Von visionären Mönchen über einen zerstörerischen Schädling bis zum vielleicht schönsten Weinfest der Welt – 13 Zahlen, Fakten und Anekdoten zum Rebbau in der Schweiz.
Ca. 800 v. Chr.
Spuren von Pollen zeigen, dass im Wallis schon in der Eisenzeit Trauben wuchsen. Kelterte man damals bereits Wein? Dafür fehlt zwar der Beweis, doch die Walliser haben sicher nicht lange gebraucht, um herauszufinden, wie das geht…
516
Die erste schriftliche Erwähnung von Weinbergen in der Schweiz stammt aus der Abtei Saint-Maurice im heutigen Wallis. Mittlerweile besitzt diese seit über 1500 Jahren ununterbrochen Reben.
1141
In Lavaux nehmen Mönche eine pharaonische Arbeit in Angriff: Sie formen die Steilhänge über dem Genfersee zu einem spektakulären Patchwork von Rebterrassen. Dafür brauchen sie fast 200 Jahre.
1654
Erster Auftritt für den Chasselas! Der französische Agronom Nicolas de Bonnefons lobt ihn in seinem Kochbuch «Les délices de la campagne» als Rebsorte mit «fleischigen Beeren, gut für Süssweine und Sauser». Der Ursprung dieser Sorte liegt übrigens rund um den Genfersee.
1796
Der junge Winzer Jean-Jacques Dufour aus Vevey VD wandert nach Amerika aus. Er pflanzt die ersten Rebberge in Kentucky und später in Indiana. Heute feiert seine dortige Heimatstadt Vevay ihm zu Ehren jährlich ein «Swiss Wine Festival».
1797
In Vevey VD feiert die örtliche Weinbruderschaft die erste Fête des Vignerons. Dieses traditionelle Weinfest – einer der schönsten Festakte der Schweiz – findet seitdem einmal pro Generation statt. Seit 2016 gehört es zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe.
1829
Lass es prickeln! Im einstigen Benediktinerkloster von Môtiers NE erzeugt Abraham-Louis Richardet den ersten Schweizer Schaumwein. 30 Jahre später übernimmt die Familie Mauler den Betrieb. Sie führt die Tradition bis heute fort.
1871
Reblausalarm! Der aus Amerika eingeschleppte Schädling beginnt im Kanton Genf sein zerstörerisches Werk. In den nächsten 50 Jahren dezimiert er die Schweizer Rebfläche von über 30’000 Hektar auf 15’000 Hektar.
1906
Das Tessin begrüsst einen Einwanderer: den Merlot. Nach der Reblausplage suchte man gezielt nach der besten Rebsorte, um die Weinberge neu anzulegen. Der Merlot, ein Import aus Bordeaux, machte das Rennen. Heute belegt er fast 90 Prozent der Tessiner Rebfläche.
1986
Mit der sexuellen Verwirrung entwickelt die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil eine bahnbrechende Methode zum ökologischen Pflanzenschutz: Im Rebberg werden grossflächig Sexuallockstoffe verströmt, so dass Schädlinge zur Paarung nicht mehr zueinanderfinden.
1988
Genf führt als erster Kanton ein Appellationssystem ein, welches Herkunft und Qualität der Weine garantiert. Bald folgt der Rest der Schweiz diesem Vorbild.
2007
Die Weinbergterrassen von Lavaux werden UNESCO-Weltkulturerbe und erhalten damit denselben Status wie die Chinesische Mauer oder der Taj Mahal.
Heute
Heute zählt das Weinland Schweiz rund 15’000 Hektar Rebfläche und baut fast 240 verschiedene Rebsorten an. Und: Herr und Frau Schweizer haben mit den viergrössten Pro-Kopf-Konsum der Welt!
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