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Making of "Conrad" - Geburt eines stillen Helden · Mar 13, 2026

Was haben baupolizeiliche Akten und eine KI-Fotobox gemeinsam? Die Strahlenburg, was sonst.

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Sindy · Making of "Conrad" - Geburt eines stillen Helden

Ich sitze im Kreisarchiv und bin mal wieder ehrenamtlich im Namen der Stiftung Strahlenburg unterwegs. Ich suche nach alten Bauplänen für unsere Baustatiker, Bauhistoriker und historischen Bauarchitekten, die wir nun für die Sanierung der Strahlenburg anheuern.

Vorab hatte mir der freundliche Mitarbeiter am Telefon schon gesagt, dass diese „baupolizeilichen Unterlagen“ erst ab 1885 existieren. Älteres Material wird man also nicht finden. Schade eigentlich. Aber für uns, die wir gerade eine Burgensanierung planen, ist alles hilfreich.

Ich radele also in den Nachbarort nach Ladenburg. Der Weg führt am Kanzelbach entlang über einen Feldweg. Und natürlich kommt mir der Gedanke: Das ist alles einmal Conrads Land gewesen – jenes Ritters, über den ich nun schon seit mehr als fünf Jahren recherchiere.

Die Felder tragen bis heute ihre alten Gewannnamen. Sie erzählen von Ackerbau, Viehweiden und anderen Nutzungen. Doch im Archiv suche ich erst einmal Baupläne.

Bild: Mensch gegen Uhr gut 1500 Seiten in 2 Stunden. Vieles ist in altem Deutsch und Steno, viele Pläne, die man erst vorsichtig entfalten und dann auch wieder zusammenlegen muss. (Foto: Sindy Grambow)

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Was mich dort erwartet, ist ein vorbereiteter Stapel brüchiges Papier. Ein handhoher Stapel – sicher mehr als 1500 Seiten.

Mir wurden zwei Stunden Besuchszeit eingeräumt. Keine Zeit zum Trödeln. Allein die Einführung, wie ich Akten zu markieren habe und welche Rechte und Pflichten ich eingehe, sowie das Ausfüllen der Anmeldedokumente fressen die ersten zwanzig Minuten der Besuchszeit. Und dann möchte der freundliche Mann mit dem roten Pullover auch noch wissen, wie es mit der Burg vorangeht, weil seine Mutter sich drauf freut, dort wieder Kaffee zu trinken.

Ich pflüge mich durch Aktenberge aus Wasserrecht, Statikberechnungen und handgeschriebenem Briefwechsel mit dem Landesamt für Denkmalschutz. Tatsächlich bin ich froh, dass ich im Laufe meiner Romanrecherche gelernt habe, alte Stenografieschriften wenigstens ein wenig zu lesen. So erkenne ich an den Überschriften zumindest, ob ein Dokument für die Sanierung der Burganlage relevant sein könnte – auch wenn mein Steno-Deutsch aus den 1950er Jahren eher rudimentär ist.

Bild: So ganz einfach ist das mit der Handschrift nicht immer. Und man entscheidet in Bruchteilen von Sekunden: wichtig oder nicht? Dann weiter. (Foto: Sindy Grambow)

Ich bin auch froh, dass ich vorsorglich meine gute Kamera mitgenommen habe. Über hundert Seiten fotografiere ich ab. Und „dank“ der spärlichen Beleuchtung muss ich später alle Fotos noch belichtungstechnisch nachbearbeiten (die Bilder hier im Substack habe ich im Original gelassen).

Während ich mich vorsichtig durch den fragilen Papierberg arbeite – beim Umblättern habe ich manchmal das Gefühl, dass das Papier in meinen Fingern zerbröselt –, wird mir klar, wie viel Geschichte hier liegt.

Es sind nicht die große Geschichten aus Romanen, sondern die kleinen Spuren des Alltags: ein kurzer Vermerk, eine handschriftliche Notiz, ein Name am Rand eines Dokuments.

Doch für solche Entdeckungen bleibt heute kaum Zeit (dazu mehr im Teil 2). Zwei Stunden sind schneller vorbei, als man denkt. Der nette Herr vom Archiv kommt eine halbe Stunde vor der Mittagspause mit einem hektischen Klopfen auf seine Armbanduhr in den Raum und erinnert mich an die Schließzeiten. Ich beeile mich.

Bild: Inmitten der ganzen trockenen Daten ein Lichtblick: Die Strahlenburg auf einer Postkarte des Jahres 1963. Ich inhaliere für 2 Sekunden das Bild und blättere weiter. (Foto: Sindy Grambow)

Als ich das Archiv verlasse, habe ich eine Bestellung über rund zweihundert Euro ausgelöst und 138 neue Fotos auf der Kamera.

Doch der Vormittag ist noch nicht vorbei.

Ich radele weiter zum nächsten ehrenamtlichen Termin: dem Aufbau einer Fotobox für den Mathaisemarkt. Die Besucher können sich dort mithilfe von KI in eine mittelalterliche Szene versetzen lassen – natürlich vor der Strahlenburg.

Und natürlich gegen Entgelt, denn die Sanierung der Burg wird Unsummen verschlingen. Ich erinnere mich an die Stunden davor und einen Aktenauszug über 104 000 DM allein für die Turmsanierung, die nie beendet wurde. Wir brauchen jeden Euro und verzichten, wie immer, auf die eigene Bezahlung – Epicto, die Firma, die uns das Gerät stellt, übrigens auch (an dieser Stelle: VIELEN DANK an alle Helfer und Unternehmen, die uns unterstützen! Das ist so unglaublich in diesen Zeiten und macht wirlich Mut weiter zu gehen!) Die nächsten zwei Wochenenden werden wir hier am Stand verbringen. Und ich habe vor, zumindest meinen Archivbesuch hier wieder finanziell für die Stiftung hereinzuholen.

Nach zwei weiteren Stunden Einweisung an diesem Freitag stehe ich plötzlich selbst vor der Burg. Zumindest digital.

Das Ergebnis: Der Techniker als Ritter in Rüstung und ich als Dame im mittelalterlichen Kleid. Mit Brille und Baseballkappe. Mittelalter trifft Gegenwart.
Und in meinem Kopf wälzen sich noch immer staubige Akten. Das sieht man auf dem Bild zum Glück nicht.

Bild: Auf dem Schriesheimer Mathaisemarkt kann man sich ins Mittelalter beamen lassen. Die Gewandung ist 15.–16. Jahrhundert, aber Conrads Burg ist das auch schon eine Ruine. Passt also 😉. (Foto: KI-generiert von Epicto GmbH)

Am Abend schreibe ich eine Szene, in der Conrad auf dem Bergfried steht – hoch über all dem Wahnsinn.

Und ganz ehrlich?
So habe ich mir das Autorenleben nicht vorgestellt.

Aber wisst ihr was?
Ich finde es grandios. Wenn ich das nur früher gewusst hätte … Ich möchte nie wieder was anderes tun, nur muss ich irgendwie einen Weg finden, davon zu leben. Aber:

Wo ein Wille, da eine Burg.

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Read the original on sindygrambow.substack.com

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