DOMRADIO.DE: Wie kann man sich denn so einen Gießkannen-Gottesdienst vorstellen?
Pfarrer Stephan Ebelt (Evangelische Philippusgemeinde Gießen): Ein Gießkannen-Gottesdienst hat natürlich mit Gießkannen zu tun. Der Anlass war, dass wir innerhalb der Sommerkirche einen Gottesdienst im Pfarrgarten hatten. Dabei bin ich auf das Thema Gießkannen gestoßen, dass Gießkannen auch etwas über unseren christlichen Glauben erzählen können.
Da war es naheliegend, nicht nur darüber zu reden, sondern Gießkannen da zu haben. Deswegen bin ich zum Gießkannenmuseum gegangen und habe dort Gießkannen ausgeliehen.
DOMRADIO.DE: In dem Gottesdienst wurde dann auch richtig gegossen?
Ebelt: Nein, aber es waren auf der Bühne, auf dem Altar und um den Altar bestimmt um die zehn Gießkannen.
DOMRADIO.DE: Was für Gießkannen hatten Sie auf und neben dem Altar?
Ebelt: Erst mal die fünf oder sechs Gießkannen, die ich im eigenen Haushalt, im Gemeindehaus und im Bauhaus gefunden habe, und die vier besonderen Gießkannen aus dem Gießkannenmuseum. Eine Gießkanne wurde in Afrika aus einer Ölkanne gebastelt; eine weitere Gießkanne gehörte einem ehemaligen Turmbläser von Gießen, eine Gießkanne in Hundeform fand ich sehr außergewöhnlich, und eine Gießkanne, die man im Shop des Gießkannenmuseums erwerben kann.
DOMRADIO.DE: Nach welchen Kriterien haben Sie sich die Gießkannen im Gießkannenmuseum ausgesucht? Wie groß war die Auswahl?
Ebelt: Die Auswahl war enorm. Ich habe bei der Frau, die die Aufsicht hatte, gefragt, ob sie mir vier Gießkannen mit Geschichte zusammenstellen kann. Das waren die Gießkannen, die alle eine Geschichte, Herkunft oder spannenden Besitzer haben. Das macht die Gießkanne interessant. Sie hat nicht nur eine Funktion, sondern auch eine Geschichte dahinter.
DOMRADIO.DE: Welche Botschaft wollten Sie mit dem Gottesdienst transportieren?
Ebelt: Die meisten Gießkannen, die wir haben oder die bei mir zu Hause stehen, sehen mit der Zeit nicht mehr schön aus. Das Christsein sieht vielleicht für viele auf den ersten Blick von außen gesehen nicht spektakulär aus.
Auf den zweiten Blick kommt es doch darauf an, was die Gießkannen, was wir als Christen mit uns herumtragen und womit wir gefüllt sind. Diese Füllung der Gießkanne kann sie nicht für sich behalten, sondern muss sie ausgießen. So ist es auch mit dem Christsein. Wenn wir es nur für uns behalten und nicht an andere weitergeben, dann ist das Christsein ziemlich arm.
"Wenn wir etwas austeilen, dann wird das Auswirkungen auf unsere Umgebung haben."
Wer mit der Gießkanne austeilt, der weiß, ein Garten wird wieder grün oder kann grün bleiben. So ist es auch mit dem Christsein: Wenn wir etwas austeilen, dann wird das Auswirkungen auf unsere Umgebung haben.
DOMRADIO.DE: Schöner Gedanke. Jeder Christ ist auch ein bisschen Gießkanne.
Ebelt: Das war der Schlussaspekt, den ich stark gemacht habe.
DOMRADIO.DE: Der Gottesdienst fiel in die Zeit der langen Trockenheit. Ging es auch darum, mal um Regen zu beten?
Ebelt: Das spielte in der Fürbitte natürlich eine Rolle. Es waren in der Tat die heißen Tage im August, als jedem vor Augen war: Dort, wo kein Wasser hinkommt, da entsteht schnell eine kahle Fläche oder eine Wüste. Dort, wo Wasser hinkommt, blüht das Leben.
"Aber ich freue mich natürlich über jeden Regen, nicht nur in Gießen, sondern überall auf der Welt, wo es etwas zum Blühen bringt."
DOMRADIO.DE: Der Gießkannen-Gottesdienst scheint auch meteorologisch ein bisschen was gebracht zu haben, denn jetzt regnet es wieder.
Ebelt: Ob der Zusammenhang eins zu eins herzustellen ist, weiß ich nicht. Aber ich freue mich natürlich über jeden Regen, nicht nur in Gießen, sondern überall auf der Welt, wo es etwas zum Blühen bringt.
Das Interview führte Heike Sicconi.

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