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Die Eskapade · Mar 2, 2025

Ist GUT jetzt

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Der Februar ist fertig. Der Februar kann gehen

Netter Versuch! Der Berliner Winter hat geglaubt, er könne mich hinters Licht führen. Eines strahlenden Sonntags im Februar leuchtete er plötzlich weiß. Aber nicht mit mir. Niemals könnte ich vergessen, dass der Februar das letzte Aufbäumen ist von grau und Matsch und kalt.

In einem Anfall von akuter Epiphanie habe ich im zurückliegenden Monat immerhin erkannt, was er wirklich war: ein besonders akkurates Abziehbild von dem, was uns bevorsteht. So wie die Kälte sich nämlich noch ein letztes Mal aufbäumt und demnächst einen Arschtritt bekommt von den Krokussen, genauso hat eine höhere Macht der „Black Mirror“-Folge, in der wir gerade stecken, einen Dreh mehr ins Dystopische gegeben.

Das ist gut, sehr gut sogar! Der handfeste Ausblick auf das, was uns andernfalls bevorsteht, war der Arschtritt, den wir brauchten. Wir werden erkennen, dass die moralischen Überheblichkeiten in allen Lagern und das Wetteifern der Haltungen von der Witzekiste direkt in die Zombieapokalypse führen. Die Vernunft kehrt krokusgleich zurück, die beste Lösung gewinnt, ganz egal, wem sie eingefallen war.

Mark my words!


Als Reaktion auf die jüngste Ausgabe der Eskapade habe ich herzallerliebste Rückmeldungen bekommen („Als ob du beim Schreiben einen Schlaganfall hattest <3“). Und ich habe ein paar Abos verloren.

Das finde ich nicht nur nachvollziehbar, sondern fast ein bisschen gut. Wenn ich mich dem Schreiben nähere, dass ich schreiben will, dann ist doch nur reinigend und klar, dass sich Lesewege trennen, wenn die neuen Texte nicht mehr zu den Erwartungen von neulich passen.

Aber ich habe auch gehört, dass mancher und manchem die Pillepalle-Schnipsel fehlen. Deshalb wird der monatliche Foto-Post jetzt zum monatlichen Rückblick plus Bildaz. Man ist ja kein Unmensch.


Was mit Buchstaben

Ich re-reade gerade gerne. So nennen Popkultur-Snobs, wenn sie Bücher, die sie schon mal gelesen haben, nochmal lesen. Weil man sich ohnehin stets mehr Bücher vornimmt, als man jemals lesen könnte, verschenkt ein Re-Read eigentlich entscheidende Regalmeter.

Aber es stellt sich auch so schön das Gefühl ein, den ollen Hoodie überzustreifen, der nicht mehr taugt, darin die Eltern von ihm kennenzulernen, aber für Sonntagnachmittag noch genau der richtige ist.

Ein Vierteljahrhundert (Gott!) ist „Neununddreißigneunzig“ inzwischen alt. Nicht viel hat sich seitdem geändert. Bei Erscheinen fing das neue Jahrtausend gerade erst an, die sozialen Medien gab es noch nicht und deshalb auch nicht diese noch mal monströsere Dimension von Werbung und Kapitalismus.

Heute ist Kokain nicht mehr nur stinkreichen Werbern vorbehalten, sondern kommt Pizza-gleich nach Hause. Nose job und Babybotox klingen nicht mehr wie Kalifornien und Croisette sondern nach Kreuzkölln und Kassel. Das Buch hält uns Stirnklatscher-schwer vor, wo wir hätten abbiegen können, um nicht hier zu landen.

Was mit Takten

Noch eine Re-Entdeckung. Charles Bradley hatte ich lange nicht gehört. Bis Spotify ihn in meinen „Feel Good Cooking Mix“ packte (Schokobrownies mit Pekannüssen). Nicht alles ist schlecht an Algorithmen!

Bradley singt großartigen Soul, sowieso. Aber Bradley brachte auch sein erstes Album mit Anfang sechzig heraus. Ich glaube, er gibt mir noch Hoffnung. Deshalb.

Was mit Internet

Bisschen lahm ist es ja inzwischen, sich darüber zu mokieren, dass Instagram mal eine Foto-App war und heute nicht mehr. Aber das heißt ja nicht, dass man neue Foto-Apps ignorieren muss.

Jüngst ist eine dazugekommen, sie heißt: Foto. So asketisch ihr Name, so schlicht ist ihre Verheißung. Es geht um: Fotos. Ich gucke mir das gerade an und mag, was ich sehe. Sie ahnten es: Fotos.

Wer auch mal gucken will, kann hier (Google) oder hier (Apple) die App herunterladen.

Was mit Bewegtbild

Wenn Kinder aufs Teenager-Alter zusteuern, muss man die Momente feiern, in denen sie sich freiwillig mit dem alten Mann abgeben, der immer noch auf sein Debüt hinarbeitet.

Ich selbst hätte mir für einen dieser preziösen Momente bestimmt nicht „Let’s dance“ auf RTL ausgesucht. Aber weil Musik und Tanz dabei sind und in der aktuellen Staffel sogar Selfiesandra, die beste Freundin von Laserluca, Sie wissen schon, gibt’s wenig, was ich argumentativ entgegenzusetzen habe.

Die Show ist extrem gaga, vor allem aber ist „Let’s dance“ auf so atemberaubende Art uncool, dass ich inzwischen gar nicht anders kann, als alles ein bisschen lieb zu haben.

Was mit Auslöser

Das letzte Aufbäumen, wir sprachen drüber, so sah’s aus.

Read on andreaslaux.substack.com

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