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Making of "Conrad" - Geburt eines stillen Helden · Aug 10, 2026

Conrad ist umgezogen

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Sindy · Making of "Conrad" - Geburt eines stillen Helden

Hier war es eine ganze Weile ziemlich still. Nicht, weil nichts passiert wäre. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Auf der Strahlenburg in Schriesheim läuft inzwischen der Vollbetrieb. Ich schreibe Konzepte, beschäftige mich mit Denkmalschutz und Naturschutz, mache jede Menge Führungen (etwa auch am Tag des offenen Denkmals, dem 13. September 2026), bastle an einem Mitmach-Programm und suche dafür und für vieles mehr Fördergelder. Irgendwie ist aus der Burg in den vergangenen Monaten ein ziemlich großes Projekt für die Stiftung und auch für mich geworden. Das ehrenamtlich zu schulternde riesige Auflagen- und Bürokratiepaket ist der Wahnsinn. Ich wundere mich nicht mehr, warum so viele darauf keinen Lust mehr haben. Warum tue ich mir das an? Ich bete es jeden Tag herunter: wir sind bestrebt die Burg vor dem Verfall zu retten und vor der dauerhaften Schließung.

Bild: Ende Juli war das Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim für 3 Tage auf der Strahlenburg und hat die verwaisten Räume als Filmkulisse genutzt. Auch hier erfolgte die Betreuung von unserer Stiftungs-Seite ehrenamtlich. Die Burg frisst ein Wahnsinn Stunden.

Man könnte das alles sicher auch einfacher machen. Aber wir leben in Deutschland. Bürokratie gab es schließlich schon im Mittelalter. Deutsche Tradition. Vielleicht ist es deshalb so schwer, sich davon zu trennen.

Und dann ist da natürlich noch Conrad – mein Romanprojekt. Und die Burg ist seine Burg!

Auch bei Conrad hat sich einiges getan. Er hat mittlerweile eine eigene Webseite mit einem eigenen Blog. Alles handgestrickt, worauf ich mächtig stolz bin.

Warum war das nötig?

Ich will ehrlich sein: Substack hat mich zu sehr abgelenkt.

Seit ich hier geschrieben habe, habe ich deutlich weniger an Conrad gearbeitet.

Ich war bei den Notes, habe Posts gelesen, Texte anderer Menschen, habe auf Zahlen geschaut, Abonnenten, Statistiken, Reichweite, Vergleiche, hab kommuniziert, versucht schlaue Antworten zu geben und mitzumachen und hier noch etwas entdeckt und dort noch etwas gelesen – und irgendwann festgestellt, dass die Stunden durch meine Finger rannen.

Und ich habe mir eingeredet, Sichtbarkeit sei mir nicht wichtig. Sie ist wichtig, aber nur wenn man sich auf einem Marktplatz befindet und etwas anbieten will. Aber ich bin auf einer Burg und bis auf Backend habe ich zurzeit nichts anzubieten! Was nutzt alle Sichtbarkeit, wenn die eigentliche Aufgabe oder das eigentliche Produkt dabei nie fertiggestellt wird und immer mehr in den Hintergrund gerät? Und dieses regelmäßige für Substack schreiben müssen, das hat mich völlig aus meinem eigenen Schreibrhythmus gebracht.

Stunden, in denen ich eigentlich Conrad schreiben wollte, gingen drauf, weil ich dachte, ich müsste mal wieder Substack bedienen. Das war ein eigener innerer Zwang. Community-Gruppenzwang, wenn man so will.

Und noch etwas hat mich auf Substack gestört: die äußere Form.

Hier sieht am Ende vieles irgendwie ähnlich aus. Das ist nicht schlimm, kann man sich doch durch die reduzierte Form gut auf den Texte konzentrieren. Doch für mich passt es nicht. Ich experimentiere gern. Ich mag Bilder, ungewöhnliche Formen, unterschiedliche Seiten und die Freiheit, Dinge einfach so zu bauen, wie ich sie brauche, auch wenn es am Ende völlig in die Hose geht: Der Lerneffekt ist jedes Mal 100%. So wie mein Gehversuch hier auf Substack.

Und nun weiß ich: Ein Ritter braucht ein anderes Outfit als ein uniformes Substack-Gerüst.

Das war mir am Anfang gar nicht so bewusst, aber es ist wie ein Buchcover: Das muss zum Inhalt passen. Und Substack fühlte sich mit jedem Eintrag mehr an wie ein Buchcover, das immer schlechter zum Buch passt.

Das nächste war Conrad selbst. Er braucht Raum. Eigentlich hätte ich das wissen müssen.

Ein Ritter braucht seine eigene Burg.

Die hat er nun bekommen:

conradvonstrahlenberg.de

Dort entsteht nun nach und nach seine Welt – mit dem Roman, meiner Recherche (das habe ich noch in Planung), der Geschichte hinter der Geschichte und einem Blog, in dem ich ausführlich und wann immer es mir beliebt, erzählen kann, was ich bei meiner inzwischen ziemlich ausufernden Suche nach diesem Mann aus dem 13. Jahrhundert alles finde und was in meinen echten Leben auf seiner Burg in Schriesheim so alles passiert und was das mit mir macht. Und ich habe nicht mehr das Gefühl jemand mit meinen Nischenthema zu belästigen.

Vielleicht war auch das ein Grund: Ich habe mich unter all den schlauen Textbeiträgen immer mehr wie eine verlorene Bloggerin gefühlt, die sich mit einem nischigen Randthema auf Substack versucht. Es ist halt kein Commercial-Thema wie „Wie schreibe ich gute Texte?“ und auch keine fortlaufende Geschichte oder Kurzgeschichte, kein täglicher Tipp für den Leser. Es ist das Backend eines Romans. Die Recherche, das Suchen, Verwerfen, Rekonstruieren, Zweifeln und gelegentliche völlige Ausrasten über eine 800 Jahre alte Urkunde. Nischig eben, solange die Autorin ein No-Name und der Roman noch nicht erschienen ist.

Witzigerweise ist mein anderes Nischenthema, der reale Burgkauf, inzwischen dabei, diesen Status zu verlieren. Die Strahlenburg ist mittlerweile sogar in der SWR-Landesschau aufgetaucht – inklusive mir, denn das Filmteam hatte uns mehrere Monate begleitet. Zu sehen sind die Folgen in der ARD-Mediathek:
• Folge 1: Der Schlüssel zur Burg

• Folge 2: Gemeinsam wird die Burg neu hergerichtet

• Folge 3: Spendensammeln für die Burg auf dem Mathaisemarkt

• Folge 4: Vorbereitungen für die Eröffnung der Strahlenburg

• Folge 5: Wiedereröffnung der Strahlenburg

Wer weiß: Vielleicht braucht Conrad einfach noch ein bisschen Zeit. Ich brache sie auf alle Fälle. Jedenfalls sind die ersten zehn Blogeinträge auf Conradvonstrahlenberg.de bereits online:

https://conradvonstrahlenberg.de/blog/

Substack werde ich deshalb nicht verlassen. Aber ich werde es anders nutzen als bisher: weniger als einen Ort, an dem ich ständig präsent sein muss, dafür wieder mehr so, wie ein Newsletter ursprünglich einmal gedacht war.

Ich schreibe euch also immer mal wieder, wenn es einen neuen Satz Blogeinträge gibt, wenn eine neue Rubrik auf der Webseite erscheint oder wenn Conrad Band 1 endlich fertig ist.

Das Letzte dauert noch, denn ich habe erst vor Kurzem 625.000 Wörter verworfen und völlig neu angefangen. 🫣😱

Bild: 625.321 Wörter - 5 Jahre! Und ich? Ich fange neu an…Warum? Weil eine Recherche ergeben hat, dass ich ich die Hälfte der Geschichte ganz anderes schreiben muss, damit Conrad historisch stimmig bleibt. Alles für meinen stillen Helden…

Und deshalb gehe ich jetzt wieder aus Substack raus und zurück zu Conrad.

Denn am Ende soll nicht mein Substack wachsen.

Am Ende soll dieser Roman fertig werden und das ist das eigentliche Abenteuer.

Read the original on sindygrambow.substack.com

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