Inland
Der Bund rechnet 2026 überraschend mit einem Überschuss von rund 800 Millionen Franken statt des budgetierten Defizits — eine deutliche Wende gegenüber den ursprünglichen Erwartungen des Bundesrats. Der Bundesrat hat zudem entschieden, den Schutzstatus S für Ukraine-Flüchtlinge nicht vor dem 4. März 2028 aufzuheben, da eine nachhaltige Stabilisierung der Lage weiterhin nicht absehbar sei. Ab heute wird der Status jedoch für bestimmte Personengruppen eingeschränkt.
Im Wallis endet ein 34 Jahre altes Bergdrama: Am Triftgletscher in Saas-Grund wurden zwei seit 1992 vermisste belgische Bergsteiger identifiziert. In Bern läuft derweil die jährliche Konferenz der Schweizer Botschafterinnen und Botschafter unter dem Titel «Weltunordnung: Die Schweiz in Europa und der Welt» — Bundesrat Ignazio Cassis empfängt dabei den deutschen Aussenminister Johann Wadephul.
Wirtschaft
Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 überraschend kräftig gewachsen: Das Bruttoinlandprodukt legte real um 1,5 Prozent zu, während Ökonomen nur mit rund 0,4 Prozent gerechnet hatten — getragen von der Chemie- und Pharmabranche. Der SMI gab derweil leicht nach auf 14’391 Punkte. Bei den Halbjahreszahlen sticht Alcon hervor: Der Augenheilmittelkonzern erzielte einen Umsatz von 2,78 Milliarden Dollar (plus 8 Prozent) und steigerte die Kernmarge von 19,1 auf 20,6 Prozent. Bell Food Group profitierte vom heissen Sommer und steigerten Umsatz sowie Gewinn deutlich, während die Internetbank Swissquote wegen der schwachen Kryptomarkt-Erträge ihre Jahresziele senken musste.
Geopolitik
Peking schlägt im Handelskonflikt mit Washington zurück: China hat am 5. August 2026 die Exportkontrollen für drohnenbezogene Dual-Use-Güter in die USA massiv verschärft und unterwirft Lieferungen künftig einer strengen Einzelfallprüfung. Im US-Senat mehren sich derweil Stimmen gegen Russland — ein Signal, dass Moskau die Ukraine nicht erobern werde. In der Schweiz hat das Bundesverwaltungsgericht in einem Referenzurteil festgelegt, unter welchen Bedingungen junge Afghanen in ihr Heimatland weggewiesen werden können.
Person im Fokus: Lara Gervaise
Mit knapp 30 Sekunden einer Stimmprobe lässt sich heute ein Krankheitsbild erkennen — das ist die Idee hinter Virtuosis AI, dem Lausanner Startup der 27-jährigen Lara Gervaise. Die Idee zur Gründung kam ihr während des Masterstudiums an der EPFL. Ihr Werdegang ist ungewöhnlich: Gervaise galt lange auch als sportliche Nachwuchshoffnung und stand vor der Frage, ob sie ihr Unternehmen vor oder nach einer möglichen Olympia-Karriere gründen sollte. Sie entschied sich für die Wissenschaft — ein Beispiel dafür, wie in der Romandie medizinische KI-Forschung und unternehmerischer Mut zusammenfinden.
Gemeinde im Fokus: Rebévelier (BE)
Hoch über dem Tal von Undervelier, westlich von Moutier, liegt Rebévelier — eine der kleinsten und zugleich eigenwilligsten Gemeinden des Berner Juras. Erstmals um 1181 als «Robervilier» erwähnt, gehörte der Ort zur Courtine des Klosters Bellelay und stand unter französischer Herrschaft zu den Departementen Mont-Terrible und Haut-Rhin, ehe er 1815 dem Kanton Bern angegliedert wurde. Rebévelier ist mehrheitlich deutschsprachig, wenngleich der frühere deutsche Name «Ruppertswiler» heute nicht mehr gebraucht wird. Bei der Jurafrage entschied sich die Grenzgemeinde 1975 in der Volksabstimmung gegen einen neuen Kanton Jura. Heute zählt sie rund 40 Einwohner — die Behörden korrespondieren, anders als in den übrigen deutschsprachigen Gemeinden der Region, sogar in den Gemeinderatssitzungen auf Deutsch.
Robotik und KI
ABB Robotics aus Zürich bringt 2026 die neue OmniCore-Plattform sowie die IRB-1090-Familie auf den Markt und unterstreicht damit die Rolle der Schweiz als Industrierobotik-Standort. Parallel öffnet Google DeepMind mit Gemini Robotics ER 2 sein Robotik-«Gehirn» für Entwickler — ein Modell, das mehrstufige Roboteraufgaben plant und mehrere Roboter gleichzeitig koordiniert. Am 26./27. August zeigen an der Messe «all about automation» in Zürich 225 Aussteller ihre Automatisierungslösungen.
Wissenschaft
Am 22. August öffnet in Zürich die Scientifica ihre Tore — mit über 1’000 Forschenden von ETH und Universität Zürich die grösste Ausgabe des Wissenschaftsfestivals bisher, neu unterstützt vom Zürich Innovation Park in Dübendorf. Auf der Forschungsseite hat die ETH einen Mikroroboter entwickelt, der Medikamente durch Blutgefässe transportiert und sich danach auflöst — ein Beispiel für die praktische Anwendung Schweizer Grundlagenforschung.
Sport
Die Schweizer Eishockey-Frauen mussten sich am Mittwoch an der Euro Hockey Tour Schweden geschlagen geben, nachdem die Skandinavierinnen bereits nach 47 Sekunden in Führung gegangen waren. In der Leichtathletik sorgte zuletzt Audrey Werro mit EM-Gold über 800 Meter für Furore — die Freiburgerin gilt mit 22 Jahren bereits als eine der grössten Schweizer Läuferinnen der Gegenwart.
Schweizer Erfindung: der Klettverschluss
Ein Jagdausflug im Jura, Kletten im Hundefell — daraus entstand eine der cleversten Erfindungen der Schweiz. Georges de Mestral bemerkte, wie winzige Häkchen der Kletten sich in Fasern und Haaren verhaken, und entwickelte daraus 1941 den Klettverschluss. In den 1950er-Jahren liess er das System patentieren und nannte es Velcro — ein Kunstwort aus «velours» und «crochet». Heute steckt das Prinzip in Schuhen, Raumanzügen und medizinischen Geräten weltweit.
Drei Schweizer Startups im Fokus
valuemize (Zürich) hat eine siebenstellige Pre-Seed-Runde abgeschlossen; die Software zeigt Herstellern, wie sich Designentscheidungen auf Produkte auswirken. Offene Stelle: Software Engineer (Zürich). Gilytics (Zürich) entwickelt eine Plattform für die Standortplanung von Infrastrukturprojekten. Offene Stelle: System Administrator. PreComb Therapeutics (Hombrechtikon) arbeitet an einer Testplattform für personalisierte Krebstherapien. Offene Stelle: Business Development Manager.
Naturheilmethoden
Salbei: Die Heilpflanze zeigt eine vielversprechende antibakterielle Wirkung gegen Streptococcus pyogenes, den Erreger von Scharlach und Mandelentzündungen. Holunder: Holunderextrakt verkürzte in einer Studie die Erkältungsdauer bei Flugreisenden um durchschnittlich zwei Tage, da der Wirkstoffkomplex das Eindringen von Viren in Zellen hemmt. Holunderblütentee: zwei Teelöffel auf 250 ml kochendes Wasser, zehn Minuten ziehen lassen.
Kochrezept in 10 Minuten: Rüebli-Ingwer-Suppe
Rüebli grob raffeln, mit gehacktem Ingwer und Zwiebel in Butter kurz andünsten, mit Gemüsebouillon ablöschen, 6 Minuten köcheln, pürieren, mit einem Klecks Rahm servieren.
Bundesgerichtsentscheid
Das Bundesgericht hat entschieden, dass der Kanton Zürich von Anwältinnen und Anwälten sowie weiteren berufsmässigen Parteivertretern verlangen darf, ab 2026 ausschliesslich elektronisch mit Verwaltungsbehörden und Gerichten zu kommunizieren. Zwei dagegen erhobene Beschwerden wurden abgewiesen; die Digital-Only-Pflicht sei mit der Wirtschaftsfreiheit vereinbar. Zudem bestätigte das Bundesgericht: Wegen einer verspäteten Beschwerde bleibt die Abstimmung über das E-ID-Gesetz trotz einer Swisscom-Spende an das Ja-Komitee gültig.
Kriminalfall
Ein Mann attackierte 2020 in einer Solothurner Justizvollzugsanstalt einen Mitbewohner mit einem 26 Zentimeter langen Brotmesser und wurde erstinstanzlich wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Bundesgericht hat dieses Urteil nun wegen Verfahrensfehlern aufgehoben — wichtige Zeugenaussagen sind nicht mehr verwertbar, der Prozess vor dem Obergericht Solothurn muss wiederholt werden.
Zahlen und Kurzmeldungen
Der Traditionsschuhhersteller Bally steckt in der Krise; unklar ist, was mit seiner 40’000 Paar umfassenden historischen Schuhsammlung geschieht. In Zürich hat ein international gesuchter Hacker aus Basel-Landschaft begonnen, sich vor Gericht zu verantworten — er soll hunderte Firmen per Ransomware erpresst haben.
Zahl des Tages: 800 Millionen Franken — der von SECO erwartete Bundesüberschuss 2026. Person des Tages: Lara Gervaise, Gründerin von Virtuosis AI.
Heute vor 50 Jahren
Im August 1976 wurden am Stausee Lac du Vieux Émosson im Kanton Wallis gut erhaltene Dinosaurier-Fussabdrücke entdeckt — rund 250 Millionen Jahre alt und bis heute eine der eindrücklichsten paläontologischen Fundstellen der Schweiz.
Quellen nach Rubrik: Inland: srf.ch/news, news.admin.ch, nzz.ch. Wirtschaft: wil24.ch/rheintal24.ch, boerse.de. Geopolitik: bachheimer.com, swissinfo.ch. Person im Fokus: nzz.ch. Gemeinde im Fokus: hls-dhs-dss.ch, dewiki.de, schweizer-regionen.ch. Robotik/KI: robohelfer.ch, kinewsletter.ch. Wissenschaft: ethz.ch. Sport: srf.ch/sport, tagesanzeiger.ch. Erfindung: aboutswitzerland.eda.admin.ch. Startups: startupticker.ch. Naturheilmethoden: heilpraxisnet.de, heilkraeuterwelt.com. Bundesgericht: netzwoche.ch, bger.ch. Kriminalfall: beobachter.ch. 50 Jahre: was-war-wann.de.
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