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Zukunftsforum Wienerwald · Feb 22, 2025

Extremwetter und ihre Folgen: Wollen wir uns das wirklich leisten?

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Österreich leidet an Trockenheit, vor Monaten standen wir noch unter Wasser und wurden zu Katastrophengebieten ausgerufen! Müssen wir uns daran gewöhnen oder können wir etwas dagegen tun?

Die aktuelle Situation

Aktuelle Berichte zeigen, dass die ersten Wochen des neuen Jahres deutlich weniger Niederschlag bekommen haben, als es früher üblich war. Der bisherige Februar zeigt ein österreichweites Niederschlagsdefizit von rund 80 Prozent, in vielen Bereichen wie zum Beispiel dem Wienerwald sogar noch höher (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die durchschnittlichen Niederschläge im Februar 2025 weisen eine negative Abweichung von rund 80 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittelwert auf (Quelle: GeoSphere Austria, Stand vom 21.02.2025).

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Im letzten Jahr hatten wir in verschiedensten Teilen Österreichs unterschiedliche Extremwetter erlebt: Angefangen von extremen Trockenperioden und Waldbränden, über Starkniederschläge, Hagelereignisse und Hochwässer bis hin zu Murenabgängen und Überschwemmungen ganzer Regionen. All das ist mit enormen Schäden verbunden, die Österreichische Hagelversicherung spricht sogar davon, dass Österreichs Landwirtschaft zugleich erfriert, brennt und ertrinkt!

“Österreichs Landwirtschaft erfriert, brennt und ertrinkt zugleich” (Österreichische Hagelversicherung)

Damit verbundene Schäden und Kosten sind nur teilweise zu beziffern .

Ein paar Schadenszahlen

Hochwasser in Niederösterreich, September 2024

  • Im Verbandsgebiet des GVU St. Pölten hat das Hochwasser im September 2024 ca. 25.000 t an Sperrmüll, Altholz, Elektrogeräten und Problemstoffen (gefährliche Abfälle aus dem Haushalt) verursacht.

  • Bei der geschätzten Sperrmüllmenge von 22.5000 t ergeben sich Verwertungskosten von ca. 5,1 Millionen Euro. Rechnet man Transport, Zwischenlager, Verwaltungsaufwand dazu, macht das einen Gesamtschaden von ca. 5,7 Millionen Euro alleine beim GVU-St. Pölten aus!

  • In ganz Niederösterreich sind ca. 50.000 t an Abfällen angefallen, große Mengen davon wurden nach Deutschland exportiert.

  • Der Falter schreibt: “In ganz Niederösterreich beläuft sich der Schaden bislang auf ungefähr 730 Millionen Euro. 290 Millionen Euro hat das Land an die Flutopfer ausgezahlt.”

Weitere Schäden beziehungsweise Kosten, für die derzeit weder regional noch auf Landesebene Zahlen gefunden wurden, sind zum Beispiel

  • gesundheitliche und finanzielle Schäden der betroffenen Menschen und damit verbundene Folgen für ihr persönliches Leben, aber auch für Gesellschaft und Wirtschaft (zum Beispiel vermehrte Krankenstände)

  • Schäden an Infrastruktureinrichtungen, wie Straßen, Eisenbahn, etc.

  • Schäden an Betrieben, die nicht durch Versicherungen etc. gedeckt sind

  • Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Flächen beziehungsweise Böden aufgrund von Schadstoffeinträgen (zum Beispiel durch Heizöle und Haushalts-Chemikalien), etc.

  • Schäden an naturnahen Ökosystemen durch Schadstoffe etc. und Schädigung ihrer Funktionen für unser tägliches Leben (sogenannte Ökosystemleistungen).

  • Kosten für Blaulichtorganisationen, Bundesheer, Verwaltungseinrichtungen.

  • Zahlreiche unentgeltliche Unterstützungen vieler unterschiedlicher Freiwilligen-Initiativen, wie Team Österreich und Nachbarschaftshilfen, etc..

  • Etc.

“In ganz Niederösterreich beläuft sich der Schaden bislang auf ungefähr 730 Millionen Euro.” (Falter)

Österreichweite Schadenszahlen

  • Laut WIFO werden die Schäden in Österreich alleine durch das Hochwasser im September 2024 auf über 1,3 Milliarden Euro geschätzt, wobei für Infrastrukturschäden keine Zahlen vorlagen.

  • Betrachtet man nicht nur das Hochwasserereignis im September 2024 sondern alle Wetterextreme in diesem Jahr, so hat die Österreichische Hagelversicherung einen Gesamtschaden in der österreichischen Landwirtschaft von 260 Millionen Euro festgestellt, was einen weiteren Anstieg der Schadenssumme um 10 Millionen Euro im Vergleich zum Jahr 2023 bedeutet.

Laut WIFO werden die Schäden in Österreich alleine durch das Hochwasser im September 2024 auf über 1,3 Milliarden Euro geschätzt, wobei für Infrastrukturschäden keine Zahlen vorlagen.

Was bringt die Zukunft?

Tatsache ist, dass sich das Klima vor allem in Europa überdurchschnittlich erhitzt und Extremwetterereignisse, wie zum Beispiel Starkniederschläge entsprechend neuer Studien immer öfter vorkommen werden.

Das bedeutet, dass wir davon ausgehen müssen, auch in Zukunft mehr Extremwetterereignisse mit entweder zu wenig oder zu viel Wasser erleben werden. Entsprechende Folgeschäden für Landnutzer und die gesamte Bevölkerung sind zu befürchten.

Was ist konkret zu tun?

Um die Auswirkungen von Hochwässern, Trockenperioden, Murenabgängen etc. abzumildern, sollten wir die Natur wieder dazu bringen, dass sie besser als Wasserspeicher, natürliche Klimaanlage und Schutzschild gegenüber Murenabgängen oder Bodenerosion funktionieren kann.

Um das zu erreichen, müssen die letzten naturnahen Lebensräume erhalten und die vielfach zerstörten und übernutzten Landschaften bestmöglich wiederhergestellt werden. Damit können Wiesen, Flüsse, Moore oder Wälder wieder so funktionieren, dass sie uns täglich wichtige Lebensgrundlagen, wie sauberes Wasser, saubere Luft, gesunden Boden und damit auch Nahrungsmittel zur Verfügung stellen und gleichzeitig wie ein Schwamm und eine Klimaanlage wirken.

Ganz wichtig ist, dass man, wo immer es möglich ist, mit der Natur und nicht gegen sie arbeitet! Das heißt zum Beispiel, den Flüssen wieder mehr Raum geben, umliegende Aubereiche und Überschwemmungswiesen wieder ausweiten, ausgeräumte Ackerlandschaften mit Hecken, Bäumen und Kleinwasserbereichen ausstatten und damit vor Erosionsschäden und Bodenverlusten schützen. Aber auch in den Wirtschaftswäldern Österreichs gibt es viele Möglichkeiten, den Extremsituationen zu begegnen, indem man auch hier soweit wie möglich durch Alt- und Totholz, Feuchtlebensräumen und naturnahen Mischwäldern die natürliche Schwamm- und Kühlfunktion wieder herstellt und das Wasser in der Fläche hält, womit man für eventuelle Trockenperioden vorsorgt und die Stresssituationen für Mensch und Natur abpuffert.

Auf kleinerer Fläche kann natürlich jede:r Gartenbesitzer:in auch sein Eigentum möglichst naturverträglich und damit auch klimaresilient zu gestalten, zum Beispiel mit heimischen Sträuchern, Totholzhaufen, etc..

Für die Klimawandelanpassung und das Wassermanagement auf Gemeindeebene gibt es ebenfalls viele Möglichkeiten, hier vorzeitig zu reagieren und Kosten für vermeidbare Schäden zu verhindern!

Was jedenfalls fehlt, ist

  • eine integrierte Planung in den Regionen, die Maßnahmen wie zum Beispiel Anpassung an den Klimawandel, regenerative Landwirtschaft und die Verbesserung der natürlichen Ressourcen (Biodiversität) gemeinsam denken, Maßnahmen planen und dann auch umsetzen.

  • Idealerweise wären hier zentrale Landschaftsmanager als Ansprechpartner für die Bevölkerung und Knotenpunkt für alle Beteiligten.

  • Bestehende Angebote auf Landesebene, wie zum Beispiel zur Anlage von Mehrnutzenhecken, für Regenwassermanagement, etc. könnten gemeinsam in die Planungen integriert und über Gemeindegrenzen hinaus effektiv und effizient umgesetzt werden.

  • Auch hier könnte man auf bestehende Strukturen, wie KLAR-Regionen oder LEADER-Regionen, etc. sehr gut aufbauen und das bereits vorhandene Wissen und die Netzwerke vielfach nutzen.

Damit wäre es jedenfalls möglich, von gemeinsam zu lösenden Nutzungskonflikten zwischen Lebensmittelproduktion, Klima- und Naturschutzmaßnahmen (auch als “Trilemma der Landnutzung” bezeichnet) zu regionalen “Mehrgewinnstrategien über Gemeindegrenzen hinweg zu kommen und für unsere Zukunft bestmöglich vorzusorgen.

Wer soll das bezahlen?

Wie die Zahlen oben zeigen, investieren wir sehr viel in die Behebung von durch uns selbst verursachte Schäden. Wenn wir aus diesen Schäden klüger werden und die Kosten nicht weiter steigen lassen wollen, dann sollten wir wo immer möglich mit Renaturierungsmaßnahmen beginnen!

Laut Europäischer Kommission liefert jeder in Wiederherstellungsmaßnahmen investierte Euro einen bis zu 38-fachen Mehrwert für unsere Gesellschaft, eine Rendite, die man auf keinem Sparbuch bekommt, zukünftige Kosten durch Unwetterschäden minimiert und damit eine sehr gute Investition in ein gesundes Leben für uns und unsere (Enkel-)Kinder darstellt!

Seitens der Wissenschaft wird seit Jahren eine “Biodiversitätsmilliarde” für Österreich gefordert. Das klingt einerseits nach sehr viel Geld, wird aber durch die oben angegebenen Schadenszahlen für Österreich und die nun folgenden Beispielzahlen aus dem Budget-Voranschlag 2025 des Landes Niederösterreich stark relativiert.

Wofür wird derzeit wie viel Geld ausgegeben?

  • Für die gesamte Arbeit der Abteilung Naturschutz (S. 131) stehen im Budget rund 17,4 Millionen Euro zur Verfügung (Naturschutzaktivitäten anderer Abteilungen, wie Forstwirtschaft, Wasserbau/Wasserwirtschaft, etc. sind hier nicht berücksichtigt). Es ist davon auszugehen, dass aufgrund der vielfältigen Aufgaben nur ein relativ geringer Anteil davon für konkrete Renaturierungsmaßnahmen auf der Fläche verwendet werden kann.

  • Für Hochwasserschutz, Flussraumentwicklung, Instandhaltung stehen rund 31 Millionen Euro (S. 133) zur Verfügung. Zusätzlich ist eine Sonderfinanzförderung für hochwassergefährdete Gebiete von 0,5 Millionen Euro (S. 140) angegeben. Wie viel von diesen insgesamt 31,5 Millionen Euro in naturbasierte Lösungen und ökologischen Hochwasserschutz investiert wird, geht aus den vorliegenden Zahlen nicht hervor.

  • Um einen Vergleich für andere Planungen des Landes herzustellen, möchte ich nur das Budget für Straßenbau mit 516,5 Millionen Euro (S. 133 im Voranschlag) gegenüberstellen.

Schlussfolgerung

  • Derzeit werden die Schäden durch Extremwetterereignisse immer häufiger und die Schadenskosten höher.

  • Werden keine ausreichenden Gegenmaßnahmen gesetzt, werden die Auswirkungen nicht nur finanziell, sondern auch auf die Lebensmittelproduktion und generell auf ein gutes Leben für alle immer schlimmer.

  • Die bisher aufgewendeten Finanzmittel für notwendige Maßnahmen zur Verbesserung unserer naturräumlichen Ausstattung stehen verglichen mit anderen öffentlichen Investitionen in keinem Verhältnis. Gleichzeitig rechnen sich die Kosten für die Wiederherstellung der Natur mit einem Vielfachen an Nutzen für unsere Gesellschaft.

  • Viele Maßnahmen auf kleiner Fläche und mit einfachen Mitteln (naturnahe Hecken oder temporäre Wasserflächen in der Kulturlandschaft, naturnahe Gärten,etc.) könnten schon ein wichtiger erster Schritt sein, um nicht noch mehr unnötige Zeit zu vergeuden und um die Schäden durch bevorstehende Extremwetterereignisse abzumildern.

  • Die Arbeiten zur Wiederherstellung naturnaher Lebensräume und damit auch zur Klimawandelanpassung bringen eine Vielzahl neuer zukunftsweisender Beschäftigungsmöglichkeiten und eine Chance für die Weiterentwicklung unserer Wirtschaft dar.

  • Ein “nicht tätig werden” im Bereich Klimawandelanpassung und Renaturierung würde deutlich höhere Folgekosten verursachen und ein gutes Leben für alle noch weiter erschweren.

  • Kommunen sollten sich über ihre Grenzen hinaus zusammenschließen und Lösungen für die aktuellen Herausforderungen (Klimawandel, Ausbau Erneuerbarer Energien, regenerative Landwirtschaft, Wiederherstellung zerstörter Naturräume, etc.) gemeinsam andenken, planen und umsetzen, um eine zukunftsfähige Entwicklung zu gewährleisten und ein gutes Leben für alle abzusichern.

Was sind Eure Gedanken dazu und welche Ideen habt Ihr zu dem Thema? Ich freue mich über Kommentare und Antworten von Euch!

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