Während Ende August vielerorts noch Sommerferien, Grillabende und Feierabendgetränke den Tag bestimmen, scheinen Adventskranz und Weihnachtsbaum denkbar weit entfernt. Doch in 100 Tagen ist bereits der erste Sonntag im Advent.
Für die Kirche ist der erste Advent nicht nur der Beginn des weihnachtlichen Festkreises, sondern auch der Start eines neuen Kirchenjahrs. Wir befinden uns jetzt gewissermaßen im Jahresendspurt. Nur etwas mehr als drei Monate bleiben uns noch. Das sind 100 Tage, 2.400 Stunden, 144.000 Minuten. Wie gelingt es uns, dass diese Zeit nicht vorbeirast?
Danken und gedenken
Anfang Oktober feiern Christen Erntedank. Das Fest erinnert daran, dass vieles von dem, wovon wir leben, nicht selbstverständlich ist. Traditionell werden dafür Früchte, Gemüse, Getreide und andere Lebensmittel vor den Altären der Kirchen aufgebaut und Gott gedankt.
Nur wenige Wochen später verändert sich die Stimmung: Am 1. November feiert die katholische Kirche Allerheiligen, einen Tag später folgt Allerseelen, das Gedenken an die Verstorbenen. Viele Menschen besuchen in diesen Tagen Friedhöfe, schmücken Gräber und entzünden Kerzen.
Feiern und erinnern
Unterbrochen wird das Gedenken durch den Beginn der Karnevalssession. Am 11.11. zieht es Jeckinnen und Jecken insbesondere im Rheinland nach draußen. Die fünfte Jahreszeit sehnen viele herbei. Andere ziehen am Abend mit Laternen durch die Straßen und gedenken so des Heiligen Martins.
Im November folgen weitere Gedenktage. Der Volkstrauertag erinnert an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Evangelische Christen begehen den Buß- und Bettag. In der katholischen Kirche steht am letzten Sonntag des Kirchenjahres Christus als König im Mittelpunkt.
Hoffen und warten
Mit dem Christkönigssonntag endet das Kirchenjahr. Es geht in den letzten drei Monaten somit um Ernte und Dankbarkeit, um Heilige und Verstorbene, um Krieg und Frieden, um Tod und Hoffnung. Dass sich gerade im Herbst viele Gedenktage häufen, passt zu dem, was Menschen in der Natur erleben. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken, Blätter fallen von den Bäumen. Was im Frühjahr gewachsen und im Sommer aufgeblüht ist, wird geerntet oder vergeht.
Das Kirchenjahr nimmt diese Erfahrungen auf. Dabei bleibt es allerdings nicht beim Tod stehen. Die christliche Vorstellung vom Ende ist mit der Hoffnung verbunden, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Gerade deshalb endet das Kirchenjahr mit Christus als König der Welt. Mit dem Advent, der Zeit des Wartens, ist die Gewissheit verbunden, dass wieder etwas Neues beginnt.
100 Tage – aber wofür?
Wer heute auf den Kalender schaut, muss deshalb noch lange keine Weihnachtsgeschenke kaufen oder Plätzchen backen. Dafür liegt in der Zeit eine große Chance. Ostern, Pfingsten und die Sommerferien sind vorbei. Der Weihnachtsstress hat noch nicht angefangen. Es bleibt Zeit für Familie, Freunde – und sich selbst.
Wir können in den nächsten 100 Tagen die Zeit nutzen, um zu danken und zu gedenken, zu feiern und zu erinnern, zu hoffen und zu warten. Wir können unsere Routinen hinterfragen. Wir können neue Hobbys ausprobieren, kleine Spätsommer-Ausflüge unternehmen oder Herbstspaziergänge machen. Lange bevor Glühwein, Adventskalender und "Last Christmas" uns wieder aus dem Alltag reißen.
Kirchenjahr
Der Jahreskreis der christlichen Feste heißt Kirchenjahr. Es beginnt am ersten Adventssonntag und endet am letzten Sonntag vor Adventsbeginn. Die Katholiken feiern dann das Christkönigsfest, die Protestanten den Ewigkeits- oder Totensonntag, an dem sie der Verstorbenen gedenken.
Der Advent gilt als Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu am 25. Dezember. Der Weihnachtsfestkreis endet am Sonntag, der auf das Dreikönigsfest vom 6. Januar folgt, mit dem Gedenken an die Taufe Jesu.

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