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Zittau - meine Woche. · Jan 19, 2025

Tik Tok Down

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Kai Grebasch · Zittau - meine Woche.

Ich bekomme in letzter Zeit wieder mehr neue Follower bei Instagram. Schöne Sache, nicht zuletzt fürs eigene Geltungsbewusstseinsteufelchen. Wenn ich mir die Profile der neuen „Fans“ dann angucke, sind inzwischen auffällig viele, meist ältere Mitmenschen darunter, die bisher meinten, mit ihrer Mitgliedschaft in der Freunde von Zittau Gruppe bei Facebook und ihren täglichen WhatsApp-Status Bildchen socialmediamäßig tiptop aufgestellt zu sein. Doch nun dreht sich der Wind. Die Silberrücken machen sich auf den Weg in neue Jagdgründe. Es ist damit zu rechnen, dass nun bald verstärkt klassischer Facebook-Content die Instafeeds füllt und wer nicht schnell genug die eigenen Anzeigefiltereinstellungen tunt, für die bleibt nur, selbst in neue Welten umzuziehen. Nächste Stufe der Social Media Evolution sozusagen. Alles irgendwie auch kein Drama, gab es ja schon immer so. MySpace, Snapscouts, StudiVZ, Twitter, die Älteren erinnern sich. Immer waren die ganz jungen Leute die ersten, die irgendwann flügge wurden, und auch netzwerkseitig nicht mehr der Mutti und der ehemaligen Mathelehrerin begegnen wollten.

Für Menschen, die wie ich in der Kommunikations-, Marketing-, Medienbranche arbeiten, ist die wichtigste Aufgabe, früh genug die neuen Habitate der Generation Zukunft ausfindig zu machen, National-Geographic-mäßig zu beobachten und vorsichtige Contentannäherungen zu starten. Lange schon ist klar, dass Instagram sicher nicht gleich verschwinden wird in der Relevanztabelle für junge Menschen, aber eigentlich ist die TikTokisierung des Kinderzimmers längst so weit vorangeschritten, dass sie nicht mehr aufgehalten werden kann.

Seit heute nun ist TikTok in den USA offiziell abgeschaltet. Und zwar nicht etwa, weil dort zu viel unkontrollierbarer Müll verbreitet wird, sondern weil dort zu viel nicht von US-Unternehmen kontrollierbarer Müll verbreitet wird. Und da Donald Trump und sein Busenfreund Elon Musk genauso wie ihr Nachzügler Mark Zuckerberg lieber selbst mit Datenmüll und Onlineempörung Geld verdienen, wird das mit dem Verbot wohl auch erst einmal so bleiben. Allein, den jungen Menschen, die mit Raubkopierernetzwerken wie Piratebay oder auch mit ganz legalen Tools wie VPN-Netzwerken und Reddit, ChatGPT und so weiter aufwachsen, wird ein solches Verbot kein Hindernis sein - weder als Konsumentin noch als Contentproduzentin. Schwer wird es jetzt nur für Politikerinnen, Regierungseinrichtungen, Verwaltungspressestellen, Universitäten, Medienunternehmen und andere, die nicht so ohne weiteres mit Hilfe von Tools an Bundesgesetzen vorbei agieren können. Wenn die jungen Menschen weiter in TikTok ihre Tage verbringen - wovon ich ausgehe - dann ist seit heute die Verbreitung von Hetze und Fakenews und Hass an über 100 Millionen Nutzerinnen in den USA noch leichter geworden. Herzlichen Glückwunsch ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten und danke für diese Meisterleistung.

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Ich bin so gar kein Komödienfreund, zumindest im Theater. Gerade klassische Komödien sind meist sehr vorhersehbar und Witz entsteht selten aus der Geschichte heraus. Am 18. Januar hatte in Zittau „Der Geizige“ von Moliére Premiere und ich war entsprechend unaufgeregt. Das von Ingo Putz und Dramaturg Martin Stefke auf die Bühne gebrachte Stück überraschte mich dann doch, denn staubig war hier höchstens der als Bühnenboden fungierende Kunstrasenteppich. Das Timing stimmte, das Tempo wurde konstant hoch gehalten und auch das Spiel mit dem Publikum war nicht albern sondern ging sehr gut auf. Aus der insgesamt sehr guten Leistung des Ensembles ragte ein fulminanter Philipp Scholz heraus, der als Harpagon einen sensationellen Geizigen gab, der dem Publikum in seiner Liebe zum Mammon auch das ein oder andere Mal den ganz persönlichen Spiegel vorhielt. Das Stück wird hoffentlich sein Publikum finden. Auch wenn oder vielleicht gerade weil dies kein Humor für Feingeister ist - die Begeisterung, welche die eine oder andere mit dem Holzhammer gebrachte Pointe im Publikum erzeugte, hat das gezeigt.

Ein nicht auf das Eibauer Bier im Foyer zu schiebender, etwas bitterer Beigeschmack für einen nicht überragenden aber doch schönen Theaterabend war diesmal die in Zittau im Anschluss an die Premiere übliche Ansprache der Theaterleitung. In der einst von Schauspielintendantin Dorotty Szalma eingeführten kurzen Rede im Foyer werden nach einer Premiere die beteiligten Protagonisten des gerade gezeigten Stückes - von der Soufflage bis zur Hauptdarstellerin - noch einmal vorgestellt. Ein Extra-Applaus für alle, die die Produktion ermöglicht haben, auch für jene, die hinter der Bühne ihre Arbeit für uns machen. Die sonst launige Überleitung zur Premierenparty war nun gestern eine politische Rede von Generalintendant Daniel Morgenroth, der die aktuell - oder besser, seit Jahrzehnten - schwierige Situation um die Finanzierung unseres Theaters für eine populistische Aufforderung an „die Politik“ zu nutzen wusste. Die von vielen Politikerinnen und Politikern seit Jahren geführten Kämpfe um die Weiterfinanzierung und den Erhalt der Theaterlandschaft augenzwinkernd in Relation zum gerade gezeigten Theaterstück zu setzen, war abgeschmackt und billig und dürfte uns im Ringen um eine Zukunft für unsere Theater nicht weit bringen. Ich weiß, wie hart Aufsichtsrat und Gesellschafter für unser Theater arbeiten und dass der gestern von Herrn Morgenroth heraufbeschworene Wählerwille aktuell eher eine düstere Zukunft weisen dürfte. Der Applaus in der eigenen Blase verfälscht da sehr klar den Blick. Ein echtes Argument für unsere Theaterlandschaft sind nach wie vor Besucherinnenzahlen. Also geht zu den Vorstellungen, kauft Premierenabos, verschenkt Tickets. Wenn ein Vergleich zu Moliere gestern Abend überhaupt möglich war, dann der, dass wir alle, das Publikum, unser Theater noch mehr in Anspruch nehmen sollten.

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Der Metakonzern hat seit Trumps Wahl zum wichtigsten Mann der westlichen Welt mit seiner nicht ganz freiwilligen aber verantwortungsvoll fortschrittlichen Anti-Fakenews-Politik vom Katzentisch aus zugesehen, wie Onkel Elon es sich für das dicke Geschäft und die Meinungsführung gemütlich macht. Es war eine Frage der Zeit, bis Meta nachzieht, nachziehen musste, denn vier Jahre lang den Präsidenten auf dem Schoß des wichtigsten Gegners im zumindest nationalen Social Media Game - niemals konnte Zuckerboy das mitmachen.

Für uns ändert sich eigentlich wenig. Die Europäische Union hat ihre strengen Regeln und auf den europäischen Markt wollen Musk und Zuckerberg nicht verzichten. Zudem haben wir ja weiterhin unseren Kopf. Mit eingebautem Faktenchecker.

Wenn ich irgendwo eine Nachricht lese, bin ich immer erst einmal skeptisch. Je spektakulärer die Nachricht, desto vorsichtiger bin ich. Seriöse Nachrichten verweisen immer darauf, wo die Information her kommt. Und zwar nicht nach dem Motto „Schweizer Wissenschaftler, der aus Angst vor Verfolgung unerkannt bleiben möchte“, sondern echte Namen, echte Institutionen, echte Schriftstücke. Und ja na klar, niemand hat so viel Zeit, alles bis ins Detail nachzurecherchieren. Aber dafür gibt es auch Journalistinnen und Wissenschaftlerinnen und andere Profis, die diese Arbeit für mich machen. Und die das auch mit größter Sorgfalt machen, denn ihre Glaubwürdigkeit ist ihr größtes Kapital. Eine Journalistin, der man schlechte Recherche oder sogar Lüge nachgewiesen hat, ist erledigt in ihrem Job. Das riskiert niemand leichtfertig.

Aktuell mache ich Facebook auf und werde von Bot-Seiten zugeschüttet, die mit gekauften Fünfstelligen Followerzahlen vorgaukeln irgendwie relevant zu sein. Nach Zuckerbergs gestriger Ankündigung wird das nicht schlimmer sondern wahrscheinlich einfach nur noch mehr. Ob die Social Media Hölle ein paar Grad heißer wird, hebt mich jetzt tatsächlich nicht so an.

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