Die Gründe dafür sind vielfältig, das Ergebnis das gleiche: Schülerinnen und Schüler, die nach Ende ihrer Schulpflicht mit 15 Jahren der Schule den Rücken kehren (oft ohne eine wirkliche Alternative zu haben) oder sich mit großem Widerwillen weiter durch die Schule quälen.
Für sie habe ich dieses Buch geschrieben. Keinen pädagogischen Ratgeber und schon gar kein Motivationsbuch, sondern ein Buch, das neue Perspektiven eröffnen und Wege, mit dieser Situation umzugehen, aufzeigen soll.
Die ZIELGRUPPE sind 14-19jährige, die von Schule nichts mehr wissen wollen. Um sie zu erreichen, habe ich die SPRACHE möglichst einfach und verständlich gehalten und versucht, weder ins Banale abzugleiten noch “Jugendsprech” zu verwenden. 🤹♀️ Fachausdrücke habe ich ebenso vermieden wie den pädagogischen Zeigefinger. Der TON soll nicht von oben herab klingen, aber auch nicht zu jovial, sondern freundlich und verständnisvoll. Ziel ist es, den Jugendlichen ein besseres Bewusstsein für die eigene Situation zu vermitteln und Strategien für den Umgang damit aufzuzeigen.
Hier ein Auszug aus dem Einstiegskapitel:
Jemand hat dir dieses Buch gekauft – lies es trotzdem.
Irgendjemand – Eltern, eine Tante, der Opa, eine Lehrerin, die es gut meint – hat dieses Buch entdeckt, gedacht „Das könnte helfen“, und es dir dann mit einem süßsauren Lächeln überreicht.
Vielleicht war dabei ein Satz wie: „Ich dachte, das interessiert dich vielleicht.“ Oder: „Da steht Zeug drin, das wirklich hilft.“ Oder, in der ehrlicheren Variante: „Du hast ja gerade ein bisschen Mühe mit der Schule.“
Und du hast gesagt: Danke. Und innerlich: Echt jetzt?
Ich hätte wahrscheinlich genauso reagiert.
Bücher, die einem jemand schenkt, damit man sich irgendwie bessert, haben keinen leichten Start. Vor allem nicht, wenn man nicht darum gebeten hat. Es gibt kaum etwas Nervigeres als Erwachsene, die einem mit diesem wohlwollend-vorwurfsvollen Blick etwas in die Hand drücken, das angeblich „genau richtig“ ür einen ist. Das fühlt sich weniger nach Hilfe an als nach einer sehr freundlich verpackten Botschaft: So, wie du gerade bist, passt es nicht.
Falls du gerade skeptisch bist, ist das verständlich.
Du musst mit diesem Buch nichts machen. Ich werde nicht versuchen, dich zu irgendetwas zu überreden. Niemand kontrolliert, ob du die vorgeschlagenen Übungen machst. Du schuldest mir nichts, und du schuldest auch der Person nichts, die dir dieses Buch geschenkt hat.
Was ich dir anbiete, ist eine Einladung. Kein Auftrag.
Wenn du das Buch zuklappst und sagst, das ist nichts für mich – dann ist das deine Entscheidung, und ich respektiere sie.
Wenn du aber irgendwo auf den nächsten Seiten einen Satz findest, bei dem du denkst: „Moment – das kenne ich“ – dann lies weiter. Nicht für die Schule. Nicht für deine Eltern. Für dich.
Okay. Fangen wir an.
Warum hast du wirklich keinen Bock auf Schule?
Ist es die Langeweile, die sich Tag für Tag wiederholt? Das Gefühl, ständig verglichen zu werden?
Der Anschluss, den du in einem Fach verloren hast, während du nach außen so tust, als wäre dir das egal?
Hast du Probleme mit den Mitschülern? Hat dich eine Lehrperson auf dem Kieker?
Hast du das Gefühl, da nicht dazuzugehören?
Belasten dich Konflikte oder gar Mobbing?
Oder bist du einfach nur müde – von Stundenplänen, Erwartungen, Noten, von Erwachsenen, die dir sagen, du sollst mehr aus dir machen?
Und wie gehst du mit diesem Null-Bock um?
Jeder findet einen Weg damit umzugehen – auch wenn er die Entscheidung dafür nicht immer bewusst trifft.
Die eine verweigert sich: liefert nichts mehr, macht innerlich dicht.
Der andere geht dem Ganzen aus dem Weg: Schwänzt, verschwindet, ist immer öfter einfach nicht da.
Wieder andere gehen in den Kampf: legen sich mit Lehrern, Eltern, dem ganzen System an.
Und dann gibt es die, die sich in eine Welt flüchten, die sich gerade echter anfühlt: ins Gamen, in Social Media, ins Sporttraining, manchmal auch in Alkohol oder andere Drogen.
Wie reagierst du gerade?
Lass mich dir sagen, was dieses Buch nicht ist.
Es ist kein Motivationsbuch. Schule wird dadurch nicht plötzlich spannend. Du wirst am Ende dieses Buches nicht freiwillig Vokabeln lieben, mathematische Gleichungen umarmen oder morgens begeistert aus dem Bett springen, sobald der Wecker klingelt.
Wenn dich Schule gerade nervt, dann nervt sie dich. Ein Buch kann das nicht wegzaubern.
Dieses Buch versucht auch nicht, dir einzureden, dass alles halb so schlimm ist. Vielleicht ist manches wirklich schlimm.
Ich werde dir auch nicht sagen, dass du dich mehr anstrengen musst. Das hast du wahrscheinlich oft genug gehört.
Wenn „streng dich mehr an“ nämlich funktionieren würde, bräuchte niemand dieses Buch. Dann hätten Eltern, Lehrpersonen und gut gemeinte Ratschläge das Problem längst gelöst.
Was du hier findest, ist eine andere Perspektive.
Auf die Schule und vor allem auf dich selbst.
Denn es geht um dich.
Was in dir passiert, wenn du keine Lust mehr hast. Wenn du Dinge aufschiebst, obwohl du weißt, dass sie dadurch nicht verschwinden. Wenn du morgens liegen bleibst, obwohl dir klar ist, dass es später Stress geben wird. Wenn du im Unterricht sitzt, körperlich anwesend, innerlich aber weit weg. Wenn du dir vornimmst, heute wirklich etwas zu tun, und zwei Stunden später merkst, dass du wieder nur am Handy warst.
Die meisten Menschen nennen das Faulheit. Oder mangelnde Disziplin. Oder schlechte Einstellung.
Manchmal stimmt es. Manchmal hat man tatsächlich keine Lust. Manchmal ist das Handy einfach verlockender als das Heft. Manchmal wäre es hilfreich, wenn man sich weniger selbst belügt.
Aber meistens ist das nicht die ganze Geschichte.
Hinter „Ich will nicht“ steckt meistens mehr.
Manchmal steckt da: „Ich glaube nicht, dass es sich lohnt.“
Manchmal: „Ich habe Angst zu scheitern, also fange ich lieber gar nicht erst an.“
Manchmal ist es schlicht: „Ich bin so müde, dass mir alles egal geworden ist.“
Oder: „Ich weiß nicht mehr, wie ich da wieder herauskommen soll.“
Das ist nicht Schwäche. Das ist kein Beweis dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es sind Signale. Und Signale kann man lesen lernen.
Ich berate Menschen, die feststecken. Sportler, die trotz Talent nicht an ihre Leistung kommen. Jugendliche, die jede Menge Potenzial haben und trotzdem das Gefühl haben, sie bringen nichts auf die Reihe. Erwachsene, die irgendwann aufgehört haben, zu glauben, dass sich etwas ändern kann.
Was ich dabei gelernt habe: Das Problem liegt meist nicht dort, wo alle zuerst hinschauen.
Wer keine Lust auf Schule hat, ist nicht kaputt. Wer sich innerlich weigert, ist nicht einfach faul, sondern hat oft gute Gründe – auch wenn er sie selbst nicht in Worte fassen kann.
Oft liegt es daran, dass man sich selbst nicht mehr versteht. Man merkt nur noch, dass etwas nicht funktioniert.
Der Kopf sagt: Ich müsste. Der Körper sagt: Nein. Die Eltern sagen: Jetzt mach endlich. Die Schule sagt: Abgabe bis Freitag.
Und irgendwo dazwischen sitzt du selbst und weißt nicht mehr, ob du wütend, müde, ängstlich oder einfach nur leer bist.
Ich werde dich in diesem Buch immer wieder bitten, dir Fragen zu stellen und genauer hinzuschauen:
Auf deine Gedanken, auf deinen Widerstand, auf deine innere Stimme, auf deinen Körper.
Das klingt vielleicht ungewohnt. Was soll dein Körper mit Schule zu tun haben? Mehr, als du denkst. Wenn du feststeckst, zeigt sich das nicht nur in deinem Kopf. Es zeigt sich in der Art, wie du sitzt. In deinem Atem. In dem Druck, den du vielleicht im Bauch oder in der Brust spürst, wenn du ans Lernen denkst.
Dein Körper merkt oft früher als dein Kopf, was los ist. Dein Nervensystem ist ein genaueres Messgerät als jede Selbsteinschätzung.
Und genau deshalb kann dein Körper auch ein Weg hinaus sein.
Nicht durch Druck, durch „zusammenreißen“ oder den nächsten großen Vorsatz, der drei Tage hält.
Sondern durch kleine Momente von Aufmerksamkeit, durch bessere Fragen, durch einfache Werkzeuge, die dir helfen, wieder mehr Handlungsspielraum zu bekommen.
In diesem Buch geht es darum, dass du verstehst, was in dir vorgeht – damit du selbst entscheiden kannst, was du damit machst.
Es geht darum, dass du wieder mehr Kontrolle bekommst.
Du wirst den Stundenplan nicht abschaffen, Prüfungen nicht wegzaubern und Lehrpersonen nicht in Menschen verwandeln, die plötzlich perfekt zu dir passen.
Aber du kannst unterscheiden, wo du wirklich nichts ändern kannst und wo doch ein kleiner Spielraum liegt.
Du kannst lernen, dich nicht jedes Mal selbst fertigzumachen, wenn etwas schiefläuft.
Und du kannst herausfinden, wie du auch in einer Situation, die du dir nicht ausgesucht hast, wieder mehr bei dir selbst bleibst.
Denn wenn du verstehst, was dich blockiert, hast du plötzlich eine Wahl.
Und das ist der Unterschied zwischen jemandem, der durch die Schule treibt – teilnahmslos, aber angepasst – und jemandem, der einen Weg für sich findet, der zu ihm passt.
Wenn du bis hierher gelesen hast, freue ich mich über dein spontanes Feedback oder konstruktive Verbesserungsvorschläge. Schreibe mir gerne oder hinterlasse einen Kommentar über deinen Ersteindruck. Danke!
Ich wünsche Dir und euch eine schöne Juliwoche 😊

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