Miriam Schaan hat vor einer Weile nach dem Schreiben gefragt. Ich hab mir den Post nicht gespeichert und weiß gerade nicht mehr, wie er hieß. Ziel war es, soweit ich mich erinnere, eine Sammlung zu diesem Thema zu machen. Nun, ich habe die Gelegenheit einfach mal genutzt und geschrieben, weshalb ich schreibe. Und wie.
Mir war so und ich finde es immer spannend, wie andere aus der Zunft arbeiten, wo sie das tun und was ihre Motivation ist. Vielleicht entsteht ja daraus hier echt was Cooles innerhalb der Schreibenden-Community.
Wenn ich von meinem Schreiben und Lesen erzähle, erhalte ich gern ein Lächeln. Dieses „Das kann ja jeder“-Lächeln, welches wir Autoren so gut kennen. Fange ich dann jedoch an mit meinem Warum, wird so ziemlich jeder schnell still.
Schreiben und Lesen waren beides für mich Flucht. Bücher, Geschichten, andere Welten. Die frühere Welt, also Geschichte und Co. Alles war besser als meine Realität als Kind.
Häusliche Gewalt, Mobbing, Druck.
Meine Biologielehrerin war die Nichte meines Stiefvaters. Beobachtung und Anpassung.
Fliehen konnte ich nur in andere Welten.
Heute als Erwachsener schreibe ich, weil ich es kann und will. Mit jeder Faser. Schreiben ist Luft, tägliches Brot und nach wie vor mein Schutz.
Ich lese viel, manchmal zu viel. Aber habe dadurch auch zu viele Projekte.
Alltag, die Welt da draußen, Menschen und Interaktion.
Als Autist bin ich doch schnell überfordert. Und das wiederum bringt mich zum Schreiben. Denn wenn alles überlastet ist, beruhigt mich das Kratzen der Feder meines Füllers oder das sanfte Rollen meines Kulis über Papier.
Mein Nervensystem beruhigt sich.
Und oft, sehr oft hat dann eine Idee das Licht der Welt erblickt.
Viel öfter noch steht dann da eine neue Figur mit ihren Ecken und Kanten und einem Problem, das sich gewaschen hat.
Denn ich schreibe so, wie ich die Welt verstehe. Ich schreibe, was ich für Lösungen sehe. Oder das, was ich selbst in schwierigen Phasen gebraucht hätte.
Ich werfe meine Figuren, vornehmlich in Fantasy- oder Sci-Fi-Settings, in hässliche Situationen. Zwinge sie, sich da rauszuholen und Wege zu finden, die ihre eigene Freiheit (nämlich jene, dass in ihrer Welt alles möglich ist, solange es plausibel reinpasst) voll ausnutzen.
Freiheiten, für die man in der Realität ins Gefängnis käme oder gesellschaftlich geächtet werden würde.
Abgesehen davon funktioniert vieles bei uns auch überhaupt nicht.
Ich plane dabei einerseits, andererseits lasse ich die Geschichte laufen. Letzteres funktioniert oft am besten. Wobei man im Notizbuch, wo jeder meiner Texte entsteht, beides hervorragend kombinieren kann.
Abgetippt wird später.
Oder diktiert.
Wenn ich zufrieden bin und ich Zeit habe.
Alltag, Arbeit, Kind, man kennt es.
Irgendwo dazwischen müssen der Schreibtisch, der Esstisch oder das Sofa herhalten.
Wenn ich nicht gerade eine Blockade habe, wobei die einen sagen, „gibt es nicht”, die anderen leiden genauso drunter, bei der ich dann anfange, den Nebel im Kopf wegzuschreiben.
Ich nenne das Bullshit-Seiten.
Alles raus, dann fließt es wieder.
Und prompt sind meine Figuren wieder da.
Oder eine Idee zu den unzähligen Themen, die mich interessieren.
Schreiben und Lesen sind meine Anker. Lesen hilft fast immer, aber selber Wörter nutzen, um etwas zu erschaffen - das ist, weshalb ich den Stift tanzen lasse.
Immer und überall. Und immer mit Notizbuch.
Danke fürs Lesen.

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