Im Mai habe ich liebe Freunde in Magdeburg besucht. Diese Stadt war bisher für mich immer nur ein irgendwie hässlicher Ort mit einer ganz guten Handball- und einer inzwischen auch wieder ganz guten Fußball-Mannschaft und einem Hundertwasser-Haus. Seit Mai ist Magdeburg für mich auch ein Ort mit viel Grün und schönen Ecken und ganz vielen Alltags-Problemen und Leuten, die etwas dagegen machen, weil es ihr zu Hause ist. Und auch nach den Ereignissen am vergangenen Freitag lese und höre ich zwar „Tote und Verletzte“ und „Liveticker - was bisher bekannt ist“ und „Olaf Scholz vor Ort“ und „Einzeltäter im SUV“, will aber trotzdem in meinen Gedanken lieber an diesem schönen Mai-Erlebnis festhalten. Bitte versteht mich nicht falsch, was auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg passiert ist, ist der blanke Horror und ich bete für die Opfer dieser schrecklichen Tat. Aber ich fürchte, solche Ereignisse werden wir in einem freien Land nicht verhindern können - oder nur auf Kosten eben dieser Freiheit. Wir können Regeln schaffen, können vorsichtig sein, Ermittlungsakten führen, aber wir können nicht alle vorsorglich einsperren, die im Internet miese Drohungen aussprechen oder auf einem Marktplatz Mitmenschen die Pest an den Hals wünschen - wir sind ja hier, Gott sei Dank, nicht im Assad Syrien. Wir müssen uns auch weiterhin aufeinander verlassen. Wir müssen uns darauf verlassen, dass Deutschland eines der sichersten Länder dieser Erde ist. Wir gemeinsam, die Menschen in unserem Land, unsere Gesetze, unsere demokratischen Regierungen, unsere Sicherheitsorgane haben es dazu gemacht.
Und gerade weil die persönliche Freiheit bei uns so ein hohes Gut ist, sind wir, ist unsere Gesellschaft genau an dieser Stelle so verwundbar. Wir können noch so vorsichtig sein: Wenn jemand mit Absicht verkehrt herum auf die Autobahn fährt, wenn jemand ein Passagierflugzeug gezielt in einen Berg lenkt, wenn jemand im Wahn sein großes Auto in einen vollen Weihnachtsmarkt steuert - wir können das nicht absolut unmöglich machen. Hier ist die verwundbarste Stelle unseres Zusammenlebens. Wir haben die Wahl, wir müssen uns ein Stück weit darauf verlassen, dass unser Nachbar uns nichts böses will - oder wir werden ein Staat, in dem jede(r) weggefangen wird, der mal hier oder da wirres Zeug erzählt. Ich müsste bei dieser Wahl nicht lange überlegen.
Ich wünsche Euch allen eine gute Zeit mit Euren Lieben. Genießt jeden Moment, jedes Lachen, jede Umarmung. Nichts ist todsicher. Seid zufrieden. Küsst, wenn Ihr könnt. Tanzt, jauchzet, frohlocket. Feiert Euch und Eure Lieben. Nichts…. Nichts ist selbstverständlich.
Frohe Weihnachten und Danke, dass Ihr Euch weiter meine Gedanken schicken lasst.
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