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Gustavs Morgendialog · Aug 21, 2026

Über Bande

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Jens Alsleben · Gustavs Morgendialog

„Am Freitag habe ich die Budgetrunde mit Martin”, sagte Anna und goss sich Kaffee ein. „Und ich sitze seit gestern an einer Präsentation, die zeigt, was mein Team dieses Quartal alles gestemmt hat. Vierzehn Folien. Ich fürchte nur, er überfliegt sie in zwei Minuten.”

Gustav lag auf der Fensterbank und blinzelte in die Morgensonne. „Was weiß Martin heute über euer Quartal?”

„Bruchstücke. Ein Satz im Flurgespräch, eine Zeile im Statusbericht. Neulich hat er im Meeting gesagt, die Migration sei ‚irgendwie holprig gelaufen’. Dabei war sie unser bestes Stück Arbeit.”

„Wer hat ihm das mit dem Holprigen erzählt?”

Anna hielt inne. „Keine Ahnung. Irgendjemand aus dem Nachbarteam, im Vorbeigehen.”

Gustav zuckte mit der Schwanzspitze. „Und du glaubst, vierzehn Folien von dir wiegen diesen einen Satz auf?”

„Wenn ich es gut genug belege …”

„Wem glaubt Martin mehr — dir, wenn du über dein eigenes Team redest, oder jemandem, der nichts davon hat?”

Anna stellte die Tasse ab. „Der Kundin”, sagte sie langsam. „Frau Kessler hat mir gestern geschrieben. Dass die Migration die reibungsloseste war, die sie je erlebt hat.”

„Diese Zeile hört Martin von dir als Eigenlob”, sagte Gustav. „Von ihr hört er sie als Tatsache.”

„Ich kann sie schlecht bitten, meinem Chef zu schreiben.”

„Warum nicht? Sie hat es dir ja freiwillig geschrieben. Den meisten Menschen kommt nur nicht in den Sinn, ein Lob weiterzureichen.” Gustav schnupperte am Kaffeedampf. „Sag ihr einfach: Das bedeutet mir viel. Hätten Sie Lust, das kurz auch Martin zu schreiben? Für sie sind das zwei Sätze.”

Anna schrieb sich etwas auf. „Und die Folien?”

„Behalt drei. Den Rest erledigt ein Satz von Frau Kessler.” Er reckte sich. „Und Bernd aus dem Nachbarteam hat letzte Woche eure Schnittstelle gerettet. Sag das nächste Woche laut, im Meeting, mit seinem Namen. Nicht als Trick. Weil es stimmt.”

„Damit er sich revanchiert?”

„Damit überhaupt jemand anfängt, gute Sätze über andere zu sagen. Meistens kommt es zurück, ohne dass man darum bittet.”

Anna nickte und strich zehn Folien durch. In der Küche wurde es langsam hell.

„Es fühlt sich komisch an”, sagte sie. „Als würde ich mich verkaufen.”

Gustav legte den Kopf schief, die Säbelzähne kurz im Morgenlicht. „Du verzerrst nichts. Du sorgst nur dafür, dass das Wahre auch ankommt. Das ist kein Verkaufen. Das gehört zu deiner Arbeit.”

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