Zur besten Ansicht in der Web-Version lesen
Jetzt während der Sommerferien ist gewohnt weniger los in der Stadt. Zeit mal zu gucken, wo Gera so erwähnt wird. In der taz erschien kürzlich ein Text über die italienische Eisdiele De Bernardo. Seit 1934 betreibt die Familie de Bernardo ihr Eiscafé in Gera. Der Text erzählt die spannende Geschichte, wie sich die Familie in der NS-Zeit, Nachkriegsphase, der DDR und der Wendezeit durchgeschlagen hat. Einen Kritikpunkt habe ich: Im Text wird vom „unspektakulären thüringischen Gera“ geschrieben. Da habe ich als Lokaljournalist eine ganz andere Meinung.
Die ÖRR-Angebot „Funk“ hat in einem Instagram-Beitrag einige deutsche Städte aufgelistet samt der Lieder, die laut GEMA am häufigsten für Veranstaltungen angemeldet werden. In Gera ist es „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens. Hättet ihr das gedacht?
Gera wurde übrigens auch im Sportschau-Livestream zur Tour de France erwähnt. Bei Etappe 13 wird eine Fangruppe aus unserer Stadt gezeigt und erwähnt. Apropos Tour de France: Der aus Gera stammende Radprofi John Degenkolb fährt seine elfte und letzte Tour. Er hat Etappen bei der Vuelta a España, dem Giro d’Italia und der Tour de France gewonnen und holte 2015 bei dem Klassiker Paris–Roubaix den Gesamtsieg. Degenkolb, der mittlerweile in Frankfurt am Main lebt, hat im Tourfunk-Podcast der Sportschau über seine letzte Tour und seine Karriere gesprochen.
Ich muss mich mal noch über etwas beschweren. Ist euch aufgefallen, dass immer mehr Veranstalter ihre Flyer mit KI generieren? Alle das ähnliche überladene Layout, gleiche Schriftarten und denselben seltsamen Look von KI-generierten Bildern. Nix sticht mehr hervor, ist individuell. Selbst die Stadtverwaltung macht da mit. Ich bedauere diese Entwicklung. Denn gerade Kreativität macht doch das Leben schön! Also ganz ehrlich, wenn's von ’nem Kind per Hand gezeichnet wurde, holt mich das mehr ab, als KI-generiert. Warum? Weil ich weiß, dass sich ein Mensch dafür Mühe gemacht hat. Und das kritisieren gerade auch viele andere im Internet (hier, hier oder hier). Die sagen: Wenn sich jemand keine Mühe für die Werbung und den Flyer macht, wurde sich dann überhaupt für die Veranstaltung Mühe gegeben? Ich kann schon verstehen, dass vielen Zeit und Geld fehlen, Künstler oder Designer zu engagieren. Weil wir hier bei Gerda aber konstruktiv sein wollen, hier meine Idee für eine Lösung: eine Ateliersgemeinschaft von mehreren Kunstschaffenden, bei denen man im Laden handgemachte Flyer bekommt. Auf den digitalen Plattformen sieht man immer wieder Videos, von „Kunst-Automaten“, bei denen Künstler*innen innerhalb weniger Minuten eine kleine Zeichnung anfertigen. Weil im Laden mehrere Kunstschaffende sitzen, gibt es auch verschiedene Kunststile. Und abgesehen, von den Kunstschaffenden in Gera, gibt es hier in der Region einige Quellen für gute Kunst. Beispielsweise die Burg Giebichenstein in Halle oder die HGB in Leipzig. Im Gegensatz zu den beiden genannten Städten hat Gera freie Ladengeschäfte und große Flächen, die als Ateliers dienen können. Man könnte gleich mehrere positive Sachen zusammenlegen: schöne kreative Flyer, ein leeres Geschäft weniger und Ateliers für junge Kunstschaffende. Also, die Idee ist da, macht was draus!
Übrigens: In der neuen Sonderausstellung des Otto-Dix-Hauses werden auch Veranstaltungsplakate (von Otto Dix und seinem Schüler Ernst Holzhäuser) gezeigt. KI-Flyer werden das nicht schaffen.
Euer Jacob von Gerda
Am Sonntag eröffnet das Otto-Dix-Haus seine neue Sonderausstellung „fest feiern“. Darin sind verschiedene Werke aus dem Bestand der Kunstsammlung Gera zu sehen, die sich alle um das Thema „Feiern“ drehen. „In einer Welt, die immer komplizierter wird, ist man froh über Strukturen und Konstanten – wie regelmäßige Feste“, erklärt Dr. Claudia Schönjahn, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kunstsammlung Gera, die Bedeutung von Festen. Ob galante Feste von Adligen, wilde Feten aus dem alten Rom, opulente Familienfeiern, bunte Dorffeste oder strikte Jungpionier-Veranstaltungen. Vieles davon sind interessante Wimmelbilder. Neben Gerschen Künstlern wie Otto Dix, Alexander Wolfgang und Erich Drechsler präsentiert die Ausstellung auch Werke von unbekannten oder nicht aus Gera stammenden Künstlern. Das älteste Werk stammt aus dem 16. Jahrhundert, das jüngste Bild ist von 1990. „Viele dieser Werke haben sonst kaum eine Chance aus dem Depot“, erläutert Schönjahn. Außerdem hat Gera zurzeit viel zu feiern. Bis zum 18. Oktober 2026 ist die Ausstellung zu besichtigen. Es steht noch kein Datum fest, aber bis dahin soll ein schönes Fest am Otto-Dix-Haus stattfinden.
Die Geraer Spitzensportlerin Angelina Otto (Inline-Speedskating) hat bei den European Championships Track im italienischen Cardano al Campo den dritten Platz auf der Distanz 1000m Sprint erreicht. Bei den 1000m Elimination wurde sie 13. Außerdem holte Otto einen sechsten Platz bei den 5000 Metern sowie einen vierten Platz bei der 3000-m-Staffel. Die 26-jährige Otto tritt bei den Senior-Frauen an.
Auch beim 1000-Meter-Sprint der Juniorinnen gab es mit Nele Gaßmann einen dritten Platz für eine Gersche Sportlerin. Gaßmann wurde überdies Fünfte bei der 1000-m-Elimination und Zweite bei der 3000-m-Staffel. Die Meisterschaft läuft noch bis zum 26. Juli.
Auch im Radsport gibt es einen Erfolg einer aus Gera stammenden Sportlerin zu vermelden. Lena-Charlotte Reißner, letztjährige Derny-Europameisterin, konnte ihren Titel bei der Steher- und Derny-Europameisterschaft im italienischen Pordenone verteidigen. In der Disziplin Derny, hat Reißner auf der Radrennbahn ein Motorrad als Schrittmacher vor sich, welches ihr durch Windschatten höhere Geschwindigkeiten ermöglicht und den Rennverlauf strategisch beeinflusst. Zusammen mit ihrem Schrittmacher Marcel Möbus trat Reißner für den PSV Forst Lausitz an und konnte sich im Finale (Distanz 25 km) gegen zwei italienische Teams durchsetzen. Nach der EM am 18. und 19. Juli ist die 25-Jährige direkt weiter nach Kaarst-Büttgen/NRW, wo vom 22. bis 26. Juli die 139. Deutsche Meisterschaft Bahnradsport stattfindet.
Die Geraer Bundestagsabgeordnete und Ostbeauftragte der Bundesregierung Elisabeth Kaiser (SPD) hat am 17. Juli ihre neue Veranstaltungsreihe „KLARTEXT.“ gestartet. Unter diesem Motto will sie durch ihren Wahlkreis touren und sich den Fragen der Bevölkerung zur Arbeit der Bundesregierung, der sie als Ostbeauftragte angehört, stellen. Beim Auftakt im Heinrichs in Gera gab es besonders zu den Themen Psychotherapie, Reichensteuer und den derzeitigen Reformen generell Fragen und Diskussionen. Eine junge Frau, die in Potsdam kurz vor dem Abschluss im Psychologie-Studium steht, sieht in ihrem Beruf keine Zukunft. Eine Gewerkschafterin zeigte sich enttäuscht von den Reformen und ein Mann frug, wie lange die SPD noch die Politik der CDU mittragen will. Kaiser versuchte, sich und die Arbeit der Regierung zu erklären. „Hätten wir nichts getan, wären die Rentenbeiträge deutlich gestiegen“. Sie sprach über die Streitigkeiten in der Koalition und anstehende Gesetzesänderungen, unter anderem zur Erbschaftssteuer. Sie erklärte auch die geplante IFG-Gesetzesänderung: „Es geht darum, dass radikale Parteien mit unzähligen Anfragen die Behörden lahmlegen.“ Ihr sei eine transparente Regierung jedoch sehr wichtig.
Nachdem in der Woche zuvor bereits jemand aus Berlin da gewesen war, holten sich die Rechten diesmal den Rechtsextremisten Marcus Fuchs aus Dresden als Gastredner. Der organisiert seit der Coronazeit Versammlungen, macht Medienaktivismus und nahm unter anderem 2024 am ausländerfeindlichen Protestcamp vor einer Geraer Flüchtlingsunterkunft teil. Trotz seiner Anwesenheit war die rechte Versammlung überschaubar.
Abgesehen davon, dass sie zweimal laut gegen die Rechten protestierten, hörten sich die Antifaschist*innen am Theater eine Gesprächsrunde zum Thema Inklusion an. Betroffene Personen und Mütter von Kindern mit Behinderung erzählten von ihren Erfahrungen und schilderten ihre Bedürfnisse und Wünsche. Dabei wurde auch deutlich gemacht, dass auch Menschen ohne Behinderung von Inklusion profitieren. Als deutliches Beispiel wurden die Bordsteinabsenkungen genannt. Ursprünglich für Rollstühle gedacht, machen sie auch Personen mit Kinderwägen, Geheinschränkungen oder Fahrrädern den Alltag leichter. Während sich die betroffenen Personen vor dem Publikum mit Einblicken in ihren Alltag öffneten, beleidigte ein Radfahrer die Menschen auf der Kundgebung als „rot lackierte Faschisten“. Bei dem Mann handelt es sich um einen Versicherungsmakler aus der Region, der selbst immer wieder bei der Montagsdemo auftaucht und mit dem Unternehmer, der die erste Corona-Demo organisiert hat, eng befreundet ist. Seine Aussage ist ein Beispiel für den Geschichtsrevisionismus einiger rechter Kreise, die absurde Dinge behaupten, wie, dass die Nationalsozialisten links gewesen sind oder dass die heutige Antifa-Bewegung die Nachfolge der SA ist. Dabei werden historische Tatsachen gekonnt ignoriert bzw. verdreht.
Etwas Ärger gab es dann noch zwischen den Antifas und der Polizei. Versammlungsleiter Janusz Riese kritisierte, dass die Rechten zuvor beim Gegenprotest direkt an die Haltestelle daneben gelassen wurden und aus nächster Nähe pöbeln und filmen konnten. Ein Polizeibeamter soll im Klärungsgespräch wohl beschwichtigt haben: „Es sei ja niemand getötet worden“. Dabei befürchten die Antifas Schlimmeres. Einer der Rechten, der sich den Gegenprotest meist aus nächster Nähe anschaut, ist ein vorbestrafter Ex-Fremdenlegionär.
Text: Paul Kurz & Jacob Queißner
Ob es nur das Sommerloch ist, ob bei den Rechten generell langsam die Luft raus ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Seit ein paar Monaten verschwinden nach und nach die Gesichter der unter 50-Jährigen. Man kann zudem beobachten, wie einige unterwegs die Route abkürzen und andere, die einst regelmäßig dabei waren, nur noch selten auftauchen. An jenem Tag machten sich die Organisatoren nicht mal mehr die Mühe, eine Rede zu halten. Stattdessen wurde bei der Zwischenkundgebung vor dem KuK ein „patriotisches“ KI-Lied abgespielt.
Ganz anders sah es bei der Kundgebung „Gutes für Gera“ am Theater aus. Unterbrochen von zwei Protesten gegen die Rechten, gab es ein Doppelkonzert der beiden Bands Disappointments und KEIN ALASKA. Disappointments ist eine junge Band aus Nettetal an der niederländischen Grenze und beschreibt ihre Musik als „Whatever-Core“. KEIN ALASKA stammen aus Leipzig und spielen Post-Hardcore. Die wild gemixten Genres sind verbunden durch teilweise linksradikale Texte. Es wurde Bezug genommen auf die Keine-Angst-Causa durch die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ sowie mit dem Publikum zusammen die antifaschistische Hymne „Auf die Barrikaden“ gesungen. „Vielen Dank, dass ihr das hier weiter macht“, bedankte sich KEIN ALASKA bei Gutes für Gera.
Die Stimmung war sehr gut. Bei beiden Bands kam es zu Moshpits. Am Ende gab es deshalb gleich zwei Zugaben. Nachdem es zwei Wochen zuvor Anwohnerbeschwerden wegen der Lautstärke gegeben hatte, war eine Frau der Immissionsschutzbehörde mit Messgerät anwesend. Nachdem zu Beginn die Lautstärke bereits runtergeregelt worden war, ließ sich Empörung über die weitere Messung beobachten. Dem Sprechchor „Laut gegen Rechts“ als Begründung für die Lautstärke entgegnete die städtische Mitarbeiterin mit dem Drohen einer Anzeige wegen Beleidigung. Die Wogen wurden schnell geglättet und das Konzert ungestört bis zum Ende abgehalten.
Text: Paul Kurz & Jacob Queißner
Die Stadt Gera möchte wissen, ob Gera familienfreundlich ist, was in der Hinsicht funktioniert und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt. Noch bis zum 9. August läuft die Familienumfrage 2026. Teilnahme über: orbit-jena.de/familien-gera-2026. Die Ergebnisse sollen in den Teilfachplan „Hilfen zur Erziehung und Förderung der Erziehung in der Familie“ einfließen.
Im Rahmen des SMARTCity-Projektes hat die Stadt Gera ein neues großes Projekt in der digitalen Stadtentwicklung vorangetrieben. „Wir wollen uns digital entwickeln“, erklärt Andreas Beer vom SMARTCity-Projekt. Beginnend am 13. Juli wurde das Stadtgebiet über zwei Wochen lang systematisch erfasst. Dazu fuhren bis zu drei Aufnahmefahrzeuge von Cyclomedia die rund 700 Kilometer öffentliches Straßennetz ab und kartografierten Gera. Mittels einer 103-Megapixel-starken 360°-Kamera und Laserscannern entstanden alle fünf Meter höchstauflösende Bilder (Cycloramas) mit Bildtiefe und Georeferenzen. Diese werden anschließend ausgewertet und in Datensätze umgewandelt. Bis Ende 2026 sollen sie aufbereitet sein. Mit den Daten, auf die bestimmte Personen aus der Stadtverwaltung zugreifen können, kann in Zukunft effizienter gearbeitet werden. Besonders kritische Infrastruktur soll besser gemanagt werden. Aber generell soll es die Abläufe in der Stadtverwaltung vereinfachen. Für eine Planung muss dann niemand mehr hinausfahren und vor Ort vermessen.
So kann die Umweltbehörde mit den Daten eine Flutsimulation für besseren Hochwasserschutz durchführen, oder das Stadtplanungsamt kann Bordsteinhöhen für eine inklusionsgerechte Gehweggestaltung einsehen. In gewisser Weise ist es eine Inventur, weil dann auch Verkehrsschilder und Gullydeckel registriert und gezählt werden. Über die Open-Data-Plattform der Stadt werden einige Datenpakete auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. So können Baufirmen besser Baueinsätze planen oder Werbeagenturen sich einen Überblick über Werbetafeln in der Stadt verschaffen. Cyclomedia, die bereits rund 45 Jahre Erfahrung in Vermessung haben, fokussieren sich seit sieben Jahren auf digitale Vermessung. „Durchweg positives Kundenfeedback“, vermeldet Cyclomedia-Deutschland-Geschäftsführer Markus Wissmann. Auf den Datenschutz wird geachtet. Gesichter und Kennzeichen werden unkenntlich gemacht. Cyclomedia ist zudem Mitglied im Verein Selbstregulierung der Informationswirtschaft (SRIW) sowie Mitverfasser des Geodatenkodex und setzt obendrein einen eigenen DSGVO-Datenschutzbeauftragten ein.
Für das Projekt „Open Data“ nutzt Gera 850.000 Euro vom SMARTCity-Geld. Davon werden rund 600.000 Euro für die Arbeit mit Cyclomedia aufgewendet.
Unter dem Motto „Meine Stadt der Zukunft“ hatte die Stadt Gera Kinder und Jugendliche dazu aufgerufen, ihre Ideen und Visionen für Gera zu malen. 80 Bilder wurden bei dieser nunmehr fünften Ausgabe des Mal- und Zeichenwettbewerbs eingereicht. 45 Werke sind bis zum 5. September 2026 in der Stadt- und Regionalbibliothek Gera am Puschkinplatz zu sehen. Unterteilt sind sie in die drei Altersklassen: 10 bis 12 Jahre, 13 bis 17 Jahre, ab 18 Jahren. Eine Jury bewertet nun diese Bilder und verkündet Ende August die Gewinner.
Für die Bibliothek gibt es zudem eine eigene App. Darin kann man die Ausleihen managen und auch die verschiedenen Familienkonten besser im Blick behalten. Obendrein findet man darin Öffnungszeiten, Standorte, und Veranstaltungen sowie digitale Angebote und Social-Media-Accounts. In Appstores ist sie kostenlos als „biblio gera“ zu bekommen.
02.08.
1666: Vor 360 Jahren ordneten „Ihre fürstlichen Gnaden“ eine Besichtigung und Einschätzung zu den Zuständen in der Meisterei des Scharfrichters an. Scharfrichter Elias Heyland war verstorben und seine Witwe Anna Katharina Heyland schaffte es nicht sich neu zu vermählen. Sie wollte Scharfrichter Hans Wilhelm Fischer aus Weida heiraten, doch weil dieser der Sohn vom Stiefbruder ihres verstorbenen Mannes war, untersagte die Kirche die Heirat. Sie wartete, dass ihr ältester Sohn alt genug für das Amt wäre, doch bis dahin musste immer ein Scharfrichter von außerhalb einbestellt werden. Also wurde die Meisterei neu verpachtet. Während Esaia Ötte aus Ronneburg als neuer Scharfrichter einzog, stand die Familie Heyland plötzlich ohne Bleibe da, weil sie niemand aufgrund ihres „verächtlichen Standes zu hauß einnehmen will“. Die Scharfrichter-Meisterei befand sich im nach ihr benannten Meistergässchen, welches an der Stelle der heutigen Arcaden lag.
1876: Hermann Drechsler wurde vor 150 Jahren in Göttendorf bei Langenwetzendorf geboren. Der Textilarbeiter war bei der SPD und gehörte 1918 dem Arbeiter- und Soldatenrat von Gera an. Drechsler ist zudem unter anderem in der kommunalen und Landesverwaltung tätig und schreibt für die „Reußische Tribüne“. Von 1908 bis 1910 sitzt er im reußischen Landtag, 1922–1924 und 1945/46 ist er Landrat des Kreises Gera. Von den Nazis wird er aus seinen Ämtern enthoben und verfolgt. Seine Zeit im KZ Buchenwald überlebt er. Ihm ist eine Straße in Untermhaus gewidmet. Sein Sohn Erich war Künstler und Arzt in Gera.
04.08.
1981: 45 Jahre ist es her, dass die Antifaschistin Martha Müller in Gera starb. Sie war seit 1919 bei der KPD und betätigte sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Müller soll dabei unter anderem den Ostarbeitern, Zwangsarbeitern aus Osteuropa, geholfen haben.
05.08.
1706: Justus Amadeus Ebeling wurde vor 320 Jahren in Gera geboren. Der weltreisende Kaufmann ließ 1732 in der Mühlengasse ein Gebäude errichten, das einen auffälligen Turm besaß. Diesen nutzte der vielseitig interessierte Ebeling für astrologische Beobachtungen. Im Haus war zudem ein chemisches Laboratorium. Später wurde es als Fabrik benutzt und diente eine Zeit lang als Unterkunft für verarmte Familien, was dem Objekt den Namen „Bettelburg“ einbrachte. 1996 wurde das Gebäude abgebrochen und die Fläche mit einem Bürokomplex (Deutsche Rentenversicherung Bund) bebaut.
Animationsworkshop
Von: Kunstschule Gera e.V.
Ort: Kunstschule, Häselburg
Zeit: 27.77. bis 28.07.; 03.-04.08. & 10.-11.08.26
offene Probe des Kneipenchors
Von: Geraer Kneipenchor
Ort: Kaiserwerke
Zeit: 25.08.2026, 18:30 Uhr
Stasi-Archiv-Führung
Ort: Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv Gera, Hermann-Drechsler-Straße 1
Zeit: 05.08.2026, 16:00 Uhr
Eintritt: frei
Ausstellung: Zeitreise durch die Geschichte des Milchhofs Gera
Von: TAG Geschichtswerkstatt
Ort: TAG Geschichtswerkstatt, Kastanienstraße 7
Zeit: bis 26.02.2027, geöffnet Donnerstags, 15–17 Uhr oder nach Vereinbarung
Eintritt: frei
Brauereifest mit Streetfood und Musik von BLUSOFA
Ort: Zapfhahn, Steinweg 7
Zeit: 25.07.2026, ab 15:00 Uhr
Eintritt: Frei
Konzert: trauma glow / recovery day / hannah louve benedum
Von: Burn Burn Booking
Ort: Altes Wannenbad
Zeit: 29.08.2026, 19:30 Uhr
Eintritt: 5-10€
Historische Wanderung durch Debschwitz (Motto „Von Villen, Wald und Brücken“)
Von: Heimatverein Debschwitz
Ort: Startpunkt an der Radrennbahn
Zeit: 08.08.2026, 09:30 Uhr
MOTHEK in Lusan
Von: Anna Barth / Häselburg
Ort: Freifläche am ehemaligen Rewe und Crash-Jugendclub in der Zeulsdorfer Straße
Zeit: 29.07.2026, 12:00-17:00 Uhr
Abschiedskonzert von Kapellmeister Thomas Wicklein
Von: Theater Altenburg Gera
Ort: Hofgut
Zeit: 16.08.2026; 18:00 Uhr
Workshop „Alte Bilderrahmen neu gestalten”
Von: Museum für Angewandte Kunst
Ort: Musak Gera, Greizer Straße 37
Zeit: 07.08.2026, 15:00 Uhr
Teilnahme mit gültigem Museumsticket kostenfrei
Voranmeldung via buechel.elena@gera.de
Was für OpenAI ein „beispielloser Cybervorfall“ ist, klingt wie eine fiktive Geschichte aus einem Dystopie-Roman. Beim Testen von KI-Modellen des Chat-GPT-Entwicklers OpenAI ist eine KI aus ihrem Testumfeld ausgebrochen und hat eigenständig die Firma Hugging Face gehackt. Der Angriff erfolgte autonom. Mehr dazu bei der Tagesschau.
Auflösung Bild GG55: Die Jüdengasse ist eine von Geras kürzesten Straßen. Sie ist nur wenige Meter lang und verbindet den Markt mit dem Kornmarkt. Woher der Name der Gasse stammt, wurde nie richtig geklärt. Einige vermuten, der Name deutet auf jüdische Ansiedlungen im Mittelalter oder jüdische Marktstände in dieser Gasse hin. Andere glauben, die Gasse wurde nach der Familie Jüde benannt. Im Mittelalter war es oft so, dass Gassen den Namen von anliegenden Grundbesitzern bekamen. So wie auch Buttermanns Gäßchen oder die Kaysergasse. Tatsächlich ist 1624–1626 ein Lehrer Jüde am Gymnasium nachgewiesen. Das Rätsel um die Herkunft machte auch den Nationalsozialisten Gedanken. Kurz nach der Machtübernahme begannen sie in Gera Straßen und Plätze umzubenennen. Doch verstieß die Jüdengasse gegen ihre antisemitische Ideologie, oder hat der Name ganz andere Gründe? Es existiert über die Debatte ein Schreiben von Oberbürgermeister Walter Kießling (NSDAP) an das Thüringer Polizeipäsidium Gera 1934: „Übrigens hat der Führer des Marinesturms (der SA-S.M.) mir auch vorgeschlagen, die >Jüdengasse< umzubenennen in Skagerrak (enge Durchfahrt). Es kann sehr zweifelhaft sein, ob die Bezeichnung Jüdengasse überhaupt mit den Juden etwas zu tun hat. Aber auch wenn es der Fall wäre, würde ich meinerseits daran keinen Anstoß nehmen. Jüdengassen und Straßen haben wir ja fast in allen Städten, die im Mittelalter schon eine gewisse Bedeutung gehabt haben. Im Gegenteil deuten sie darauf hin, dass früher die Juden auf einen bestimmten Stadtteil beschränkt waren und nicht so frei herumlaufen durften wie jetzt. Andererseits kann man nicht leugnen, dass die Bezeichnung einer engen Durchfahrtsstraße mit ,Skagerrak' ganz reizvoll wäre.“
Am Ende blieb die Jüdengasse bestehen. Übrigens ist die Gasse eine der wenigen Straßen ohne Adressen. Alle anliegenden Gebäude sind entweder dem Markt oder dem Kornmarkt zugeordnet. Seit 2023 ist die Gasse zudem eine Sackgasse. Ein Blumenkübel versperrt die Durchfahrt. Übrigens gibt es hier noch ein interessantes Detail. Weit oben sind in der Fassade des Rathauses zwei Figuren eingelassen. Herkunft und Bedeutung sind unbekannt. Der Geraer Historiker Frank Rüdiger vermutet, dass die Figuren vom alten Rathaus stammen, den Stadtbrand überlebt haben und von den Bauarbeitern wiederverwendet wurden.
Zusammengestellt von Paul Kurz:
Dreh von Propaganda-Video in Gera: Am Freitag (24.07.) nutzen Personen von der Generation Deutschland die malerische Kulisse von Untermhaus für ein Propaganda-Video. Darin machten sie Werbung für den „Tag der Deutschen Jugend“ der Generation Deutschland am 1. August in Schwerin. Drei Personen waren am Dreh beteiligt, vor der Kamera stand Kevin Flurschütz. Er kommt aus Hildburghausen und gehört zum GD-Landesvorstand. Die Generation Deutschland, so wie die Jugendorganisation der AfD nun heißt, ging aus der formal aufgelösten Jungen Alternative hervor.
Proteste im Ostthüringer Wald: Für den 29. Juli mobilisieren die Freien Greizer zu Protesten gegen den Thüringer Umweltminister Tilo Kummer im „Nässa-Wald“ zwischen Triebes und Neuärgerniss auf. Grund dafür sind kaputte Wege nach Forstarbeiten, die sich der Minister anschauen will. Aufgerufen hat dazu die Bürgerinitiative Nässa-Wald. Die Freien Greizer sind eine Gruppe, die während der Corona-Pandemie entstanden ist, sich an Versammlungen von Reichsbürgern und Rechtsextremen beteiligt und zum Teil die Medienarbeit der Patrioten Ostthüringen macht.
Hast du auch rechtsextreme Umtriebe in Gera und Umgebung beobachtet? Schreib uns: gerdaausgera@posteo.de
Bis dahin gilt: Abonniere & empfehle Gerda gerne weiter.

Comments
Nothing yet. Say the first thing.
Sign in to join the conversation.