🔥 Der Irankrieg befindet sich in der vierten Woche – und allmählich geht die Angst an der Börse um. Wie lange kann die Eskalation noch andauern, welche konjunkturellen Folgen wird die buchstäblich verbrannte Erde im Nahen Osten haben, und wie stark sind die Kapitalmärkte betroffen?
📉 Nach einem knappen Monat im Ausnahmezustand kristallisiert sich ein Trend heraus. Die Wall Street geht erstaunlich besonnen mit der kriegerischen Auseinandersetzung um, die das Potenzial zu einem geopolitischen Flächenbrand hat: Die Verluste von 3, 4 und 5 Prozent an der Nasdaq, im S&P 500 und im Dow Jones sind bislang noch relativ überschaubar.
🇪🇺 Deutlich stärker unter Druck geraten ist dagegen Europa: Der Euro Stoxx 50, der DAX, der CAC 40 und der FTSE haben seit Beginn des Krieges zwischen 9 und 10 Prozent an Wert verloren.
🛢️ Der wichtigste Grund für die europäische Malaise: Energie. Europa importiert einen Großteil seines Öls und Gases – der Nahe Osten ist dafür eine Schlüsselregion. Ein Ölpreisschock trifft die europäische Industrie und die Verbraucher daher unmittelbar. Die USA sind seit dem Schieferöl-Boom deutlich unabhängiger – teilweise profitiert der US-Markt sogar über Energiekonzerne.
🌍 Dazu kommt die geopolitische Nähe. Europa liegt näher am Konflikt, näher an den gestörten Handelsrouten, näher an den Verwerfungen rund um die Straße von Hormus und damit auch dem Suezkanal. Der Belastungsfaktor für Lieferketten und Handel ist real.
🏭 Gleichzeitig ist Europas Börsenstruktur verletzlicher. Im DAX dominieren energieintensive Branchen wie Chemie, Auto und Industrie. Höhere Energiepreise treffen diese Unternehmen doppelt: über steigende Kosten und über sinkende Nachfrage. In den USA dominieren dagegen Tech-Konzerne, deren Geschäftsmodelle deutlich weniger direkt an Öl und Gas hängen.
📉 Hinzu kommt das Stagflationsrisiko. Europas Wirtschaft war schon vor dem Krieg fragil, Deutschland steckte konjunkturell ohnehin in einer Schwächephase. Wenn dann Inflation durch Energie hochschießt, wächst der Druck auf die EZB, die Zinsen länger hoch zu halten. Genau diese Kombination ist toxisch für Aktienmärkte.
💵 Und dann ist da noch der Dollar: In Krisenzeiten flieht Kapital in den sicheren Hafen USA. Das heißt ganz praktisch: Geld raus aus Europa, rein in den Dollarraum. Auch das verstärkt den Druck auf DAX & Co.
🪖 Die USA haben zudem einen eingebauten Puffer, den Europa so nicht hat: Rüstung. US-Defense-Konzerne profitieren von der Eskalation — und haben im amerikanischen Markt ein deutlich höheres Gewicht als europäische Rüstungswerte im DAX. Obendrein schwächelt Rheinmetall seit Kriegsbeginn.
🔎 Kurz gesagt: Europa ist energieabhängiger, konjunkturell fragiler, geografisch näher am Konflikt und an der Börse stärker von zyklischen Industrien geprägt. Genau diese Mischung erklärt, warum der DAX seit Kriegsbeginn so viel stärker unter die Räder gekommen ist als die Wall Street.
🤔 Die Multi-Billionen-Dollar-Frage bleibt daher: Ist das 10-%-Minus der letzten drei Wochen schon eine Übertreibung — oder erst der Anfang, falls Öl weiter steigt?
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