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no destination · Jul 8, 2026

ante mortem: wer denkt hier?

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kathikaze · no destination

Wie würde Kafka das wohl finden? Im März habe ich einen Text geschrieben, in dem ich mich entschieden habe, meine Notizbücher schon zu Lebzeiten zu öffnen – zumindest teilweise. Nun teile ich hier hin und wieder ausgewählte Einträge in ungeordneter Reihenfolge.

Berlin, 12. Dezember 2024

Ich hatte heute Nacht einen absurden Traum, und als ich aufwachte, brauchte ich eine ganze Weile um zu verstehen, dass er nicht real war. War er doch nicht, oder?

Das passiert mir öfter.

Manchmal ist es schwierig zu entscheiden, was real ist und was nicht. Wir denken immer, als gesunder Mensch wüssten wir genau, was Realität bedeutet, wo sie endet und wo Traum oder Wahn beginnen.

Ich bin mir da nicht so sicher. Ich glaube, wir vertrauen unserem Gehirn mehr, als es verdient. Die Wahrheit ist doch: Wir verstehen es nicht wirklich. Wie auch? Wir nutzen unser Gehirn - oder das Gehirn der Wissenschaftler*innen -, um das Gehirn zu erforschen. Das ist an sich schon eine ungünstige Ausgangssituation. Aber eine andere Möglichkeit haben wir nicht. Und selbst wenn wir sie hätten, würden wir sie vermutlich nicht erkennen - oder nicht ernst nehmen, weil das ja nicht rational wäre.

Manchmal frage ich mich: Steuere ich mein Gehirn oder steuert es mich? Ist es mein Werkzeug oder bin ich seins?

Eine Fahrerin (besser nicht ich) lenkt ein Fahrzeug und hat es unter Kontrolle, solange sie sich selbst unter Kontrolle hat. Allein fährt ein Auto nicht - also mittlerweile teilweise schon, aber ich gehe jetzt mal von so einem alten VW Polo aus, wie ich ihn vor einer Ewigkeit mal hatte. Und ein Computer ist nutzlos, wenn keine Software darauf installiert ist. Eine Hülle, mehr nicht.

Aber wer bin ich in meiner Existenz? Die Fahrerin? Die Software? Oder doch nur das Fahrzeug, die Hardware? Oder bin ich beides gleichzeitig? Und wenn ja, wie finden beide Teile Einklang?

Wenn ein Mensch gehirntot ist, kann die Medizin den Körper künstlich am Leben erhalten, aber einen Sinn, ein Bewusstsein, hat er dann nicht mehr… Oder?

Ich glaube, am Ende kommt man trotz moderner Neurowissenschaft immer wieder zu großen Fragen, die sich Philosoph*innen vermutlich schon seit Jahrtausenden stellen (behaupte ich jetzt einfach mal):

Wer oder was ist das „Ich“? Gibt es eine Seele? Wenn ja, wo in uns liegt sie? Wo geht sie hin, wenn ein Körper stirbt - und wie alt kann sie werden? Wie entstehen Gedanken, woraus bestehen sie und wo gehen sie hin, nachdem wir sie gedacht haben? Erzeugen wir Gedanken selbst oder kommen sie schon irgendwo her - also jetzt mal ganz unabhängig von gesellschaftlichem Druck und Sozialisierung? Was ist Realität? Was Einbildung? Und macht es überhaupt Sinn, sich diese Fragen zu stellen?

Ich glaube, ich könnte eine ganzes Buch nur mit Fragen schreiben… “20.000 Fragen, auf die niemand eine Antwort weiß.” Würde wahrscheinlich niemand lesen. lol.

Viele Künstlerinnen und Schriftsteller sagen, es fühle sich nicht so an, als hätten sie ihre Kunst oder die Geschichte selbst erschaffen, sondern eher, als hätten sie sie entdeckt. Dass sie irgendwie Zugang zu Worten, Bildern und Tönen finden, die vorher schon irgendwo existierten. Dass diese jetzt durch die Menschen mit ihren Stiften, Pinseln und Instrumenten einen Weg in unsere Welt finden. Unser Geist als Antenne für Signale, die uns rational verborgen bleiben, weil das, was wir Wissenschaft nennen, sie nicht erfassen kann. Wissenschaft, die wir mit unserem Gehirn praktizieren – diesem unzuverlässigen Mitbewohner, der uns ständig an der Nase herum führt und sich nie an den Putzplan hält.

Was ist Realität? Was ist Illusion? Und spielt das überhaupt eine Rolle?

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