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Zukunftsforum Wienerwald · Apr 1, 2025

Haushaltsdefizit: Was hat das mit Natur zu tun?

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Derzeit wird viel von Budget-Defizit gesprochen. Dass das Naturhaushalts-Budget bereits Ende März aufgebraucht ist und wie beides zusammenhängt, von dem sprechen die Wenigsten!

Abbildung 1: Die “Overshoot Days” der einzelnen Staaten der Welt. Österreich ist mir dem 29.März an 17. Stelle weltweit. Quelle: https://overshoot.footprintnetwork.org/newsroom/country-overshoot-days/

Wo stehen wir?

In den letzten Wochen wurde viel über den aktuellen Staatshaushalt Österreichs gesprochen. Alle Bereiche der Verwaltung müssen einsparen und ihre Ausgaben stark einschränken, so die Devise. Gleichzeitig braucht es Initiativen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, um möglichst schnell “so wie bisher” weitermachen zu können.

Über den Zustand unseres Naturhaushaltes wird leider zu selten gesprochen:

  • Die Ressourcen, die uns die Natur für unser Leben zur Verfügung stellt, ohne selbst ins Minus zu rutschen, sind für Österreich seit Ende März für dieses Jahr aufgebraucht. Das bedeutet, dass wir den sogenannten “Overshoot-Day” erreicht haben und damit weltweit unter den negativen Spitzenreitern auf Platz 17 sind (Abbildung 1).

  • Das hat natürlich auch Folgewirkungen auf die Natur: Zum Beispiel sind derzeit über 80 Prozent von europaweit geschützten Lebensräume und Arten in Österreich in keinem gesunden Zustand und können uns immer weniger saubere Luft, sauberes Wasser, Bestäubungsleistungen, Nahrungsmittel und andere sogenannte “Ökosystemleistungen” zur Verfügung stellen.

  • Wir leben aber nicht erst seit kurzem “auf Pump”. Die Übernutzung unserer natürlichen Ressourcen erfolgt bereits seit den 1960er Jahren, wie es der ökologische Fußabdruck zeigt. Das heißt, wir bauen seit über 60 Jahren Schulden gegenüber dem weltweit verfügbaren Naturkapital auf, die irgendwann irgendwer bezahlen muss!

  • Weltweit werden von Staaten und Regierungen rund 500 Milliarden US-Dollar jährlich investiert, um die Natur auszubeuten und zu zerstören, zum Beispiel in Form von Subventionen für Landwirtschaft, Fischerei oder fossile Kraftstoffe. Durch biodiversitätsschädigende öffentliche Gelder entstehen, konservativ geschätzt, Schäden von 4-6 Billionen US-Dollar pro Jahr weltweit. Das bedeuet, dass in etwa jeder in biodiversitätsschädigende Maßnahmen investierte US-Dollar das Zehnfache an Schäden für die Gesellschaft verursacht!

  • In Österreich werden die klimaschädlichen Subventionen auf vier bis sechs Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Die Übernutzung unserer natürlichen Ressourcen erfolgt bereits seit den 1960er Jahren, wie es der ökologische Fußabdruck zeigt. Das heißt, wir bauen seit über 60 Jahren Schulden gegenüber dem weltweit verfügbaren Naturkapital auf, die irgendwann irgendwer bezahlen muss!

Was ist zu tun?

Ein “weiter wie bisher” würde die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen nur weiter vorantreiben und damit auch unsere Schulden am Naturkapital weiter erhöhen.

Dass es daher weltweit eine sozialökologische Transformation unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems braucht, ist seit langem bekannt und fasst zum Beispiel der Club of Rome in seiner Studie “Earth4All” zusammen. Für Österreich gibt es zum Beispiel von der Arbeiterkammer ein sehr umfassendes Konzept für einen sozialökologischen Umbau unseres Wirtschaftssystems.

Was kann Jede:r von uns tun?

Daneben kann jeder Mensch selbst damit beginnen, in seinem Leben Gewohnheiten zu ändern, die für unseren Planeten aber auch für uns selbst gut sind. Hier möchte ich nur ein paar Beispiele nennen, die ich selbst versuche, schrittweise in mein Leben zu integrieren, um ein nachhaltigeres, gesünderes und damit auch zufriedeneres Leben zu führen.

Zwei der größten Hebel für jede:n Einzelne:n sind die Mobilität und die Ernährung.

Mobilität

Viele von uns legen noch immer die meisten Wege mit ihrem eigenen fossil betriebenen Auto zurück. Darunter fallen auch viele Kurzstrecken, die man durchaus zu Fuß oder mit dem Rad bewältigen kann. Diese sogenannte “Aktive Mobilität” würde nicht nur Luftschadstoffe oder Mikroplastik durch Reifenabrieb verhindern, sondern wäre auch gleichzeitig eine die Gesundheit und soziale Kontakte fördernde Art der Fortbewegung.

Für längere Strecken kann man vielfach Öffentliche Verkehrsmittel verwenden, egal ob es sich um das tägliche Pendeln in die Arbeit oder um Urlaubsreisen handelt. Damit kann man die Reisezeit produktiver und entspannter gestalten, indem man etwas liest, arbeitet, sich einfach ausruht oder mit dem Nachbarn tratscht, bis man am Ziel ist.

Wenn man schon ein Auto braucht, kann man sich überlegen, ob man sich mit anderen ein Auto über Car-Sharing teilt und ob es statt eines fossil betriebenen Fahrzeugs nicht auch ein E-Auto sein könnte.

Weniger Autos brauchen weniger Platz auf der Straße, weniger Parkplätze und würden öffentliche Flächen für andere Nutzungsformen (Gehwege, Radwege, Grünflächen) zur Verfügung stellen.

Nachdem das Auto neben dem Wohnen eines der höchsten Kostenfaktoren im Alltag darstellt, ist sowohl die Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel als auch ein Car-Sharing eine Möglichkeit, die eigenen Ausgaben aber auch soziale Kosten deutlich zu reduzieren.

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Ernährung

Die Nahrungsmittelproduktion, und dabei vor allem der überdurchschnittlich hohe Anteil an tierischen Produkten, verursacht einen relativ großen ökologischen Fußabdruck und Flächenverbrauch. Der Konsum von weniger tierischen Produkten fördert nicht nur die eigene Gesundheit, sondern bedeutet auch deutlich weniger Ressourcenverbrauch und ist damit ein wesentlicher Beitrag für einen gesunden Planeten.

Wenn Nahrungsmittel schon produziert werden, dann sollten diese auch genutzt werden. Derzeit werden in Österreich rund eine Million Tonnen genießbare Lebensmittel pro Jahr in den Müll geworfen! Auch dagegen kann man etwas tun, indem man zum Beispiel selbst Lebensmittel kauft, die ansonsten weggeworfen würden oder Initiativen unterstützt, die nicht mehr verkaufbare Lebensmittel sammeln und an Bedürftige Mitmenschen verteilen (zum Beispiel die Team Österreich Tafel).

Von der gesamten vermeidbaren Lebensmittelverschwendung passiert die Hälfte in den Haushalten. Das “Restlkochen” der Oma ist dagegen eines der besten Mittel der Wahl!

Weiter ressourcensparende Maßnahmen im Bereich der Ernährung sind der Einkauf von saisonalen, regionalen und ökologisch produzierten Produkten (zum Beispiel in Marktgärtnereien) oder der eigene Anbau von Obst und Gemüse, wenn man das Glück eines eigenen Gartens hat.

Derzeit werden in Österreich rund eine Million Tonnen genießbare Lebensmittel pro Jahr in den Müll geworfen! Davon passiert die Hälfte in den Haushalten.

Und sonst?

Natürlich kann man auch in anderen Bereichen des täglichen Lebens versuchen, seinen Beitrag an der Ressourcenverschwendung zu reduzieren, wie zum Beispiel beim Kauf von Kleidung und Textilien. Der Textil-Konsum der Europäer:innen hat laut aktuellen Zahlen mit rund 19 Kilogramm pro Person und Jahr einen neuen Höchstwert erreicht. Umgekehrt werfen die Europäer:innen pro Person und Jahr 16 Kilogramm an Textilien weg. Damit hat die Textilbranche eine der größten Auswirkungen auf Klima und Umwelt im Bereich des privaten Konsums. Weniger und dafür qualitativ hochwertigere Teile zu kaufen und länger zu tragen oder auch Second Hand Kleidung tragen, sind sicher Beiträge, die unnötige Ressourcenverschwendung und damit auch unnötige Kosten vermeiden.

Weitere Punkte, die jede:r tun kann, sind Energie sparen (zum Beispiel beim Heizen oder Stromverbrauch), den Flächenverbrauch reduzieren (im Bereich Wohnen, Versiegelung von Flächen) und verfügbare Flächen möglichst naturnahe gestalten (zum Beispiel heimische Pflanzen in Gärten verwenden, keine Pestizide, Dünger, wenig mähen, etc.).

Insgesamt ist der Ansatz der Suffizienz, also nur das zu kaufen, was man wirklich benötigt beziehungsweise was für ein gutes Leben ausreicht, ein sinnvoller Zugang für ein gutes Leben für alle. Auch das spart bei den eigenen Ausgaben ein und verbraucht weniger Lebenszeit, die man sonst für Konsum und Besorgungen verbrauchen würde.

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Fazit

  • Neben der Reduktion des Defizits im Staatshaushalt ist die Reduktion des Naturhaushalt-Defizits mindestens genauso wichtig. Sowohl aus ökologischen als auch aus ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten!

  • Der bisherige Zugang des ständigen Wirtschaftswachstums auf Kosten unserer natürlichen Ressourcen vergrößert nur die Schulden, die spätestens unsere Kinder (be-)zahlen müssen, wenn wir nicht an einer gesamtgesellschaftlichen Transformation arbeiten und diese auch von der Politik einfordern. Würde man die notwendigen Einsparungen richtig setzen, könnte man sowohl für den Staatshaushalt als auch für den Naturhaushalt und für ein ökologischeres Wirtschaftssystem die Weichen stellen.

  • Die notwendige Transformation bedeutet natürlich mehrere Veränderungen zu unseren aktuellen Lebensgewohnheiten, die keinen “Verzicht” sondern eher eine Weiterentwicklung zu einem gesünderen, besseren und zufriedeneren Leben für alle darstellen.

Weitere Themen und Bereiche, um zu einem nachhaltigeren Leben mit weniger unnötigen Ressourcenverbrauch zu kommen, gäbe es viele, die in weiteren Artikeln sicher einmal näher beschrieben werden. Ich glaube aber, dass die hier genannten Beispiele jene sind, mit denen man durch kleine Veränderungen im Alltag die größten Effekte erreichen kann.

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