ist, wenn jemand kein Interesse an meinen Texten zeigt. Ob ich das allerdings als Red Flag bezeichnen würde oder eher unter „passt dann halt nicht“ packe, weiß ich ehrlich gesagt selbst noch nicht.

Ich merke gerade, dass auch dieser Punkt wahrscheinlich einen eigenen Essay verdient hätte…

  1. Dated ständig deutlich jüngere Frauen

Lass ich mal unkommentiert so stehen.

  1. Nennt Frauen „Girls“

Das auch. Ist aber besonders rot in Kombination mit dem Punkt davor.

  1. Weitere Red Flags (to be continued...)

  • Hat keine oder wenig Tierliebe

  • Hat kein oder wenig Umweltbewusstsein

  • Denkt Vegetarier*innen und Veganer*innen essen nur Salat

  • Teilt jedes private Erlebnis auf Instagram

  • … und besitzt dafür einen Selfie-Stick

  • Scrollt bei gemeinsamen Treffen ständig durch Social Media

  • Hat ein Auto als Statussymbol

  • Denkt in starren Schubladen

  • Denkt Kaffee müsse vor allem billig sein

  • Denkt im globalen Süden sei grundsätzlich alles „schlechter“ und „gefährlicher“ und in Deutschland grundsätzlich alles „besser“; benutzt auch gern das Wort „Entwicklungsland“

  • Erwartet, dass sich eine Frau seinem Leben anpasst

  • Will sich nicht festlegen

  • Antwortet nicht oder kommuniziert grundsätzlich unzuverlässig

  • Hat ein Kind, kümmert sich aber nicht darum (nur Unterhalt zahlen und mal telefonieren ist kein Kümmern)

Was sind deine Red Flags?

Einen Kommentar hinterlassen

Während ich diesen Text geschrieben habe, ist mir aufgefallen, dass die Formulierung von Red Flags manchmal auch eine moralische Gratwanderung ist. Deshalb möchte ich zum Schluss noch ein paar Worte loswerden und den Begriff eingrenzen.

Für mich sind “Red Flags” Warnsignale - also Verhaltensweisen oder Weltanschauungen, die ich in zwischenmenschlichen Beziehungen als problematisch empfinde, weil sie nicht mit meinem Wertesystem vereinbar sind und/oder mir oder anderen Menschen potenziell schaden können.

Ich finde es wichtig und richtig, Red Flags als solche zu benennen. Sie helfen dabei, persönliche Grenzen zu setzen, sich selbst und andere zu schützen und den eigenen Werten treu zu bleiben.

Deswegen halte ich es aber für genauso wichtig, Red Flags nicht mit unerfüllten Präferenzen zu verwechseln. Nicht alles, was nicht zu mir passt oder was ich irgendwie an einem anderen Menschen doof finde, ist automatisch problematisch. In dem Zusammenhang ist es auch wichtig sich den eigenen Privilegien bewusst zu sein - sonst kann man schnell mal von Selbstschutz in Überheblichkeit rutschen. Das habe ich ja auch schon im Abschnitt mit den Büchern angesprochen.

Wenn ich einen Menschen als „Red Flag“ bezeichne, werte ich ihn bewusst ab. Deshalb finde ich, dass wir mit diesem Begriff sorgfältig umgehen sollten.

Ich bin mir im Nachhinein selbst nicht 100 % sicher, ob mir das bei der Formulierung meiner Red Flags an jeder Stelle gelungen ist. Ich würde zwar behaupten ja - aber vielleicht übersehe ich auch etwas.

Naja, ich hab ja auch nie behauptet, dass ich selbst keine Red Flags in mir hab :)

Katerchen Robin hat auf jedenfall selbst keine Red Flags.

Keine Posts

Read the original on nodestination.substack.com

Comments

Nothing yet. Say the first thing.

    Sign in to join the conversation.