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Vom Feeling her ein gutes Gefühl · Oct 5, 2025

Vom Feeling her ein gutes Gefühl #4

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Benni · Vom Feeling her ein gutes Gefühl

Moin!

in der Oktober-Ausgabe gibt es wieder ein Themen-Potpourri aus den Bereichen KI, Strategie und Nachhaltigkeit gespickt mit ein paar ausgewählten Fußballweisheiten. Neben dem kurzen Artikel von meinem Schreibtisch findet ihr darunter eine Hand voll Links, u.a. um die Fragen dreht es sich dieses Mal:

  • Wie behalten wir uns trotz KI einen eigenen Raum zum Denken?

  • Was ist “Doomprompting”? Und wie vermeiden wir es?

  • Warum zahlen die Reichsten bloß so wenig Steuern?

Wenn euch der Newsletter gefällt, empfehlt ihn gerne weiter.

Viel Spaß & Liebe Grüße
Benni

Von meinem Schreibtisch ✍️
Wo bleibt der Raum zum Denken?

Stift, Blatt Papier ohne Linien, Techno-Set, Räucherstäbchen. Mehr brauche ich nicht, um auf gute Gedanken zu kommen. Hört sich in der Theorie simpel an: zwischen Teams-Calls, Kundenterminen, Mails und KI-Gedöns ist es aber nicht leicht, sich den Raum zum Denken zu schaffen.

Von der Notwendigkeit zum Luxus
Während die Form von “Slow Thinking” mittlerweile wie Luxus wirkt, war es früher der Standard. In die Bibliothek gehen, die richtige Abteilung finden, nach Quellen suchen, querlesen, die richtigen Bücher ausleihen. Ein bewusster Prozess, aus heutiger Sicht ein unvorstellbar hoher Aufwand. Dafür hatte man genug Zeit und einen geschützten Raum zum Lesen, Nachdenken und Schreiben.

Im Vergleich dazu war das Internet ein Meilenstein. Direkt Studien finden, STRG + C, STRG + V. Ein Geschwindigkeitswechsel, der sich ziemlich schnell ziemlich selbstverständlich angefühlt haben muss.

Von Unterstützung zu “Rundum-Sorglos”-Paket
Heute geht es aber nicht nur um die Vorarbeit, die Suche und Strukturierung von Informationen, es geht um alles. Wenn wir der Maschine gedankenverloren einen Auftrag hinwerfen, übernimmt sie den kompletten Job. Sie findet sofort passende Abschnitte in relevanten Quellen. Sie zieht schlau klingende Ableitungen und Handlungsempfehlungen. Und mit agentischen Systemen (= verbundener Tool-Nutzung) kann sie direkt Handlungen für uns ausführen.

Ein “Such-Denk-Tu-Autopilot” gefährdet unser Denken
Die MIT-Studie im Juni hat gezeigt: Je mehr wir uns von der KI abnehmen lassen, desto weniger können wir die Ergebnisse wiedergeben und Ownership für Inhalte übernehmen. Wenn wir uns selber vorab Gedanken gemacht haben, sorgt die KI-unterstützte inhaltliche Beschäftigung wiederum für hohe kognitive Integration und Gedächtnis-Aktivierung.

Die Unterscheidung zwischen “Suchen” und “Denken” mit KI ist dabei besonders wichtig. Wenn wir KI für vorbereitende Arbeiten wie Studienrecherche nutzen, ist es was ganz anderes, als wenn wir uns die eigentliche inhaltliche Arbeit von KI vorbereiten oder direkt machen lassen. Recherche ist in der Regel mittel zum Zweck, die Denkarbeit ist unsere menschliche Stärke.

Think-Prompt-Think
Dazu hat Francois Grouiller diese wunderbar einfach zu merkende Faustregel aufgestellt. Gerade für Fragestellungen, in denen das Ausbrechen aus gängigen Mustern entscheidend ist, sollten wir bei unseren eigenen Gedanken anfangen. Wir bauen Hypothesen, entwickeln ein Bauchgefühl, klopfen verschiedene strategische Möglichkeiten ab (= Think). Im zweiten Schritt ziehen wir die KI strukturiert hinzu. Sie hilft uns dabei, Gedanken kritisch zu hinterfragen und eine andere Perspektive einzunehmen (= Prompt). Immer mit dem Ziel die Kontrolle zu behalten - die Ergebnisse zu bewerten, auszudünnen, umzuschreiben, nachzujustieren. (= Think)

Die Herausforderung: Dem KI-Impuls widerstehen
Es ist oft verlockend die Frage direkt ins LLM reinzuwerfen, die Beine hochzulegen und auf die Ergebnisse zu warten. Je (pro-) aktiver wir KI nutzen und je mehr Gedanken wir uns vorab machen, desto besser wird das gemeinsame Ergebnis sein. Neugierde, kritisches Denken und Menschlichkeit sind die Elemente, die KI-unterstütztes Denken interessant machen, die KI ist unser “Thought Partner”, nicht der Gehirnersatz.

Bequemlichkeit ist der größte Feind des kritisches Denkens, wir dürfen es uns nicht zu gemütlich machen! 🦦

“Das wird alles hochkristallisiert.”
Rene Adler

Doomprompting Is The New Doomscrolling - Anu
👉 Link Artikel

Die Analogie zwischen Social Media-und KI-Zeitalter ist interessant - während Social Media uns dazu leitet, passiv Inhalte zu konsumieren, bringen uns ChatGPT & Co. dazu, passiv Inhalte zu “kreieren”. Schön, dass es nicht nur mir so geht.

“The dopamine of likes and follows is now the dopamine of felt productivity, social validation, and intellectual partnership.”

Die Empfehlungen in dem Artikel gehen in eine ähnliche Richtung wie oben. Sich eigene Gedanken machen, KI bewusst im kreativen Prozess hinzuziehen, auch mal einen Umweg in Kauf nehmen, sich weiterhin mit echten Menschen austauschen und noch viel mehr. Lest am besten selber, lohnt sich.

“The constant stream of dialogue prevents the silent reflective thinking that leads to genuine insight. Creative work requires communion with yourself first.”

The Patterns Everyone Else Misses - Benedict Evans
👉 Link Artikel

Wie immer bei Benedict Evans ist der Podcast nichts zum nebenbei hören, es stecken aber viele, interessante Perspektiven zum Thema KI drin. Ein Standpunkt: KI ist ein Plattformwandel wie der Wandel zum Smartphone vor 15-20 Jahren. Aber auch weniger diskussionswürdige Thesen stecken drin, z.B. die Wichtigkeit selber Gedanken formulieren zu können denn: Schreiben ist Denken.

Hybride Strategien - eure Marge ist unser Geschäft (Simon Walter)
👉 Link ArtikelWährend die klassische Strategie-Schule á la Porter sagt, man müsse sich zwischen Kostenführerschaft und Differenzierung entscheiden, zeigt der Artikel, dass moderne Unternehmen oft Hybride Wettbewerbsstrategien fahren.

Marken wie Ace & Tate, LAP-Kaffee oder Motel One haben relativ niedrige Kosten und trotzdem ein verhältnismäßig hochwertiges Produkt und positionieren sich genau zwischen den Stühlen. Was Porter als “Stuck in the Middle” definiert hat wird hier zum Wettbewerbsvorteil. Lesenswerter, kurzer Artikel über moderne Strategie.

“Wir haben die Mannschaft ganz karibisch zusammengestellt.”
Klaus Hilpert

Sympathische Familienunternehmer von Nebenan?
👉 Link Podcast Monika Lynartas (Hotel Matze)

Die Stiftung Deutscher Familienunternehmer stand ja schon länger im Verdacht nicht nur den bürgerlichen Mittelstand zu vertreten, die neuen Panorama-Recherchen zeigen aber, dass hinter der Stiftung fast ausschließlich Großkonzerne wie Rossmann oder Lidl stecken. Nur 2 von 123 bekannten Unterstützern fallen in die Kategorie KMU (Umsatz unter 50 Mio. €), alle anderen sind größer. Eine weitere Greenpeace-Recherche zeigt, dass die Stiftung vor allem Superreiche aus klimaschädlichen Unternehmen repräsentiert.

Ihr Einfluss auf Erbschaftssteuergesetzgebung ist immens und mit dramatischen Folgen: Zwischen 2021 und 2023 lag der durchschnittliche gezahlte Steuersatz auf Multimillionen- und Milliardenvermögen bei nur 2,9 Prozent, 2023 sogar bei 0,1 Prozent. Bei kleineren Erben wird lt. Finanzwende mehr als das Dreifache gezahlt.

Mich beschäftigt das Thema seit der re:publica Hamburg, wo die Ungleichheitsforscherin Monika Lynartas in einem tollen Gespräch von dem Thema berichtete. Überreichtum und fehlende Besteuerung müssen als Problem viel deutlicher benannt werden, eine Zahl aus dem Gespräch ist bei mir besonders hängen geblieben. Die Familien Schwarz und Boeringer & von Baumbauch haben zusammen mehr Vermögen als 50% der Deutschen.

Little Rules About Big Things - Morgan Housel
👉 Link Artikel

Und zum Abschluss zwei schlaue Zitate von Morgan Housal. Bis zum nächsten Mal! 👋🏻

”A big takeaway from economic history is that the past wasn’t as good as you remember, the present isn’t as bad as you think, and the future will be better than you anticipate.”

”Most problems are more complicated than they look but most solutions should be simpler than they are.”

Über mich:
Ich bin Benni, seit Oktober arbeite ich als Freelance Consultant für Strategie und Innovation. Nach Stationen in führenden Kreativ-und Markenagenturen berate ich Unternehmen dabei, Generative KI sinnvoll in ihre Prozesse zu integrieren.

“Ich habe fertig.”
Giovanni Trapattoni

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Read the original on benni754.substack.com

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