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Alliteratus | Ihr Onlinemagazin rund um Literatur & Medien · Nov 30, 2025

Gaea Schoeters: Trophäe

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Moseron · Alliteratus | Ihr Onlinemagazin rund um Literatur & Medien

Ein Blick. Für den einen ist er der Moment vollkommener, gottesgleicher Macht. Für den anderen bedeutet er den Tod. Seit seiner Kindheit ist es dieser Augenkontakt zwischen Jäger und Beute, von dem Hunter White wie besessen ist. Getrieben von der Vorstellung, endlich die begehrten „Big Five“ der Großwildjagd zu vervollständigen, reist der amerikanische Geschäftsmann nach Afrika. Doch er kommt zu spät. Der für ihn bestimmte Nashornbulle ist bereits Wilderern zum Opfer gefallen. Aus einem geplatzten Traum entspringt ein grausamer Plan, an dessen Beginn eine scheinbar harmlose Frage steht: „Hast du schon einmal etwas von den Big Six gehört?“

Trophäe blickt in die Abgründe der Gedankenwelt eines Mannes, dessen ungebremste Gier nach Macht ihn dazu treibt, Unmenschliches zu tun. Erschreckend ist vor allem, dass die Autorin, indem sie ein auf dem Kolonialismus basierendes System sichtbar macht, Erklärungen liefert, die nachvollziehbar machen, weshalb der Protagonist sein Handeln für moralisch vertretbar hält. Dieser Aspekt hat mich nachhaltiger getroffen als das fiktive Grauen des Romans. Denn wie gehen wir mit einer Realität um, in der der Tod ein Geschäftsmodell ist? Kann man ein tragisches Opfer rechtfertigen, wenn im Ende des Einzelnen die Rettung einer ganzen Gemeinschaft liegt? Kurz: Ist es falsch, dass einer stirbt, damit viele weiterleben können?

Doch der Roman ist weit mehr als ein Bericht über die Gräueltaten eines Jägers. Er erzählt auch die Geschichte eines Stammes, der alles daransetzt, alte Traditionen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, von ihren Bräuchen und Ritualen und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Auf knapp 250 Seiten schildert Schoeters in nüchterner, zugleich poetischer Sprache die brutale Realität der Kolonialgeschichte Afrikas und das, was vor der westlichen Welt verborgen bleibt.

Trophäe ist das ideale Buch für jeden Buchclub. Es ist wie eine Flamme, die ein Feuer hitziger Diskussionen entfacht und die eigenen Prinzipien ins Wanken bringt. Aber auch Leserinnen und Leser, die einen Blick in eine Welt werfen möchten, die uns vollkommen fremd erscheint, werden fündig. Kurz gesagt: Trophäe ist eine spannende, moralisch herausfordernde Lektüre und eine klare Empfehlung meinerseits. Diese Geschichte wird mich noch lange begleiten, und ich bin mir sicher: Wer sie liest, wird ebenso empfinden.

Anna Purgina, Oktober 2025: Schoeters, Trophäe

Read the original on alliteratus.substack.com

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