Vor kurzem habe ich anlässlich der Nerd-Talk-Ausgabe zur Einrichtung von Schreibtischen drüben im Stamm-Café meinen Arbeitsplatz mal wieder ein bisschen genauer betrachtet. Dabei fiel mein Blick mal wieder auf diesen Schreibtisch-Organizer, der seit zwei Jahren meinen Arbeitsplatz schmückt:
Er sieht echt schick aus (finde ich zumindest) und sorgt – zusammen mit einem Schreibtisch-Aufsatz und zwei darunter angebrachten Schubladen – für ein bisschen weniger Unordnung an meinem Arbeitsplatz. Besonderes Highlight ist das eingebettete MagSafe-Ladegerät, das mein Handy magnetisch an Ort und Stelle hält und kabellos auflädt.1
Als ich den Wunsch nach einem solchen Schreibtisch-Organizer vor wenigen Jahren an meine Familie richtete, war ich darauf eingestellt, zugunsten von Ordnung und Ästhetik einige Nachteile in Kauf zu nehmen:
Bisher war ich es gewohnt, mein Telefon überall mittels Kabel aufzuladen, was schnell geht und eine gleichzeitige Bedienung ermöglicht. Kabelloses Laden ist dagegen langsam. Außerdem muss das Handy an dem Magneten bleiben, um geladen zu werden.
Aber schon nach kurzer Zeit erwiesen sich auch diese vermeintlichen Nachteile als vorteilhaft:
Erstens schont das langsame Laden den Handy-Akku und verlängert (unter den richtigen Voraussetzungen2) dessen Lebensdauer.
Zweitens — und viel entscheidender — habe ich das Handy zu Hause weniger in der Hand, weil ich es zum Laden an der Station lasse. Wenn ich es dann wieder an mich nehme, ist es aufgeladen.3
Zumindest für mich und meine Prioritäten — mehr Präsenz während der Familienzeit — ist der technische Rückschritt überhaupt kein Problem. Die Vorteile überwiegen deutlich.4
Diese Erkenntnis hat mich zum Nachdenken gebracht: In welchen Lebensbereichen kann eine vermeintliche Verschlechterung zu einer tatsächlichen Verbesserung führen?
Ein weiteres Beispiel aus meinem Alltag ist schnell gefunden: Das Anfertigen von Aufzeichnungen mit Stift und Notizbuch ist eindeutig ineffizienter, als eine der unzähligen Notizen- oder Produktivitäts-Apps am Handy oder PC zu nutzen. Aber man merkt sich das Aufgeschriebene eher und kann mehr und einfacher visuell arbeiten. Außerdem ist man nicht vom Funktionsumfang und der Zuverlässigkeit der Technologie abhängig. Und: Gerade das langsamere Schreiben von Hand sorgt dafür, dass man mehr über das Geschriebene nachdenkt.5
Dazu kommt (zumindest für mich) auch wieder ein ästhetischer Aspekt: Ich schreibe Texte wie diesen wirklich gern mit Tablet und Tastatur.6 Aber es kommt bei weitem nicht an das Arbeiten mit einem guten Stift in einem hochwertigen Notizbuch heran.
Nicht immer besteht Optimierung darin, das Beste, Schnellste oder Neueste zu nutzen oder zu tun. Faktoren wie Vergnügen bei der Benutzung und Übereinstimmung mit den eigenen Werten, mit der angestrebten Identität, können genauso wichtig sein.
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Und ja, daneben steht eine elektrische Kaffeetassen-Heizplatte. Aus Gründen.
Hier habe ich kurz über die von Cal Newport als “Handy-Foyer-Methode” bezeichnete Idee geschrieben.
Möchte oder muss man sein Handy schnellstmöglich vollgeladen und jederzeit griffbereit haben, sieht das natürlich anders aus.
Tatsächlich habe ich in den letzten Jahren einigen Aufwand betrieben, um die besten Tastaturen zum Schreiben am Tablet zu finden. Meine Sammlung an Bluetooth-Tastaturen ist bei weitem nicht so umfangreich wie mein Notizbuch-Vorrat, aber sehr wahrscheinlich größer als die der meisten Leute.

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