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Gustavs Morgendialog · Aug 17, 2026

Die vertauschten Uhren

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Jens Alsleben · Gustavs Morgendialog

„Ich habe heute zwei Dinge auf dem Tisch, und bei beiden komme ich nicht vom Fleck”, sagte Anna und ließ den Löffel in ihrer Kaffeetasse kreisen.

Gustav lag zusammengerollt auf der Fensterbank und öffnete ein Auge. „Erzähl.”

„Gestern Abend hat Frau Berger geschrieben. Ihr größter Auftrag, und in unserer Rechnung stand die falsche Menge — doppelt so viel wie bestellt. Sie ist außer sich.” Anna stellte die Tasse ab. „Ich will es richtig machen. Also habe ich die Buchhaltung gebeten, den ganzen Vorgang aufzurollen, jede Position zu prüfen. Bis Freitag haben wir eine saubere Analyse.”

„Bis Freitag”, wiederholte Gustav.

„Und das Zweite: Wir könnten die kleine Firma aus Ulm übernehmen. Ein Softwareteam, acht Leute, das würde uns zwei Jahre Entwicklung sparen. Der Vorstand will morgen früh eine Antwort. Ich dachte, ich sage einfach zu — dann sehen alle, dass ich entscheiden kann.”

Gustav richtete sich auf und zuckte mit der Schwanzspitze. „Halt kurz. Welche der beiden Sachen brennt gerade?”

Anna überlegte. „Frau Berger. Offensichtlich. Sie wartet seit gestern Abend.”

„Und du lässt sie bis Freitag warten, während die Buchhaltung Spalten prüft.”

Anna machte den Mund auf und wieder zu.

„Was braucht sie heute Morgen von dir?”, fragte Gustav. „Die perfekte Analyse — oder deine Stimme?”

„Sie braucht zu hören, dass ich es gesehen habe. Dass ich mich kümmere.” Anna griff nach dem Telefon. „Die Zahlen kann ich nachreichen.”

„Und Ulm?”

„Da sage ich morgen zu, bevor ein anderer —”

„Acht Leute, zwei Jahre, morgen früh entschieden.” Gustav legte den Kopf schief. „Wie lange kennst du die Firma?”

„Drei Wochen.”

„Und du weißt schon, wie die Leute dort miteinander arbeiten? Ob sie bleiben, wenn das Schild an der Tür wechselt?”

Anna sank auf den Stuhl zurück. „Nein. Das weiß ich nicht.”

„Bei Frau Berger zählt jede Stunde”, sagte Gustav. „Bei Ulm zählt jede Woche, die du dir nimmst, bevor du unterschreibst. Du hast die beiden Uhren vertauscht.”

Anna lachte kurz und leise. „Ich gehe langsam, wo ich rennen müsste. Und ich renne, wo ich langsam gehen sollte.”

„Ruf zuerst Frau Berger an”, sagte Gustav und legte den Kopf wieder auf die Pfoten. „Dem Vorstand sagst du morgen, dass eine Entscheidung dieser Größe ein paar Wochen verdient. Das ist keine Schwäche. Das ist einfach die richtige Uhr.”

Anna wählte schon, während gegenüber die ersten Fenster im Morgenlicht hell wurden.

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