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Alexander Schiebel · Aug 23, 2026

In einem brennenden Haus schreibt man keine Gedichte

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Alexander Schiebel · Alexander Schiebel

Manche Menschen halten es für wahrscheinlicher, dass die Menschheit endet, als dass sie die Systeme, die sie aufgebaut hat, überlebensfreundlich umbaut. Diesen Gedanken denkt man nicht jeden Tag, das wäre zu lähmend. Aber er kehrt immer wieder. Wenn du ihn kennst, ist dieser Text für dich geschrieben.

Ich glaube, dass die Anzahl, die Größe und die Neuartigkeit unserer Probleme uns dazu zwingen, in diesem Augenblick alles, was wir sonst wollen könnten, beiseitezulegen. In einem brennenden Haus schreibt man keine Gedichte. Und das Haus brennt nicht nur an einer Stelle. Mich selbst habe ich daher aufgefordert und verpflichtet, das Beste zu tun, das in meiner Macht steht.

Erstens glaube ich, dass diese Probleme miteinander verbunden sind und aufeinander wirken; man kann daher, wenn man sich an der falschen Stelle festbeißt und mächtigere Hebel übersieht, leicht seine gesamte positive Energie verschwenden. Nur durch den Zusammenhang erkennt man, wo man ansetzen sollte oder müsste.

Zweitens steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Problem tatsächlich lösen kann, je genauer man es versteht. Übersieht man es oder leugnet man es, gibt es so gut wie keine Möglichkeit, es zu lösen. Erkennt man es nur oberflächlich, dann funktionieren die Interventionen zu seiner Lösung bestenfalls zufällig. Sorgfältiges Verstehen ist die unverzichtbare Grundlage effektiven Lösens.

In der Nähe einer Fabrik, die Gift emittiert, ist es zwar löblich und eigentlich unverzichtbar, den Opfern Soforthilfe zu leisten. Noch wichtiger aber ist es, den Ausstoß der Gifte zu unterbinden. Und genau so müssen wir auch an das Netzwerk der Probleme herangehen, an die Problemlandschaft, die sich vor uns aufbaut.

Ich zeichne daher einen möglichst umfassenden Überblick über die Herausforderungen, vor denen die Menschheit im 21. Jahrhundert steht: „Die Landkarte der Probleme”, sieben Bände, eingeteilt nach den von den Problemen betroffenen Gruppen. Die Titel sind vorläufige Arbeitstitel.

  • Band eins: Der Mensch. Die größten aktuellen Probleme des Menschen sind jene, die ihn krank machen oder die sein Leben kosten oder verkürzen. Welche Risikofaktoren und Ursachen das sind, wird weltweit erforscht und regelmäßig in der Global-Burden-of-Disease-Studie veröffentlicht — sie erlaubt ein verblüffendes Ranking jener Probleme, unter denen Menschen heute bereits leiden und sterben.

  • Band zwei: Die Tiere. Wir verursachen unermessliches Tierleid in der Massentierhaltung und durch das Artensterben. Wenn dieses Leid auch nur einen minimalen Wert hätte, wenn es auch nur minimal zählen würde, dann würde es durch die Multiplikation von »Größenordnung x Wert« augenblicklich zu unserem größten Problem. Zu einem Problem für uns selbst wird es über zahlreiche Umwege und Rückwirkungen.

  • Band drei: Der Planet. Einer dieser Umwege ist die Zerstörung der natürlichen Umwelt. Hier wird eine Zusammenschau unserer größten Umweltprobleme entlang der planetaren Belastungsgrenzen entfaltet, in der ihre Wechselwirkungen sichtbar werden.

  • Band vier: Die Zukunft. Probleme, die sich zurzeit erst aufbauen, aber zu einer Bedrohung für die gesamte Menschheit werden können — die Erderhitzung —, und Probleme, die heute noch gar keine sind, weil ihre Auswirkungen bloß potenziell sind, dafür aber existenziell: fabrizierte Krankheitserreger, eine KI, die außer Kontrolle gerät, und der Klassiker, der weltweite Atomkrieg.

Wer sich mit diesen primären Problemen beschäftigt, stößt auf Schritt und Tritt auf Probleme zweiter Ordnung — definiert als Probleme, die die anderen Probleme entweder verursachen oder ihre Lösung verhindern oder beides zugleich. Ihnen gelten die drei letzten Bände.

  • Band fünf: Die Medien. Damit sich etwas ändert, müssen genügend Menschen verstehen, worum es geht, und jene Vertreter wählen, die es ebenfalls verstanden haben; nur so entsteht in der knappen Zeit, die uns bleibt, eine Mehrheit für das richtige Handeln. Einen sachorientierten, lösungsorientierten Dialog möglichst vieler Beteiligter zu ermöglichen, ist die Aufgabe der Medien — und deshalb ist dieser Band kein Nebenschauplatz, sondern die Bedingung für alles Übrige.

  • Band sechs: Die Wirtschaft. In einer besser konstruierten Welt würden die Anreize unseres Wirtschaftssystems uns ganz natürlich dazu anleiten, Arbeit, Wissen und Ressourcen langfristig klug und für uns alle befriedigend zu verwenden.

  • Band sieben: Die Politik. Das Wirtschaftssystem so zu konstruieren — im aktuellen Fall: es zu reparieren oder gar auszutauschen — ist eine Aufgabe der Gemeinschaft und damit eine Aufgabe der Politik. Die aber weist in ihrem gegenwärtigen Zustand mindestens ebenso viele Systemfehler auf wie die Wirtschaft.

Mein wirkliches Produkt ist die Möglichkeit, diese sieben Felder aufeinander bezogen in den Blick zu nehmen. Mein Produkt ist Zusammenschau — nicht Vertiefung oder Originalität in irgendeinem der Bereiche.

All das besteht in seiner Essenz aus Texten, die auf einer großen Anzahl tiefer Recherchen beruhen. Seit Sommer 2025 publiziere ich sie kostenlos hier auf Substack. Aus jeder der sieben Artikelserien entsteht im nächsten Schritt ein Buch, und der gemeinnützige Verlag what.works bringt diese Bände direkt in den Buchhandel und auf alle Online- und E-Book-Plattformen.

Wer nicht warten will, bis die Bücher da sind: Vier der sieben Serien — Der Mensch, Die Tiere, Der Planet, Die Zukunft — stehen bereits vollständig auf meiner Substack-Seite; Die Medien, Die Wirtschaft und Die Politik folgen bis zum Jahresende. Seit Sommer 2025 sind daraus über hundert ausführliche, sorgfältig recherchierte Essays geworden, die im Mittel rund 1.700 Menschen lesen.

Anfang September stelle ich jeder abgeschlossenen Serie ein Inhaltsverzeichnis voran: alle Artikel in der richtigen Reihenfolge, jeder in zwei Sätzen beschrieben und verlinkt. Damit lässt sich jede Serie schon jetzt von vorne nach hinten lesen — wie das Buch, das daraus wird.

Ich beschreibe meinen Leser nicht nach Alter, Beruf oder Milieu, sondern nach dem Gedanken, von dem ich eingangs gesprochen habe. Immer wenn er ernsthaft über unsere Probleme nachdenkt, landet er bei diesem Resultat. Er hat sich sogar, ein Stück weit, damit abgefunden.

Ich glaube, dass drei Schritte ihn an diesen Punkt geführt haben.

  • Erstens: Er hält mindestens eines unserer Probleme nicht für eines unter vielen, sondern für ein Problem von neuer Qualität — sei es die Erderhitzung, sei es das Artensterben oder die Gefahr, die von der künstlichen Intelligenz ausgeht. Sagt man ihm, er sei bloß ein Apokalyptiker und das sei alles Angstmacherei, dann weiß er, dass das Nebelkerzen sind. Spätestens seit wir uns mit Atomwaffen selbst vernichten können, hat sich die Qualität unserer Probleme wirklich verändert.

  • Zweitens: Er hat immer wieder über den Rand der Probleme hinausgedacht. Alle wissen, dass wir das Energiesystem umbauen müssen, er fragt sich daher, warum das viel zu langsam geschieht. Er versteht, dass die eigentliche Bremse nicht im Problemfeld selbst sitzt, sondern anderswo — in einer Kombination aus Wirtschaft, Politik und Medien.

  • Drittens: Er hat keine Interessenlage, die stark genug wäre, ihn von substantieller Systemkritik abzuhalten. Er muss nichts verteidigen, weil er beispielsweise eine bestimmte Rolle in diesem System spielt. Dass diese Systeme dysfunktional sind, scheint ihm mehr oder weniger offensichtlich.

Wer diese drei Schritte gegangen ist, landet fast zwangsläufig bei einem entmutigenden Befund: Man müsste so vieles gleichzeitig ändern, und es gibt so viele Systembestandteile, die einander gegenseitig stabilisieren, dass jede rasche Veränderung denkunmöglich erscheint.

Ich will all jenen, die das bereits erkennen, es aber in einem diffusen Zustand mit sich herumtragen, die Möglichkeit geben, ihre Gedanken zu klären und zu schärfen. Ich behaupte nicht, dass ein geordnetes Bild die Verzweiflung auflöst. Ich behaupte, dass es zeigt, wo wirkliche Hebel liegen — und dass ein guter Teil der Hoffnungslosigkeit durch die Unübersichtlichkeit verstärkt wird, die meine Bücher auflösen sollen. Dass das funktioniert, sehe ich an mir selbst: Ich schreibe, frei nach Michel Foucault, diese Bücher nicht, weil ich etwas verstehe, sondern damit ich etwas verstehe. Und das klappt.

Die erste Phase dieses Projektes versuchen wir über Crowdfunding zu finanzieren. 207 Menschen haben bereits gespendet, die durchschnittliche Unterstützung betrug 56 Euro. Für die aktuelle Etappe fehlen noch 17 Prozent — bleibt es bei dieser durchschnittlichen Höhe, sind das 42 Menschen, die etwas beitragen oder noch einmal etwas beitragen. Dann ist diese Etappe geschafft. (Für das ganze Jahr 2026 geht es um 30.000 €; wie sich das rechnet, steht auf der Seite.)

Und noch etwas, das mir wichtig ist: Du finanzierst hier keine Ankündigung. Der größte Teil dieser Arbeit ist bereits geschrieben und steht online. Du kannst sie lesen, bevor du dich entscheidest.

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Und wenn du lieber dauerhaft mithelfen willst: Alle Artikel bleiben kostenlos. Ein bezahltes Substack-Abo finanziert die Recherche dahinter — und die nächsten Bände.

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Ich sage der Einfachheit halber „mein Leser”; ebenso oft ist es eine Leserin.

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